Grenada, Carriacou – Auf ein Wiedersehen mit Freunden

Nach zwei Wochen Aufenthalt auf Grenada verlassen wir diese wunderschöne Insel und machen uns auf den Weg Richtung Norden. Der Aufenthalt hat länger gedauert, zum einen weil wir hier erst so richtig die Ankunft auf der Westseite des Atlantiks fassen können und zur Ruhe kommen. Zum anderen haben wir uns entschieden unser Dinghi auszutauschen und müssen auf selbiges ein paar Tage warten.
Der nächste Zwischenstop ist Carriacou und die vorgelagerte Insel „Sandy Island“. In Carriacou können wir „Ausklarieren“, also unser beabsichtigtes Verlassen des Landes ankündigen. Das Ein- und Ausklarieren ist eine meist kurze und schmerzlose Prozedur beim Zoll und der Einwanderungsbehörde. Es werden ein paar Stapel Papiere ausgetauscht (Boots und Reisepässe im Gegentausch zu Behördenformularen), einseitig wechseln EC Dollars den Besitzer und nebenbei werden die ersten Eindrücke der Insel gesammelt. So auch bei unser ersten Ankunft vor ein paar Wochen. Ein von uns gut gemeinter Smalltalkansatz führt zu einer ausschweifenden Predigt des Zollbeamten über den Sinn des Lebens – angekommen mitten im karibischen Leben ;-).

Wie immer nutzen wir die Ankunft und erkunden in Carriacou das Umfeld. So lernen wir von einem 12-jährigen einheimischen Jungen wie er vom Dinghi Dock aus (Dinghi Docks sind meist aus Holzbrettern zusammengeschusterte Anlandungsstege für Beiboote) nur mittels eines blanken Metallhakens Köderfische fängt. „By day small fish bite, by night the big ones…“. Auch Barrakudas werden so von ihm rein mit einer Angelschnur aus dem Wasser gezogen. Respekt, das ist uns bislang nicht vergönnt gewesen, vielleicht sollten wir vom trawlern aufs Landfischen umsteigen.
Carriacou ist eine kleine Insel auf der wohl jeder jeden kennt. Eine Taxifahrt zum nahen Paradise Beach gibt uns Einblicke in diese Insel und macht deutlich, dass allein auf dieser Insel ein Stop von ein bis zwei Wochen angemessen wäre. In der Zeit die wir uns als Reisezeit gesetzt haben ist das nicht möglich, bzw. nicht, wenn man wie wir noch ein paar weitere Inseln anschauen möchte. Wir treffen jedoch viele Yachties, die keinen fest Zeitplan haben und hören häufig „wir sind seit 4 Wochen hier und bleiben sicherlich noch ein paar weitere“. Carriacou hat alles was das Seglerherz beehrt: guten Ankergrund, eine Weft, einen Ship Chandler, ein gutes Restaurant, Einkaufsmöglichkeiten und Strände die kaum schöner sein können. Vielen Crews die Zeit haben, reicht dies voll und ganz aus, um die Wintersaison hier zu liegen und zu entspannen. Die Lebenskosten sind überschaubar niedrig, so dass es nicht verwundert, dass die Anzahl an „Dauerseglern“ ständig zunimmt. Mit einem Jahr Auszeit sind wir auch hier eher die Exoten. Nicht weil wir es gewagt haben, ein Jahr dem Alltag zu entkommen, eher weil wir es nur auf ein Jahr ansetzen und nicht gleich für etwa drei oder lebenslang.

Nach zwei Tagen machen wir uns erneut bei stürmischen Winden gegenan auf den Weg nach Union Island. Die VIDA und die HAPA NA SASA haben sich angekündigt, was für eine Freude für Eltern und Kinder. Immer wieder ziehen starke Regenfälle über uns nieder, begleitet von Böen, die 30kn Wind immer wieder leicht kratzen. Die Karibik zeigt sich bislang ungewöhnlich windig und regnerisch, eher untypisch wie wir von Karibikkennern erfahren. Herrliches karibisches Segeln haben wir uns anders vorgestellt. Seit ca. 14 Tagen bläst es konstant mit 25kn gerne auch mal in Böen bis 35kn.

Auf der 5sm langen Fahrt nach Union Island ist ein weiteres mal das Angelglück auf unser Seite – ein ca. 80cm und sicherlich 5kg schwerer Barrakuda verbeisst sich in unserem Köder. Der Barrakuda hat ein angsteinflößendes Gebiss mit Zähnen die bis zu einem Zentimeter lang sind. Zum Glück kämpft er nur mäßig und ist sichtlich von unserem Vorschlaghammer beeindruckt. Nach langen abwägen auch mit den anderen Crews übergeben wir den Fisch in die Obhut eines Locals. Trotz der Beteuerung, dass man die Barrakudas hier in der Gegend essen kann, sie von der gefürchteten Nervenkrankheit nicht betroffen seien, verschenken wir den Fisch.

