Englischer Kanal – Nass und nebelige Nacht

Seit Stunden fahren wir im tiefsten Nebel. Linksseits von uns, dass TSS welches die Grossschifffahrt in Vorbereitung auf die Kanalenge zwischen Dover und Calais ordnet und in Spur bringt. Rechts von uns liegt das französische Festland. Wie auf einer Perlenschnur angeordnet, nutzt die Grossschifffahrt die definierten Verkehrswege effizient aus. Über die Ortungssysteme AIS und Radar sind die großen Brummer bis weit über 10sm hinaus klar erkennbar. Trotz Sichtweiten von unter 100m ist das navigieren bei dem nur leichten Wind und kaum Welle unter Maschine einfach. Der Bord PC der ebenfalls mit dem AIS verbunden ist, hilft ebenfalls deutlich die Orientierung zu behalten.
Einzig die Sportschifffahrt hält uns in Atem. An ein Schläfchen während der Wache ist nicht zu denken. Nicht weniger als drei „Beinahekollisionen“ haben wir bei Dunkelheit. Den Anfang macht ein belgischer Segelkamerad. Klar erkennbar über das AIS liegen sein und unser Schiff auf Kollisionskurs. Da die vorliegende Ausweich- bzw. Kurshaltepflicht bei Nacht schwer auszumachen ist, beschließen wir die weiteren Manöver per Funk zu klären. Fehlanzeige. Trotz mehrfacher Rufe zielt das Schiff strömungsbedingt mit bis zu 10kn auf uns ab. Nach anfänglichem kurzzeitigem aufstoppen, geben wir ein Schallsignal ab und ändern dann den Kurs um 30 Grad nach Norden ab. Das andere Segelschiff scheint uns jetzt auch bemerkt zu haben, erhöht die Fahrt und geht vor unserem Bug in weniger als 200m durch. Aufgrund des dichten Nebels bekommen wir es jedoch nicht zu Gesicht.
Ein weiterer Kollisionssportschiffer nähert sich während Nettes Wache. Auch hier stures Kurshalten. Mit einer diesmal frühzeitigen Kurskorrektur klärt Nette die Situation bestimmt. Dann gegen 5:30 Uhr bei Anbruch der Dämmerung das nächste unwillkommene Aufeinandertreffen. Das Tageslicht ist fast wieder da, doch an den Sichtverhältnissen hat sich nichts geändert. Nasskalt liegen die Nebelschwaden auf dem Wasser, Sichtweite um 100m. Am Rand des TSS laufen wir mit 5kn durchs Wasser, haben etwa einen Knoten Gegenstrom. Das AIS zeigt das nächste Schiff in etwas über 8sm Entfernung im Begrenzungsbereich des TSS an, alles entspannt, Zeit für einen Tee. Dock da schlägt plötzlich der Radarwarner an. In ca. 2sm ist ein kleines Objekt, welches im Warnsektor liegt. Auch wenn das Objekt nicht auf direktem direkten Kollisionskurs liegt, etwa 200m liegen etwa zwischen uns beiden, so versuche ich dennoch das Schiff anhand der Position an der sich das Schiff befindet, zu rufen. Wieder Fehlanzeige, keine Antwort. Basierend auf den Informationen des Radarbildes ändere ich den Kurs, so das wir uns in Sicht passieren können. Weniger als 200m geht das Objekt hinter unserem Heck durch. Ich kann es weder mit dem Auge noch mit dem AIS ausmachen.

Ich mutmaße, dass es sich um ein Sportfahrzeug handelt, welches mittels eines passiven AIS Empfängers uns frühzeitig ausfindig gemacht hat, den Kurs sauber bestückt hat und uns nur einen Schrecken einjagen wollte. Eines haben wir mit Gewissheit während der letzten Monate gelernt: Vertraue nicht auf das Mitdenken / -helfen deiner Umwelt, beobachte genau und sei immer in der Lage ohne Hilfe von Dritten zu agieren. Dies gilt in Marinas, vor Anker und ganz besonders aus See.

10 Stunden später:
Ziel in Sicht noch 3sm, 25 Grad herrlich. Eben hatten wir noch Besuch an Board von drei netten Herren vom französischen Zoll. Mit ihrem 100PS Dingi kamen sie kurz mal vom Mutterschiff vorbei. Torge meinte zum Dingi nur: „Ne, so eins will ich nicht, das hat nicht genug PS“. 😉
Interessanter Weise wusste der Zoll, dass wir von den Azoren kamen – europäische Zusammenarbeit scheint also zu funktionieren ;-))

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