Anguilla, British Virgin Islands (BVI) – wunderschön und schön teuer

Am 25.2. nach knapp einer Woche Aufenthalt in St. Maarten verlassen wir die Simpson Bay. Am Abend zuvor haben wir noch lecker an Bord der NYCTEA bei Michael und Danielle gegessen, über die vergangen und kommenden Monate gesprochen und es uns einfach nur gut gehen lassen. Danielle und Michael sind Kanadier und seit ein paar Jahren unterwegs. Nette hat in Lanzarote großen Eindruck auf Danielle und weitere nordamerikanische Cruiserdamen gemacht, in dem sie ihre Brotbackkünste zum Besten gab. Bei einer gemeinsamen Backstunde an Board der NYCTEA sprang der Funke vollends über, Nette wird seit dem herzlich „Äni“ genannt.
Nach dem Ausklarieren, bei dem wir ein nettes Schwätzchen mit der Dame vom Zoll halten – wie kann man denn so lange über die See fahren, wie fühlt sich das an, hat man da gar keine Angst, etc.- verlassen wir St.Maarten durch die sich alle paar Stunden öffnende Brücke zum niederländischen Teil der Lagune. Die Überfahrt nach Anguilla verläuft entspannt. Es bläst wie gewohnt mit ca.20kn Wind aus Ost und wir haben gelernt wie ANNE sich trimmen läßt, damit die Überfahrt kurz und schmerzlos verläuft. Immer noch ist es ein Hochgenuss durch die Karibische See zu flügen und ANNE sich ihren Weg durch die Wellen finden zu lassen. Erneut gelingt es uns Anguilla auf direkten Schlag anzusteuern und damit den weit größeren Katamaranen voraus ein paar Meilen abzunehmen. Die Distanz von knapp 18sm reißen wir in knapp 3 Stunden ab und werfen in Road Bay dem einzigen Einklarierungsort den Anker. Auf Anguilla legt man Wert drauf, dass die Insel so bleibt wie sie ist, daher sind 95% der Insel als Nationalpark deklariert und dürfen nur mit entsprechender Permit, die Geld kostet, besichtig werden. Wir begehen den Fehler und geben an, dass wir uns die nächsten vier Tage auf der Insel und den angrenzenden Buchten umsehen wollen und erhalten prompt die Quittung -150 Eur- dafür. Der Wind legt weiter zu und wir können leider nur wenige der Attraktionen genießen, 30kn sind für die Seeausflüge zu viel. Auch unsere gebuchte Tour „Delfinschwimmen“ steht am Anfang auf Messerschneide. Das Delfingehege befindet sich auf der Süd-Ostseite der Insel und ist damit Wellen und Wind fast vollständig ausgeliefert. Wellen von fast einem Meter Höhe schlagen in das Bassin und kegeln Kinder und Erwachsenen ein ums andere Mal fast von den Stufen. Nach 10min Eingewöhnungszeit verschwindet die Angst und die Tiere nehmen uns fest in ihren Bann. Torge quietscht ein ums andere mal lustvoll auf, als ihn die Säuger durchs Wasser ziehen und stoßen. Am Ende geht ein toller und teurer Ausflug zu Ende. Leider können wir keine Bilder machen, da dies die Tiere ablenkt, wie man uns vorab erklärt. Es drängt sich leider der Eindruck auf, dass das Verbot eher einen kommerziellen Grund hat, denn für knapp 200 US$ könnten wir im Anschluss einen USB Stick mit mittelmäßigen Bildern erhalten. Wir sagen danke und sind in der Gruppe zusammen mit den Cruise Ship Passangers wohl die einzigen die diese Offerte ablehnen.
Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Schnorcheln, Schule und Strand. Nach einem kurzen Stop auf Sandy Island, einer 200m x 20m großen Insel, den wir nach gut 30 min abbrechen weil der Wind einfach zu stark ist und wir das Schlagen von ANNE vor Anker nicht länger ertragen, geht es zurück in die Road Bay zum Ausklarieren. Ohne Papiere kann es im nächsten Land Probleme geben, ferner wollen wir erst am späten Nachmittag zum ca. 85sm langen Schlag zu den englischen Jungferninseln (BVIs) aufbrechen.
Wie angekündigt nimmt der Wind ab, so dass wir um 17 Uhr erneut den Anker, zum dritten Mal an diesem Tag, lichten können. Das Timing der Abfahrt muss gut gewählt sein. 85sm sind zu viel, als dass wir diese im Hellen abreißen können, wollen wir doch unter allen Umständen eine Ankunft bei Dunkelheit verhindern. Um nicht zu schnell zu sein, fahren wir nur unter Groß im Reff 1 bei 170 Grad Windeinfall entspannt in die untergehende Sonne hinein. Drei Squalls bescheren uns in der Nacht Wind bis 25kn und ordentlich Regen. Ganz schön ungewohnt wenn man seit Wochen so vor sich hincruised und Etappen eher von 10-20sm normal sind. Entsprechend gerädert sind wir auch bei Tagesanbruch. Die kurzen Etappen machen es unmöglich sich an einen Schlaf- oder Wachrhythmus zu gewönen. Die Wellen schlagen spitz auf uns ein und wir fünf werden unsanft durch unsere Gemächer geworfen. Um 6:30 Uhr geht die Sonne auf und wir sind keine zwei Stunden später perfekt getimed an unserem Ankerplatz kurz vor der Marina Spanish Tow. Nach einem kurzen Katerfrühstück mit Rührei und Toast verkriechen sich die Großen in die Betten und holen den zu kurzen Schlaf nach. An Deck tobt derweil die Leseritis. Lasse und Neele haben sich zu richtigen Leseratten entwickelt. So verschlingen sie ruhig 😉 ihre Bücher.

