Grenada – ANNE auf dem Rückweg mit Umwegen

4400sm ist die Entfernung per Luftlinie, zwischen Grenada und der Heimat.
Keiner der hier ist, möchte sich mit der Rückfahrt beschäftigen, nicht morgen und schon gar nicht heute. Dennoch ist das Thema der Routenplanung ein sehr wesentliches, was alle Cruiser ständig umtreibt, egal auf welchem Breiten und Längengrad sie sich gerade befinden.
Speziell hier in Grenada ist ein beliebter Knoten oder Trennungspunkt. Einige der Crews, wie auch wir, haben in Grenada ihren südlichsten Punkt (12 Grad nördlicher Breite) der Reise erreicht. Von nun an geht es wieder gen Norden bis eben zum 54 Grad nördlicher Breite. Andere Crews starten von hier zu ihrer nächsten Ozeanüberquerung, dem Pazifik, oder gar der Weltumrundung, Circumnavigation wie es im Englischen heißt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich trotz traumhafter Strände, herrlicher Getränke und einem Leben, welches nicht süßer sein könnte, immer wieder Molltöne untermischen. Viele der geschlossenen Freundschaften werden wir so nicht fortführen können, müssen ggf. auf lange Zeit ausgesetzt bzw. per Blog, Mail etc. verschoben werden.
Nicht das ein falscher Eindruck entsteht, Trübsal oder Molltöne erklingen nur in den seltensten Augenblicken, aber sie sind da und gehören zu einer solchen Reise wie Gassigehen im Regen zu einem Hund. Sobald es vorüber ist, hat man es auch schon vergessen.

Die Momente und Tage vergehen hier sehr bewußt. Seit mehr als einer Woche haben wir es uns nun auf Grenada gut gehen lassen und die Tage langsam angehen lassen. Grenada ist subtropisch geprägt und ist von einem dichten Regenwald überzogen. Gerade jetzt in der Regenzeit regnet es sicherlich 5-10 mal am Tage, jeweils mit 5-10min von kurzer Dauer. Nach der Jahreswende haben wir uns gen Süden um das südwestlichste Cap herum auf den Weg gemacht. Im Gepäck ein neues SUP (Stand Up Paddel Board) welches fortan die bevorzugte Badeplattform der Kinder und auch des Skippers ist. Prickley Bay, Hog Island sind die Stops in wunderschönen, wenn auch nicht einsamen, Buchten. Wenn man von der teilweise beschwerlichen Anfahrt absieht, teilweise standen 30kn gegenan, so lohnt sich doch jeder Buchtenwechsel, spätestens nachdem sich der Anker sicher eingegraben hat. Immer wieder überraschend wie sich hinter einem Felsvorsprung, bzw. einem mit Wald überzogenen Cliff neue Buchten öffnen. Die Ansteuerung muss häufig mit Sorgfalt durchgeführt werden, da viele Riffe sich vor diesen Buchten befinden und das Wasser teilweise bis auf einen halben Meter Tiefe abnimmt.
Highlights der letzten Tage waren ein Nachmittags BBQ am Strand von Hog Island, Cocktailabende an Bord der ANNE, ein Wiedersehen der Spray, viele nette gemeinsame Stunden mit Lars, Jana und Alia von der Joy of Life und nicht zu vergessen unser erster richtiger Squall. Kurz vor der erneuten Ankunft in Port Louis, sehen wir von weitem, dass sich eine der bekannten Regenfronten auf uns zubewegt. Die Segel sind bereits im Reff, uns kann als Atlantiküberquerer ja wohl nichts überraschen… . Weit gefehlt, der Wind legt schlagartig von 15kn auf über 30kn zu, das ist ein Anstieg um drei Windstärken. Zugleich setzt der heftigste Regenfall ein, den wir bislang hatten. Die Sicht reicht nicht weiter als bis zur Bugspitze, und der Regen ist derart stark, dass ein gegenan gucken unmöglich ist. Trotz unser gerefften Groß- und Vorsegels läuft die ANNE aus dem Ruder und folgt den Kräften der Physik und dreht sich in den Wind, nicht weiter schlimm, hat nur sehr laut, wenn die Segel im Wind schlagen. Zehn Minuten später ist der Spuk vorbei, und wir haben wieder den schönsten Sonnenschein von der Welt.

Eine besondere Insel gebührt ein besonderer Abschluss. Nachdem wir die wunderschöne Port Louis Marina gegen 13 Uhr verlassen haben, wartete vor der Dragon Bay noch eine tolle Tauch- und Schnorchelwelt auf uns. Ein lokaler Künster hat vor Jahren Steinskulpturen von Personen in Lebensgröße auf dem 6-9m tiefen Grund versenkt. Über die Jahre ist so eine Unterwasserwelt entstanden, die beeindruckend ist. Eine artenreiche Fischwelt (Baracuda, Trompetenfische, etc.) verfeinert den Tauchplatz und die großzügig ausgelegten Moorinbojen laden zum Verweilen ein.

Für die Übernachtung haben wir und die Halifax Bay ausgesucht. Idyllisch jedoch vom Ankergrund nicht optimal ausgestattet liegen wir hier nun, hören das Meeresrauschen und verdauen die letzten Sashimi des frischen Thunfisches.
Morgen geht es nach der Schule weiter gen Norden, Carriacou, einer Nachbarinsel von Grenada. Dort werden wir eine oder zwei Nächte bleiben, um dann dort hoffentlich die Vida und / oder die Hapa na sasa anzutreffen

2 Gedanken zu „Grenada – ANNE auf dem Rückweg mit Umwegen

  1. Das Wort „Rückfahrt“ ist nun gefallen…
    Es ergeht daher die Bitte ggf. einen Stopp auf Cuba zu vollziehen und dem ‚Onkel Herbert‘ frische Cohibas (Zigarren) und besten Rum mitzubringen…..in Pinar del Rio kennt man ihn ggf. noch 😉

    Die Skulpturen erinnern an das versunkene Alexandria:
    http://villalove.com/wp-content/uploads/2011/11/sculpture-park.jpg
    http://www.snorkelingrenada.com/images/article03.jpg

    Bleibt alle munter und weiter Carpe Diem!
    VG
    Lammy’s

  2. Zunäxhst wünsche ich der ganzen crew ein gutes neues jahr. für den törn zum 54. breitengrad alles gute. Zwischenstop auf den azoren ? Bitte grüße an die besatzung der „triton“ falls ihr sie treffen solltet. herzlich ger. göttsche

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