Wir genießen das Wiedersehen mit den anderen Crews in vollen Zügen. Wunderschön zu sehen, wie die Kinder sofort in einen tiefen Spielmodus verfallen und kreativste Arbeiten gemeinsam vollbringen oder lange und konzentriert Gesellschaftsspiele miteinander spielen. Auch die Eltern nutzen jede Gelegenheit sich auszutauschen. Was habt ihr gesehen, was lohnt sich was, was sind die weiteren Pläne? Bei einem Glas Rumpunsch verklönen wir uns in den Abend an Board der HAPA NA SASA, bis wir erneut von einem sintflutartigen Regenschwall erwischt werden. Unglaublich was der Himmel über unseren Köpfen entleert. Wir sollten uns wohl doch so langsam mal intensivere Gedanken über eine Regenauffangkonstruktion machen.

Der Regen hört auf, alles ist plötzlich still… so merkwüdig still, fehlt das nichts das gewohnte Plätschern des Dinghis…? Ach du Sch…., das neue Dinghi ist nicht mehr an Ort und Stelle, ist nicht mehr auszumachen. In Sekunden läuft das Kopfkino ab, was in der Karibik ohne ein Dinghi anstellen, wie sollen wir es an de Strand schaffen, fortan immer auf ein Wassertaxi zurückgreifen? Keine drei Tage ist es her, als wir voller Stolz das Dinghi abholten und jetzt so etwas. Bei stockfinsterer Nacht machen wir das Dinghi der HAPA NA SASA klar und begeben uns auf die Suche. Ich bin völlig frustriert, habe wenig Hoffnung, dass sich das gute Stück wieder auffinden lässt, bin ich doch der Ansicht, dass es bereits einen neuen Besitzer hat. Pechschwarze Nacht, Wind bis in die 25kn und dann auch noch eine Regenfront die es in sich hat. Constantin und ich sind bis auf die Knochen durchnässt, frieren ja zittern im Wind trotz 26 Grad Umgebungstemperatur. Wir machen am Ende der Bucht an einem Steg fest um abzuwettern, der Regen macht jegliches Weitersuchen unmöglich. Dann hört er endlich auf, wir wollen zurückfahren, doch Constantin meint, „Lass es uns noch hinter dem nächsten Schiff probieren, dort vor dem gesunkenen Schiff und den Untiefen….“. Der Strahl der Taschenlampe wandert über die sich inzwischen wieder beruhigte Wasseroberfläche. Ein Schiff eines Einheimischen braust heran (unglaublich, dass sie bei jedem Wetter ohne Licht mit ihren kleinen Speedbooten die 5sm entfernten Tobago Cays anfahren). Mehr hoffnungslos als motiviert rufe ich rüber, was ich denn tun müsste um ein verloren gegangenes Dinghi wieder zu erhalten. Da blitzt plötzlich das Heck des Dinghis im Scheinwerfer Licht auf. Der Einheimische, Carlos ein Unternehmer der BBQs auf den Cays veranstaltet, ist sofort behilflich und zeigt mir den Weg durch die Korallenbänke, wie ich an das Dinghi herankomme. Unfassbar, ein paar Schritte weiter liegt unser Dinghi seelenruhig am Strand, ist angetrieben worden und wartet darauf mitgenommen zu werden. Carlos schiebt mich anschließend durch das Riff nach draußen und zeigt mir den weiteren Weg zurück in den Hafen. Heute ist Weihnachten und Ostern auf den selben Tag gefallen, zumindest fühlen wir 5 uns so. Unglaublich wie schnell die Stimmung sich wieder fängt und statt Trübsal unbändige Freude herrscht.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen. Pünktlich um 10:00 Uhr reist die HAPA NA SASA weiter gen Süden mit undefiniertem Endziel. Constantin, Urte, Franka, Luisa uns Paula: wir haben die kurze Zeit mit Euch sehr genossen. Allzeit gute Fahrt und wir sehen uns sicherlich wieder, auch wenn es ein paar Tage dauern wird.

Die ANNEs und VIDAs machen das Beste draus. Baden, Sushi an Board der ANNE, Sashimi an Board der VIDA, das Leben kann so schön sein. Nach einer halbgeglückten Kitelernsession setzen wir zusammen die Segel und fahren den Tag darauf ins benachbarte Mayreau. In Strandnähe nehmen wir uns eine Mooringboje und können so bis zum Ufer schwimmen, wäre die Freude über das wiedergewonnene Dinghi nicht so groß ;-). Die erneute Kitesession am langen Sandstrand, zaubert Lasse und Neele ein fettes Grinsen ins Gesicht. Sich per Kite durch das Wasser ziehen zu lassen ist schon ein mächtiger Spaß, der auch mir immer noch eine riesen Freude bereitet.

