Tobago Cays – Frohe Weihnacht wünscht die ANNE Crew

Eine gute Woche sind wir nun auf der westlichen Seite des Atlantiks und fangen an, die Tage zu genießen. Die ersten Tagen an Land waren in der Tat anstrengender als die Fahrt dort hin. Aufklarieren und kennenlernen der Umgebung stand auf dem Programm. Nachdem die gröbsten Dinge erlegt sind, kommt Opa aus Hamburg zu Besuch und wir machen uns auf den Weg raus aus der Marina. Die zwei kommenden Tage vor Anker vor St. Anne (;-) verlaufen entspannend und zugleich aktiv. Eine der besten Geburtstagsparties seit dem es Geburtstagsfeiern gibt, wird auf der Alytes gefeiert. Nina wird 9 Jahre alt und feiert mit 13 Kindergästen sowie zu später Stunde weiteren 10 Elterngästen. Unglaublich was so ein Katamaran an Besuchern trägt und obendrein auch noch ordentlich segelt. Bei unserem nächsten Langfahrttörn laufen wir zur Mehrrumpffraktion über ;-), träumen muss erlaubt sein.

Trotz weiterer wunderbarer Stunden auf den befreundeten Schiffen Vida und Hapa Na Sasa, geht es am Sonntag Richtung Süden weiter. Zu kurz ist die Zeit mit Opa, da muss eng geplant werden, nicht das er nur die Marina von Le Marin und eine benachbarte Bucht kennenlernt. Doch beim Aufbrechen sind wir nicht allein. Bis auf die Hapa Na Sasa, die aufgrund eines gebrochenen Oberwants noch ein paar Tage auf Martinique verweilen werden, ziehen auch die anderen Crews weiter. Je nach nach der weiteren Törnplanung ziehen die Wandervögel entweder gen Süden, um sich dann später -so wie wir- wieder nach Norden kehrt zu machen, oder eben anders herum. Somit sind wir in guter Gesellschaft und verlassen ohne schlechtes Gewissen unsere Flotte, sicher in der Annahme, dass es wiederum nur ein Abschied auf Zeit ist.

Unser nächstes Ziel ist Bequia, eine kleine charmante Insel in den Grenadines, ca. 100sm weiter südlich. Gegen 16:30 Uhr schaffen wir es endlich den Anker zu lichten, unglaublich was es doch für viele Gründe gibt eine Abfahrt zu verschieben. Da wir über die Nacht segeln wollen und sicherlich gut 20h brauchen werden, ist eine späte Abfahrt jedoch auch gewollt. Mit halb achterlich Wind (120 Grad) um die 20kn rauschen wir in die Nacht herein und an den angrenzenden Inseln St. Lucia und St. Vincent vorbei. Die Fahrt geht ransant voran, unsere ANNE fliegt auf ihrem Lieblingskursim Schnitt mit 6,5kn nur so da hin. Erstaunlich wie einem nach so einer langen Überquerung diese 100sm doch lang und anstrengend vorkommen. Zum einen sicherlich durch die vielen Schiffe die wir unterwegs treffen, vom Royal Clipper einem bunt geschmückten Viermaster der aus der Ferne wie ein beleuchteter Christbaum ausschaut, über Tanker die auf Reede liegen. Andererseits ist das Dahinrauschen mit 120 Grad Windeinfall durchaus anstrengender, da die Krängung im Schiff beachtlich ist und die Welle von schrängachtern uns mühelos zur Seite pustet. Ein ums andere Mal wird das Deck von einer Welle gewaschen, kommen auch im Cockpit ein paar Spritzer an.

