Bequia, St.Vincent – Landausflüge zeigen die andere Seite der Karibik

Es geht weiter gen Norden. Nachdem wir die Vida auf Mayreau verabschiedet haben, setzen wir am nächsten Morgen die Segel, immer mindestens das erste Reff eigezogen, denn unsere neue Genua zieht uns auch bei mäßigen 15kn Wind wunderbar auf den anliegenden am Wind Kursen. So haben wir uns das Segeln in der Karibischen See vorgestellt. Warm und leichtwindig. Die letzten Wochen mit Starkwind haben die Karibik in einem anderen Licht gezeigt. Windig, regnerisch und gern auch mal beides zusammen. Wie auf Schienen reißen wir die gut 15sm bis Bequia ab. Bequia ist uns bekannt, zusammen mit Opa waren wir schon einmal hier, waren gleich nach der Atlantiküberquerung non-stop die 120sm von Martinique aus dorthin gesegelt und entdecken nun wieder neue Seiten dieser Insel. Statt wie zuvor auf der überfüllten Westseite der Admirality Bay zu ankern, werfen wir östlich, nahe des angrenzenden Strandes, den Anker. Was für eine Wohltat „zuhause“ anzukommen, sich auszukennen. Hier ist das Immigrationsoffice zu finden, dort der Freshmarket und im Digicel Shop können wir unsere lokale Sim-Karte aufladen. Bequia ist „nice“, man muss es einfach mögen. Kurzentschlossen nutzten wir die Chance und fahren mit einem Taxi zur lokalen Schildkrötenfarm an der rauen Ostseite der Insel. Von privater Hand werden seit fast 20 Jahren Schildkröten in Obhut genommen und solange betreut, bis sie groß genug sind, um in der freien Natur zu überleben. Neele ist überglücklich, hatten wir doch auf Fuerte die Chance verpasst, die ansässige Aufzuchtfarm zu besuchen. Grenada, Carriacou, Bequia… viele Inseln gleichen sich in Teilen und sind dann doch auf ihre Weise ganz besonders und eigen. An Bequia reizt das Quirlige und zugleich überschaubare. Jeglicher Tagesbedarf den Yachties haben, wird unterstützt. Ferner ist der erste Eindruck recht ursprünglich, da viele der Cruise Ships einen Bogen um Bequia machen. Das Leben ist karibisch fröhlich und spontan improvisiert. So fragen wir während des Einkaufs auf dem Freshmarket nach einer bestimmten lokalen Frucht, zeigen auf diese an einem der nahen Bäume. Nachdem wir erfahren, wie diese zu zubereiten ist, müssen wir feststellen, dass es heute leider keine davon zu kaufen gibt. So gehen wir weiter zum Einklarieren zur ansässigen Behörde und verlassen nach ein paar Minuten die selbige Stätte. Just beim Verlassen des Gebäudes werden wir von der Verkäuferin des Marktes gerufen. Sie hält die zuvor gewünschte Frucht strahlend in den Händen. Typisch karibisch – „nein habe ich nicht, aber kann ich organisieren…“. Man hat das Gefühl das jeder mit jedem verwandt oder zumindest bekannt ist. Ferner ist Wechselgeld ein Fremdwort. Bei fast keinem der Einkäufe auf der Straße oder an der Bordwand erleben wir, dass das Wechselgeld direkt zurückgegeben wird. Häufig wird der Standnachbar „angepumpt“ bzw. gibt bereitwillig das Wechselgeld heraus. Noch häufiger, wir das fehlende Geld durch den Verkauf zusätzlicher Ware ausgeglichen.

Nach zwei Tagen verlassen wir Bequia und legen auf St. Vincent an. St. Vincent gehört zu den Grenadines und kann daher ohne weiteres Einklarieren besucht werden. Wir haben uns die Wallilaboo Bay ausgesucht, dort wo Teile des Hollywood Streifens „Fluch der Karibik“ gedreht wurden. Das Festmachen erweist sich als Neuerung. Bugseits machen wir ufernah an einer Mooringboje fest. Um weiteres Schwoien zu verhindern, wird zusätzlich vom Heck aus mittels einer langen Leine an einem Baum festgemacht. Keine 50m vom Land weg, sind wir somit die Attraktion am Strand und wecken bei den lokalen Kindern große Aufmerksamkeit. Kurzerhand wird die ANNE als Badeplattform umfunktioniert. Sehr höflich und zuvorkommend gehen die einheimischen Kinder auf unsere Kinder zu, schnell entsteht ein reger Schwimm- und Sprungaustausch vom Achterdeck genauer der Reling unseres Schiffes. Eine Tafel Schokolade zum Abschluss der Session läßt die Augen der Kinder glänzen.
St. Vincent ist sehr arm und wird zudem häufig von tropischen Stürmen gebeutelt. Im Dezember 2013 schlug eine Tropische Depression zu. Sintflutartige Regenfälle verwandelten Bäche zu reißenden Flüssen. Viele Häuser wurden weggespült, unter anderem auch der Großteil der Exquisiten und Häuser die für „Fluch der Karibik“ aufgebaut wurden. St. Vincent hat wenig externe Einnahmequellen außer dem Obst, welches auf der Insel angebaut und an die angrenzenden Inseln weiterverkauft wird. Wir verlassen St. Vincent am nächsten Tag. Einerseits ist unsere Ausklarierungsfrist bereits abgelaufen, andererseits erfahren wir von einem entfernt neben uns liegenden Katamaran, das dieser einen Tag zuvor morgens um fünf Uhr ausgeraubt wurden. Es mag ein Einzelfall sein, doch unser gesundes Urvertrauen wollen wir damit nicht länger belasten und machen uns auf den Weg ins 30sm entfernte St. Lucia.

Der Captain und der Steuermann unter sich
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Wallilaboo Bay, hier wurde Fluch der Karibik Teil 1 u.a. gedreht
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ANNE eine Badeinsel
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