Während des späteren Einklarierens „scannen“ wir die Boote in der Marina und sehen die TAKAMAKA von Jonathan wieder. Jonathan hat sich zu unserem Schatten oder wir zu seinem während der letzten Wochen entwickelt. Ursprünglich haben wir uns auf Grenada an Silvester kennengelernt, dann einige Wochen keinen Kontakt durch unterschiedliche Routen gehabt und sind nun fast täglich zusammen. Jonathan hat eine ähnliche Route vor sich, mit Ausnahme seines Rückwegs. Statt den direkten Weg über Bermuda-Azoren zu nehmen, treibt es ihn zum Härtetest seiner Beziehung, zusammen mit seiner Freundin nach Grönland und Island. Nun gut, wir essen lieber heiß und Duschen dafür auch gerne warm ;-). Während der gemeinsamen Tage entdecken wir die BVIs. Die britischen Jungerninseln sind ein Segler Paradies. Nicht ohne Grund sind hier die großen Charterflotten Moorings und Sunsail ansässig und verchartern weit über 500 Schiffe, überwiegend riesige Katamarane (40-60 Fuß). Das Wasser ist kristallklar und die Buchten sind mannigfaltig, so dass es von Anker-/Mooring- zu Ankerplatz häufig weiter als 5sm ist. Bis auf die horrenden Moorigeinheitspreise von 30 US$ pro Tag gibt es nichts zu meckern. In vielen Buchten sind am Rande noch ein paar Ankerplätze zu finden, bzw. man muss eben auf die Nächste ausweichen. Wenn man sich für 14 Tage die BVIs auf einem Charterurlaub ansieht, dann fallen diese Kosten bei dem allgemein hohen Preisniveau wahrscheinlich gar nicht mehr auf. Wir, die in den letzten Monaten seit Ankunft in Martinique vor vier Monaten nicht mehr als 15 Tage in Marinas verbracht haben, geht es einfach gegen den Strich für eine Boje ohne jeglichen Komfort solche einen Betrag zu zahlen. Bis auf wenige Ausnahmen ist es uns auch gut gelungen diesen „Wucher“ 😉 zu umgehen. Einige der Mooringbojen weisen jedoch unstrittig auch Platzvorteile aus. Vor Cooper Island ist ein Minenfeld an Bojen gelegt, welches kein Ankern zulässt. Für die Bojenfee wird man jedoch mit einer der schönsten Strandbars und Restaurants belohnt sowie einem nahe gelegenen Riff an dem man wunderbar Schnorcheln kann. Schnorcheln geht in den BVIs überaus hervorragend in fast jeder Bucht in der wir liegen. Zusammen mit Rob und Jen von der SEPHINA die wir in St.Maartin wieder getroffen haben und viele wunderbare gemeinsame Stunden in unterschiedlichen Buchten verbringen, gehen wir auf Tauchtour bei der RMS Rhone, einem 150 Jahre alten Wrack, welches in einem Hurrican sank. Auf 8 bis 25 Meter liegt der Schiffskörper und die Decksaufbauten verteilt und bietet ein völlig neues Taucherlebnis. Sogar die Kinder strahlen nachträglich über beide Ohren und Neele berichtet: „Das war voll genial!“, Torge fügt hinzu: „die Schiffsschraube war geil“.

