Ohne Wind kein Segeln – Tag 7 auf See

Aktuelle Position Montag 25.Mai 1130 UTC: 35°26′ Nord; 050°02′ West

Letzte Etmales: 118sm, 120sm Verbleibende Strecke bis zu den Azoren: ca 1050sm

Ob das mit dem Klassenerhalt des HSV geklappt hat und ob auch 96 dem Abstieg entkommen ist, das wissen wir an Bord der ANNE noch nicht. Völlig überrascht haben wir am 24.5. festgestellt, dass unser Satelliten-Telefon-Vertrag nach 12 Monaten ausgelaufen ist. Wir hätte diesen bereits vor 3 Monaten verlängern sollen. Als wir uns das Telefon zugelegt haben, hätte ja keiner geahnt, dass wir es wirklich ein Jahr auf dem Schiff aushalten werden. Nun informieren wir uns und schreiben diese Zeilen über die Karte eines Freundes, der davon noch gar nichts weiß, aber hoffentlich viel Verständnis für unsere Situation hat ;-).

Nachdem die ersten Tage geradezu perfekt für uns und unser Weiterkommen verlaufen sind, so stellt sich seit ein zwei Tagen etwas verhaltend Ernüchterung ein. Nein, es ist nicht die Schokolade, davon ist noch ausreichend im Kühlschrank, ich habe sie richtig gut versteckt. Es ist vielmehr der Wind, der sich entschieden hat eine Pause einzulegen. Während wir auf der ANNE auch noch mit dem letzten Lüftchen von ca. 6-8kn Wind von achtern ordentlich Fahrt von 3-5kn unter Segeln machen, so sind unsere Freunde der TIMEOUT und ELLIDA 6 bereits am Tag zuvor auf den Motor umgestiegen und haben so Meile um Meile auf uns wieder gut gemacht. Seit dem gestrigen Morgen sind nun wieder alle Schäfchen gemeinsam vereint.

Im ersten Funkkontakt werden die Neuigkeiten ausgetauscht und das weitere Vorgehen besprochen. Fischfang gab es keinen weiteren an Bord der drei Schiffe. Dafür aber Defekte. Das lange Motoren hat eine der Batterien der TIMEOUT zum Kochen gebracht, so dass diese abgeklemmt werden muss. Doch damit noch nicht genug für die tapfere Crew der TIMEOUT. Skipper Trond stellt fest, dass sich die Batterien nicht mehr laden lassen. Eine umfangreiche Analyse der Situation wird gestartet, bei der sogar John von der ELLIDA 6 ins Dinghi übersteigt und sich der Sache annimmt. Leider vergeblich, der Fehler lässt sich mit Bordmitteln nicht beheben.

Ein Schiff auf dem Atlantik ohne Strom ist zwar keine kritische Situation für Crew und Schiff, wohl aber eine weitere Abprüfung der Seemannschaft. Fortan fährt die TIMEOUT alle elektronischen Verbraucher konsequent runter, um die Batterien nicht weiter zu belasten. Nun heißt es hoffen, dass die Sonne bzw. der Wind wieder durchbricht und die regenerativen Energien ihren Beitrag zum Energiemanagement leisten können. ELLIDA 6 und ANNE geben derweil Geleitschutz, wobei die ELLIDA 6 hier den Löwenbeitrag leistet.

Skipper Bill geht sehr cool mit der Angelegenheit um, gibt vielerlei hilfreiche Tipps aus der Ferne, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Für uns auf der ANNE gestalten sich die Nächte als „zweier Crew“ eh schon lang, so dass wir gebührend Abstand zu den beiden anderen Schiffen halten und uns lediglich in die Funkrunden moralisch mit einklinken: „Sag der Crew, sie soll den Norwegischen Schnaps reduzieren!“, oder „wir können Euch gar nicht sehen, macht doch mal die Lichter an“, sind die hilfreichen Kommentare mit denen wir nicht sparen. Ohne Licht ist die TIMEOUT in der Nacht quasi unsichtbar. Andere Schiffe die bislang jedoch nicht sichtbar sind, müssen informiert werden. Sollte dieser Zustand anhalten, so muss die vierköpfige Crew der TIMEOUT die verbleibenden 7-8 Tage von Hand steuern. Von Hand bei Nacht und Regen ohne Instrumente zu steuern ist eine andere Art des Segels, die man erst erlernen muss. Um Kräfte zu schonen, wird auf der TIMEOUT nun sehr konsequent eine Wachablösung gelebt. Aber macht Euch keine Sorge, die vier sind im besten Alter und haben die Sache im Griff. Ferner ist Skipper Trond im Jahr 2011 schon mal über den Atlantik gerudert. Ihn kann so schnell also nichts erschrecken.

Für diejenigen, die sich denken, was würden wir auf der ANNE mit kleiner Crew allein irgendwo in solch einer Situation machen: Nun, zum einen haben wir eine mechanische Windsteuerung, die braucht keinen Strom, ferner ist unser Schiff konsequent mit LEDs ausgestattet, so dass wir mittels Sonne und Wind schon ne Weile durchhalten sollten. Mittels Hand-GPS und Seekarten trauen wir uns durchaus zu, auch solch eine Herausforderung mit „kleiner Crew“ zu meistern. Also keine Sorgen machen, uns geht es gut, und der TIMEOUT auch. Wenn‘s haarig wird, dann rücken wir zur Not auch etwas von unseren Schokobeständen heraus, aber nur wenn es ernst wird. ;-))

3 Gedanken zu „Ohne Wind kein Segeln – Tag 7 auf See

  1. Hallo Stefan wenn schon kein Wind – Zeit zum schreiben – Berichte lesen für alle an Land ist viel interessanter.
    96 ist nach dem letzten Sieg 2:1 gegn Freiburg noch auf den13 Patz gerutscht Hamburg muss in die Religation. Freiburg und Paderborn steigen ab.
    Wünsch einen erholsamen Tag wenn auch unter Motor ohne Schäden
    Gruß Uwe✌

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