Übermüdet und ausgepowert laufen wir nach 17h und 105sm in der Admirality Bay auf Bequia ein. Mehrfach fahren wir das Ankermanöver, da auf dem steinigen und krautbewucherten Grund einfach kein Vertrauen in den Ankerplatz entsteht. Erschöpft fallen wir in die Kissen und fühlen uns platt wie lange nicht mehr. Der Wind nimmt auf gut 25kn zu und ist für die Jahreszeit zu stark wie wir später in Gesprächen mit anderen Seglern lernen. Bequia ist sehr entwickelt und zugleich richtig karibisch. Das Leben brodelt nur so vor sich hin, an allen Ecken erhält man typische karibische Nettigkeiten aber auch handfeste Unterstützung bei jedem Anliegen. Vor Ort in der Ankerbucht geben sich im halbstündigen Takt die einheimischen „Versorgunsschiffe“ die Hand. Wasser, Diesel, Brot, Zigaretten, Cola, Lobster, T-Shirts etc., alles ist gegen Geld zu erstehen und wird unermüdlich angeboten. Am ersten Tag wiederstehen wir noch, kaufen dann am nächsten Tag dafür zwei riesige Lobster fürs Weihnachtsfest. Mit dem Dinghi erkunden wir Stadt und Strand und fühlen uns pudelwohl. Sollen wir länger bleiben, haben wir doch eine sehr angenehme Hamburger Familie mit drei Kindern getroffen, die zum verweilen einladen?! Ein wenig getrieben durch den Besuch aber auch von der Suche nach türkisem Wasser und Schildkrötern (für Neele) verlassen wir am nächsten Tag die Bucht. Jürgen und Ingrid von der Maria Concordia erleichtern uns den Entschluss. „Kommt mit zu den Tobago Cays, da findet ihr was ihr sucht!“
Gesagt getan, verlassen wir schon am nächsten Tag gegen 12 Uhr die Ankerbucht mit Ziel der nahegelegenen, etwa 30sm, Tobago Cays. Die Cays sind eine Ansammlung von kleinsten karibischen Inseln, vor denen ein Hausriff vorgelagert ist, und damit den Atlantik Schwell bricht. Wir werden nicht enttäuscht. Auch wenn jetzt in der Hautsaison sicherlich weitere 20 Schiffe vor Anker liegen, so sind die Cays genau das, was man sich unter der Karibik vorstellt. Im „Schlepptau“ der Maria Concordia schießen wir nur so zu den Cays, haben eine Durchschnittsgewindigkeit von 7kn und kommen um 16:00 Uhr in der Bucht vor dem Hausriff an. Türkises badewannenwarmes Wasser, Schildkröten und Rochen die ums Schiff schwimmen und ein weisser Untergrund, der geziert ist von unzähligen Riesenmuscheln (Fussballgröße). Kein Haus, nur eine Strandbar ist auf einer der drei kleinen Insel auszumachen. Unglaublich, welche Wohltat für die Augen und Seele.
Mit Schwimmen, Schnorcheln, Wandern, Dinghifahren und Kiten vergehen die Stunden kurzweilig. Die Tage sind erfüllt von vielerlei Eindrücken und Erlebnissen und vergehen daher um längen langsamer als zu Hause – gut so, wollen wir doch jede Minute hier unten genießen.
Erneut lassen wir uns auf die Gespräche mit den „Boatboys“ ein, und erstehen ein paar schöne T-Shirts sowie einen fetten Thunfisch. Morgen gibt es daher erneut Sushi und Sashimi an Bord der ANNE!

Bei aller Freude über die Karibik und vor allem über unsere sichere Überfahrt dorthin, haben wir heute mit Bestürzen eine Email von einem befreundeten Einhandsegler erhalten. Jürgen ist mit seiner Delphin von Rostock einhand bis zu den Kanaren gesegelt und lebt seinen Traum einer Weltumseglung. Wie wir heute dank einer lokalen Sim-Karte erfuhren, musste Jürgen letzte Woche sein Schiff zweihundert Seemeilen südlich der Kanaren aufgrund eines Ruderverlustes aufgeben. Jürgen wurde mit der Unterstützung eines großen Tankers im Windschatten des Tankers von der Segelyacht Pamina abgeborgen und zu den Kap Verden mitgenommen. Mit großer Anteilnahme haben die Kinder gelauscht, als Jürgens Mail vorgelesen wurde. Nur zu gut, kann sich jeder ausmalen, dass dies auch uns hätte treffen können. Undenkbar, dass wir unserer Atlantiküberquerung hätten abbrechen müssen, unser ANNE auf dem großen Meer zurücklassen müssen.
Jürgen, wird sind in Gedanken bei dir, du bist ein Hammer Typ und hast schon unglaubliches gleistet, wir ziehen den Hut vor dir! Viele wären nicht mal bis Brunsbüttel gekommen, wären nicht mal losgefahren. Wir wissen, dass das den Schmerz nicht lindern kann und drücken dennoch ganz doll die Daumen, dass sich neue Pläne auftuen werden. Wir würden uns jedenfalls sehr über Dich an Bord der ANNE freuen.

So, nun reicht es mit dem Schreiben, Euch allen eine wunderschöne Weihnachtszeit, genießt die Zeit wo immer ihr seid!

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2 Gedanken zu „Tobago Cays – Frohe Weihnacht wünscht die ANNE Crew

  1. Euer „Baum“ ist der Hammer! Frohe Weihnachten und liebe Grüße von Spiekeroog, hier seit ihr gaaaaaanz am Anfang vorbei gesegelt, als ich das letzte Mal hier war! Viel habt ihr seit dem gesehen!!!!
    Das mit Jürgens Boot ist ja wirklich heftig, das ist der „Kapitän Blaubärte“Jürgen, den ich kennengelernt habe oder?
    Gruß Anika

  2. Das ist alles so spannend immer zu lesen , das man zur Zeit nicht mal ein Buch kaufen muss ☺️… Und dann auch noch eine wahre Geschichte , was will man mehr ? Wir bewundern euch weiterhin für diesen Schritt und wünschen euch noch schöne Weihnachtstage ! Die Knigges

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