Für alle die mal die Chance haben die BVIs mit dem Segelboot zu besichtigen, legen wir die Little Harbour unserem bisher besten Ankerplatz auf Peter Islands (18°21’N, 64°36’W) warm ans Herz. Glasklares Wasser, absolute Windstille bei 20kn Wind weiter draußen und Ankern mit Heckleine sind die Highlights, die wir sonst noch nirgends bisher auf unser Reise entdeckt haben. Es gefällt uns so gut, dass wir hier 3 Tage mit Unterbrechung verbringen. Neele und Torge genießen die Bucht ohne Wind und Swell ebenfalls in vollen Zügen. Stundenlang verbringen sie auf dem zum Kajak umfunktionierten SUP und erkunden die Bucht selbständig. Die Fender mutieren zu Delfinen und Torge und Neele zu ihren Trainen. Nur schwer sind sie bei Sonnenuntergang dazu zu bewegen, doch mal wieder nach fünf Stunden aus dem Wasser zu kommen.
Bei Einbruch der Dunkelheit hat uns ein ganz besonders Naturschauspiel den letzten Aufenthalt versüßt. Gegen 20:00 Uhr bei voller Dunkelheit gehen wir auf unser Deck und nehmen auf dem Verdeck Platz. Angelockt von einem schwachen phosphoreszierenden Licht blicken wir in das dunkle Wasser vom Deck herab. Da, plötzlich kommen viele kleine Lichter dazu und strahlen abwechslungsreich wie Glühlämpchen an. Eine herbei geholte Taschenlampe klärt auf, dass es sich in der Tat um kleine Würmer handelt, die im Wasser schwimmen und von Zeit zu Zeit einen flüssigen Nebel ausscheiden, der ebenfalls leuchtet. Unvergesslich werden diese vielfältigen Lichtpunkte im Wasser sein, wie Sterne die sich wild bewegen.

Ferner ist Pelikan Island (18° 19’N, 64°37’W) vor Norman Island für einen kurzen Tabstop zum Tauchen oder Schnorcheln nur wärmstens zu empfehlen. An mehreren sich aus dem Wasser empor ragenden Felsen, hat sich ein Unterwasserparadies entwickelt. Einfach eine der angebotenen Moorings schnappen und ab geht es in die Unterwasserwelt. Unbeschreiblich gut. Einziger Wermutstropfen ist, das Lasse die letzten Unter/Wasseraktivitäten nicht mitmachen kann, da ihn eine Mandelentzündung quält.

Die Venus verlässt die geschützte Bucht in St.Martin, gaaanz langsam, soll ja bloß kein Kratzer reinkommen in das schöne Stück
IMG_0615

Ein paar Fender sollten das Gröbste abhalten, der Brückenpfahl spricht Bände 😉
IMG_0619

na also, geht doch
IMG_0626

eine der wohl bekanntesten Einflugschneisen hier von der Seeseite
IMG_0651

Anguilla – Supervilla
IMG_0669

Anguilla – Wrack auf Sandy Island, gar nicht zum lachen
IMG_0681

Wir brauchen definitiv einen stärkeren Außenboarder, die Kinder sind nicht abzuwerfen 😉
IMG_0694

Schildkröten am Schiff, immer wieder wunderschön
IMG_0704

So einer hat sich auf unserem Bimini verewigt, Mövenpup ist nix dagegen
IMG_0735

BVI, Virgin Gorda – The Barth, bis 9:30 Uhr sehr ruhig und einsam, ab dann wird’s voll
GOPR0117

BVI – MS Rhone, tolles Wrack vor Salt Island
GOPR0202

GOPR0227

BVI – Cooper Island, Painkiller, hier auf den BVIs entworfen. Bei uns war es eher anders rum, mit viel Rum.
IMG_0758

Takamaka, Johnathans Möve
IMG_0777

BVI- Little Harbour auf Peter Island, der schönste Ankerplatz unser Reise. Hier bringen die Kinder unsere Heckleinen aus, mit denen wir uns an den Bäumen am Ufer festmachen
IMG_0800

Torge hat den Auftrag irgendwie anders verstanden
IMG_0802

Sonnenuntergänge werden einfach nie langweilig
IMG_0825

Nette auf dem sit-on Paddle
IMG_0829

Neele zeigt wie es geht – stand up
IMG_0830

IMG_0841

ANNE in Little Harbour mit Heckleine
IMG_0852

2 Gedanken zu „Anguilla, British Virgin Islands (BVI) – wunderschön und schön teuer

  1. das ist wieder eine Freude! Ich lese Eure tollen Erlebnisse und sehe Eure wunderschönen Bilder aus dem Karibik Sommer – bei momentan minus 7 Grad auf 1600 m in Galtür zum Frühstück präsentiert … genießt es!

  2. Hey, alle ihr von der anne-ahoi, Bei dem trüben Wetter in Deutschland lesen wir immer wieder gern eure Berichte. Finde es toll, dass die Kinder noch immer bei Laune sind. Genießen sie alle miteinander die Zeit. Nach ihren Berichten genießen Sie jeden Tag der tollen Natur.
    Unsere Kinder, die mit Ihnen mal noch in Europa in einem Hafen waren, sind jetzt mit ihrer „Garlix“ auf dem Pazifik, haben noch 2000 sm vor sich.
    Sie fahren mit der ARC-World 2015.
    Gesundheit und Freude für Sie aus ihrem Nachbarland Sachsen Analt.

Schreibe einen Kommentar