Dominikanische Republik – gut angekommen

Nachdem wir die letzen Monate mit Tagestörns und Inselhopping verbracht haben, liegt mit der Stecke in die Dom Rep nun wieder eine echte Passage mit 270sm vor uns. Der Wetterdienst sagt mit 10-15 Knoten leichte südöstliche Winde Tendenz abnehmend voraus.
Gegen 10:00 Uhr haben wir endlich alles verstaut, Stand up Paddle zusammengefaltet unter Deck, das Dingi ebenfalls entlüftet an Deck. Komisches Gefühl, das haben wir zuletzt auf Lanzarote vor dem großen Sprung so gemacht. Doch besser wir sind stets auf den Sturm vorbereitet und er kommt dann doch nicht, als anders herum. Zumindest nicht auf dieser Überfahrt. Hatte es die letzten zwei Wochen auf den BVIs doch täglich mit 15-20kn geblasen, so dass es mit unser ANNE fast immer nur mit der Genua ordentlich mit 6-7 knoten auf allen Kursen voran ging, so ist davon seit 20 Stunden nichts mehr zu merken. Der gute Diesel läuft seit gestern morgen um 7 Uhr, seit nun inzwischen 19 Stunden und unterstützt die Segel bei 8kn Wind von achtern. Warum denn das wird sich der ein oder andere fragen, das reicht doch zum Segeln? Ja, stimmt, wir könnten uns in Schleichfahrt der Dom Rep nähern und kennen Segler die dies auch so praktizieren würden.
Nicht jedoch an Board der ANNE. Wir sind segelnde Reisende und haben es einfach gern wenn die geplante Ankunftszeit in etwa mit der Realität übereinstimmt. Da ist der Diesel dann für uns auch ein legitimes Mittel auf welches wir an unserem Bootsalltag gern zurückgreifen. Zum anderen warten auch Lars, Jana und Alia von der JOY OF LIFE auf uns, zusammen wollen wir eine Bootstour zu den Walen in der Bay unternehmen.

Die Eingewöhningszeit an Board geht schneller als sonst. Nach nicht mal 24 h hat sich der Boardalltag eingestellt, Dank oder auch leider wegen der iPods die die Kinder benutzen dürfen. Einerseits eine schöne Möglichkeit mit dem leichten Unwohlsein zurecht zu kommen, andererseits jedoch der Stimmungskiller schlechthin. „Nette wo sind eigentlich die Kinder?“ Reisen wir alleine, haben sie gar auf der traumhaften BVI Insel Jost van Dyke vergessen? Nein, da zeigt sich doch von Zeit zu Zeit ein freches Grinsen eines der Kinder oder vernimmt man ein ebenso charmantes Gebrüll (aufgrund der Kopfhörer): „können wir was süßes?“ Wie gesagt Segen und Fluch zugleich…, immerhin gelingt uns am zweiten Tag eine Spielrunde mit Wizzard, einem interessanten Kartenspiel bei dem es gilt die jeweiligen Stiche vorweg zu schätzen. Wie so häufig gewinnt Lasse, gefolgt von Nette das Spiel, lande ich abgeschlagen vor Torge auf dem letzen Platz. Im Gegensatz zu mir, der über die Jahre gelernt hat, mit Spielniederlagen umzugehen, fliegen bei Torge immer noch regelmäßig die Karten, ist das Geschrei von Bruder Löwenherz groß wenn er am Ende doch wieder von seinem großen Bruder besiegt wird. Stählt das den Charakter, braucht man diese Erfahrungen wie es ist mir Niederlagen umzugehen? Was den kleinen Torge angeht weiß ich es nicht, wohl aber für die Eltern. Wären wir wirklich Eltern ohne dieses ständige Geschrei, ohne diese immer währenden Aufmunterungen, Beschwichtigungen, Motivationen, Frustrationen, Freuden, Lachen und Bereicherungen. „Papa, ich schieß dir ein schönes Schwein“, wirft mit Torge bei einem der Landausflüge zu, seine blauen Augen blitzen dabei unwiderstehlich auf. „Komm Amadeus, Galopp!“, ergänzt Neele und meint damit mein imaginäres Pferd auf dem wir gefühlt schon seit Stunden durch die abwechslungsreiche Landschaft von Jost van Dyke reiten. Ein kleiner Strandhund begleitet uns auf unser kurzen morgendlichen Wanderung zu „the Bubbles“. Die Natur hat am nordöstlichen Zipfel der Insel ein Spektakel geschaffen, was wir uns ansehen wollen. Mehrere kunstvoll übereinander aufgestapelte Granitblöcke haben einen Wasserkanal geformt der ankommende Wellen zerstäubt und in eine Art Jacuzzi umformt. Wir haben Lowtide, damit fällt das Geblubbere eine Nummer kleiner aus, trotzdem sehr schön und sehenswert.
Zurück an Board. Seit ein paar Stunden durchqueren wir die Mona Passage, eine Meerenge zwischen Puerto Rico und der Dom Rep. Aufgrund der Verengung zwischen den zwei Landzungen, kann es hier sehr windig und unschöne steile Wellen geben. Nicht so wenn wir reisen. Abgesehen von etlichen großen Frachtern und Tankern die von oder in Richtung des Panamakanals fahren, ist es hier ruhig. Wir sehen kein anderes Segelschiff, sind allein unter dem traumhaften Sternenhimmel. Neele hält wieder Wache mit uns im Cockit, verpasst jedoch das unwiderstehliche ‚Kreuz des Südens‘ welches an Backbord seit ein paar Stunden neben uns wacht.
Strahlende neugierige funkelnde Entdeckeraugen, groß sind sie geworden, könnte eine Reise ohne sie schöner sein? Ruhiger und sicherlich auch entspannender, nicht jedoch lebendiger und echter. Kinder ihr seit super, ohne Euch wären wir nicht wir, wären wir nicht hier.

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