Abacos – Bermuda, Tag 7 auf See

Aktuelle Position Mittwoch 0700 UTC: 31,43 N; 65,54 West

Letztes Etmale:  80 sm  Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 80sm

Bermuda in Sicht – und das ist gut so. Die vergangenen drei Tage haben sich ganz schön in die Länge gezogen. Nachdem wir in den ersten drei Tagen vom guten achterlichen Wind verwöhnt wurden, ändert sich das Bild fortan. Wir haben noch etwa 400sm also gut die Hälfte der Strecke vor uns und sehen uns mit einer neuen Situation konfrontiert. Wie bereits zum Start des Törns dem Wetterbericht zu entnehmen war, dreht der Wind zunächst auf NW, um dann nach einem Tag erneut auf – NO aus Richtung Bermuda – zu schwenken. Fortan segeln wir mit 60 Grad hoch am Wind, mehr geht bei der immer noch beachtlichen Dünung einfach nicht. Der Wind nimmt mit 15-20 kn einen Gang zurück, wenigstens etwas, dennoch stehen fortan lange Schläge auf der Backe an. Zwei volle Tage lang kreuzen wir so in der teilweise immer noch 2,5 m hohen signifikanten See vor uns hin und machen nur langsam Boden gen Bermuda gut.

Die Temperaturen haben sich nicht erholt, das Wasser muss weit kälter sein als noch in den Bahamas. Man merkt im Bootsinneren dass die gewohnte Wärmehülle weggefallen ist. In unseren Gesprächen fallen die Worte „Frühherbst, Kälteeinbruch“ etc., damit haben wir nicht gerechnet. Klar haben wir die warmen Decken bereitgelegt und auch das „schwere“ Segelzeug ist in Griffweite, jedoch haben wir innständig gehofft, dass der Kälteeinbruch (20 Grad) vielleicht mit dem Tiefdruckgebiet zusammenhängt und sobald dies durchgezogen ist, auch die Wärme wieder kommt. Dem ist leider nicht so.

Den Kindern geht es bei all dem Wellengeschlage, Schaukeln und gegen den Wind ankämpfen hervorragend. Lasse und Torge haben noch immer Hitze und springen nur in ihren Boxershorts durchs Schiff. Einzig in der Nacht greifen beide dankbar nach den warmen Decken. Erstmalige „belohnen“ wir die Kinder auch mit weiteren medialen Beruhigungsmitteln – Marvi Hämmer, eine Forschermaus- hat über Ostern den Weg in Form von ein paar DVDs auf die ANNE geschafft. Gebannt,  ja fast hypnotisiert kleben die Kinder an den Lippen der Maus und erfahren so viel über Orcas, Waldbrände, Fischotter usw.. Immer wieder kommt Torge zu uns und rekapituliert Neuigkeiten, die Marvi so ausgeplaudert hat, spitze!

Heute halten übrigens Neele und Torge zusammen „Wache“. Neele ist ja schon ein richtig erfahrene Wachmaus und lernt Torge schnell an – hier ist der Lifebelt, dort das Einpickauge, in das die Kinder bei Nacht eingepickt sind. Nach ein wenig Fachpalaverei ist es dann auch gut. Schlaft ihr Entdeckerkinder, morgen wollen wir in Bermuda sein, da blüht das Leben dann wieder auf.

Das ist das Gute der letzten Tage, wir haben ANNE und ihre Nehmerqualiäten wieder etwas besser kennen gelernt. Trotz abnehmender Winde fordern uns die Wellen einiges ab. Ständig auf der hohen Kante, Schräglage, zu segeln ist anstrengend, und auch nach gut 9.000 sm, die wir mit ihr im Kielwasser haben, sind die Zeiten unter Decke nicht grenzenlos angenehm. Der Schiffsrumpf bohrt sich unentwegt durch die Wellen, wird von ihnen überspült, krabbelt sie hoch und fällt dann vorne im freien Fall weder runter. RUMS, macht es dann ganz gerne und man spürt die Kraft, mit der sich Welle und Schiffsrumpf begegnen. Es durchzuckt einen dann anfänglich, alles gut, oder ist was kaputt gegangen? Nein, alles im Lack, zuerst wird wohl eher die Mannschaft die Segel strecken, denn die gute ANNE. Stoisch steuert sie sich im Reff 2, bei halber Genua, gen Nordosten. Der Rückweg ist ein anderes Segeln als der Hinweg, das war uns von Anfang an klar. 48 h später hat sich das Gegenangebolze gelegt. Wie unser Wetter (Wetterwelt.de) uns schon vor ein paar Tagen mitgeteilt hat, dreht der Wind weiter von NO auf SO und nimmt dabei ab. Der Seegang legt sich ebenfalls nach ein paar Stunden und wir schmeißen unseren Motor wieder an. Bei gut 1900 U/min laufen wir mit 5,5 kn und werden Bermuda nach knapp 800 sm am 8. Tag gegen Abend erreichen, das haben wir uns dann auch verdient.

An dieser Stelle noch einmal die wärmste Empfehlung an alle Nachreisende:

Besorgt Euch ein Wetterabo von Wetterwelt.de, wenn noch nicht geschehen. Es ist unangenehm, bei solchen Bedingungen zu segeln, jedoch unvermeidlich bei solchen Strecken, die wir zurücklegen. Umso angenehmer ist es dann, wenn man auf einen Wetterbericht zugreifen kann, der fast zu 99 % korrekt ist. Wetterwelt meldet Winddreher, Stärke, Richtung, Zeitpunkt – einfach alles haut mal wieder auf dieser Fahrt hin.

Große Klasse und herzlichen Dank an Meno Schrader und sein Team!

3 Gedanken zu „Abacos – Bermuda, Tag 7 auf See

  1. Moin
    Sind gerade in Stubbenköbing ( Skipper Tötn )gelandet warten auf die nächsten Wind Informationen für morgen. Sind jetzt 8 Tage unterwegst meistens Sonne Wind na ja wollten eigentlich nach Göteborg sind nur bis Farberg Schweden gekommen in Kobenhaven haben wir uns den Gashebel abgebrochen somit einTag Seitsing. Auch mal schön.
    Wünsche euch noch schöne Tage.
    Gruß Uwe

    1. Moin zurück,

      na das hört sich ja spannend an. Wie bricht man denn einen Gashebel auf einem Segelschiff ab ;-).
      Euch weiterhin einen guten Törn und ordetlich Wind.
      Grüße von der ANNE

  2. Puh, wie erleichternd zu sehen, dass Ihr den sicheren Hafen schon angesteuert habt und eingelaufen seid… Genießt den festen Boden unter Euren Füßen, bevor Ihr zu Eurem nächsten Schlag aufbrecht…

    Liebe Grüße

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