Nach einem weiteren gemeinsamen Abend auf der VIDA, heißt es nun auch dieser, uns sehr ans Herz gewachsenen, Crew auf Wiedersehen sagen. Angelika, Bernhard, Felix und Alex, ihr seid eine ganz tolle Familie mit riesen Mut und Plänen. Wir wünschen Euch, dass diese in Neuseeland aufgehen und wir somit ein weiteres Reiseziel für die Zukunft haben. Euer Motto finden wir so klasse, das wir es hier gerne noch mal erwähnen:

„Die ganze Welt ist voll von Sachen, und es ist wirklich nötig, dass jemand sie findet.“
Pipi langstrumpf

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Wir haben unser Dinghi verkauft und müssen drei Tage lang auf unser Stand Up Padle Board ausweichen, eine sehr spaßige Angelegenheit
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Das Dinghi ist endlich da, was für ein Spaß für alle
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lange Ausfahrten bis zum Sonnenuntergang, Halifax Bay, Grenada besser dort nicht mehr ankern…
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Tyrell Bay auf Carriacou, eine Mangrovenbucht die im Sommer als Hurrican Hole / Unterschlupf dient
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Dinghi Friedhof – selbst hochpreisige Produkte sterben nach ein paar Sonnenjahren einen qualvollen Tod (für den Besitzer)
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Paradise Beach auf Carriacou – einsame traumhafte Strände mit einem sehr sicheren Gefühl – die Karibik ist ein Ort des ständigen Lächelns
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Sandy Island vor Carriacou – von 8 – 12 Uhr gehört uns die Insel allein
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Barrakuda – angsteinflößendes Gebiss dieses ca. 80cm langen Exemplares
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Und immer wieder Fisch – diesmal Thunfisch von einem der lokalen Händler
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Union Island, Clifton Bay – Kitesession am Strand
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Prickley Bay, Grenada -„Dinghi Dock“ teilweise besser als die Marinas 😉
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Lokale Wifi Bar – für die Net-adictive People wird alles getan, sogar mit Recharge Möglichkeit falls es mal länger dauert ;-))
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Hog Island, Grenada – Lokales BBQ am Sonntag Nachmittag. Herrlich überlaufen, auch von lokalen Gästen. Brian sagt, vor 15 Jahren war es viel schöner… wir kennen es nicht anders und finden es herrlich
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Hog Island – Kühles Bierchen nahe am Strand
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8 Gedanken zu „Grenada, Carriacou – Auf ein Wiedersehen mit Freunden

  1. Jetzt sitze ich in eurer Küche im fernen Steinwedel und habe Pipi in den Augen, weil ihr euch von der Hapanasasa und der Vida verabschieden musstet….
    Wo geht’s jetzt hin? Dann verfolge ich euch ein wenig auf der Karte….
    Liebe Grüße!

  2. Welch tollt Berichte von euch – da hört das eigene Träumen nicht auf. Man erlebt euch mit. Super. Gester haben wir unsere große heimische Segelfamilie aus Grossenbrode zum Wintertreff gesehen – das letzte Mal bevor wir und auch auf den Weg machen. Endspurt. Wir kommen euch entgegen

  3. Wider ein toller Bericht mit genauso schönen Fotos.
    Glückwunsch zum wieder gefundenen Dinghi.
    Wenn kein Schaden am Boot hat sich die Investition schon gelohnt und die Sicherung wird zweimal geprüft.
    Würde mich über drei Fotos im Original für unser Clubraum freuen.
    Sonnenuntergang, Barrakuda, Strand mit Baumstamm, vielleicht hast du die Möglichkeit mir die Bilder zu schicken.
    Grüße an alle
    Gisela u Uwe

  4. Hallo Ihr Lieben,
    besonders beeindruckt hat mich das tolle Bild, auf dem Lasse den Torge auf dem standup board durch die Gegend schippert – toll!
    Liebe Grüße aus dem nasskalten Norddeutschland an meine Seefahrer

  5. Unglaublich, wie schnell 6, fast 7 Monate vorbeifliegen, seitdem ich ( und Du ja auch Stefan, zumindest temporär ) der IBM den Rücken gekehrt habe. Das Motto von Pippi Langstrumpf gefällt mir und ich kann das auch als Daheimgebliebener bestätigen. Man braucht dafür aber Zeit, die habe ich nun jetzt endlich und gebe dem Leben auch eine Chance für Neues, Ihr ja noch in weit anderen Dimensionen. Das tut aber so gut. Geniesst das Leben in vollen Zügen, die Beiträge lassen ja auch darauf schliessen und ich kann mich nur den anderen Kommentaren anschliessen, das Buch würde ich auch kaufen…und sicher auch zu einer „Multi-Vision-3D“ Diashow kommen. Alles Gute weiterhin und bleibbt wiethin Entdecker und findet viele Dinge………..liebe Grüße aus Hannover.

    Hermann

    1. Hallo Hermann,
      schön von dir zu hören! Na, wenn nun also schon drei Leute mein Buchen kaufen möchten, dann komm ich ja wirklich nicht drum herum es zu schreiben ;-).

      Genieße die herrliche Winterzeit, vielleicht mal im Harz?
      Liebe Grüße
      Stefan

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