Abacos – Bermuda, Tag 4 auf See

Aktuelle Position Sonntag 1400 UTC: 28, 56 N; 70,24 West

Letztes Etmale: 150sm, 130sm, 130sm

Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 380sm

So schnell ändern sich die Bedingungen. Zurzeit scheint wieder die Sonne, die uns die letzten drei Tage leider nicht mehr verwöhnt hat. Der Kontrast zwischen dem Aufbruch von den Abacos und was sich dann abspielt kann nicht größer sein. Statt wie sonst von moderaten Winden bis max 15kn und üppigem Sonnenschein verwöhnt zu werden, sind die letzten 3 Tage von starkem Wind bis 28kn und hohen Wellen geprägt. Als wären wir in eine neue Klimazone eingedrungen, fallen auch die Temperaturen standesgemäß um fast 10 Grad auf knapp 20 Grad. Ein verrücktes Gefühl: nach mehr als einem halben Jahr Wärme bricht die Kälte über uns herein, wird der Wunsch, sich ein paar warme Socken zu holen, immer größer. Doch wir sind tapfer, können es nicht fassen, dass der Wetterumschwung uns schon jetzt treffen soll.

Bermuda, hatten wir uns noch vorgestellt in kurzer Hose zu besuchen. Wir einigen uns auf lange Hose und Pulli, aber die Socken bleiben vorerst noch verstaut, basta!

Der Ritt auf der Rückseite des Tiefs bringt uns schöne Tagesetmale und somit unserem Zwischenziel ein gutes Stückchen näher. Ungewohnt sind die hohen Wellen, wie sie die ANNE und Crew ohne Gnade von links nach rechts schmeißen. Der Wetterbericht spricht von einer signifikanten Wellenhöhe von 2,5m, meint damit den Durchschnitt der Wellen, gemessen von Wellenmitte bis zum Wellenkamm. Wir aus der ANNE messen natürlich den Weg von Wellental bis Wellenkamm und sind somit eher auf 4m. ANNE ist für dieses Wetter gemacht.

Souverän zieht sie ihre Bahnen vom Autopilot gesteuert durch diese aufgewühlte See. Alle Schotten sind im Inneren dicht, und so merken die Kinder von diesem Wetter so gut wie gar nichts. Völlig überrascht kommen sie einer nachdem andern hoch und sind merklich beeindruckt von dem Geschehen.

Die Übelkeit ist noch nicht bei allen verflogen, daher ist das komatöse ipad-Hören akzeptiert. Jeder muss mit der Situation für sich selbst klar kommen, da ist an Schule oder dergleichen nicht zu denken. Immerhin bekommt es der Skipper an jedem Tag hin, ein kleines Mahl zuzubereiten. Nichts Weltbewegendes, aber von allen dennoch sehr geschätzt. Eine warme Tomatensuppe, Nudeln mit Hühnchen sind die kulinarischen Höhepunkte, gefolgt von einer Runde Süßigkeiten.

Wir hätten aus der ersten Atlantiküberfahrt doch etwas mehr lernen sollen. Bereits nach drei Tagen auf See sind unsere spärlichen Vorräte an Zuckerdoping fast aufgebraucht. Bei Preisen um 3 Dollar für Schokolade haben wir uns drauf geeinigt nur eine eiserne Ration mitzuführen. Ein schwerer Fehler, wie ich schon jetzt eingestehen muss. Die Kinder sind hinter das Geheimnis des magischen Schokoladenschwundes auf der Herfahrt gestoßen und haben seitdem ein wachsames Auge auf die verbleibenden Kitkat Riegel.

Vielleicht wird es einen Tausch mit Melone geben, die mag ich im Vergleich nicht so, und die Kinder könnten drauf eingehen, wenn die väterliche Zurede entsprechend gewählt ist. Mal schaun, was so kommt. An Salz schwelgen wir stattdessen im Überfluss. Die Fluten und zahlreichen Spritzer die sich auch schon mal ins Cockpit verirrt haben, hinterlassen überall einen klebrigen Film, der jegliches Nachwürzen der Speisen unnötig macht.

Für die nächsten Tage soll uns die Sonne weiter erhalten bleiben, wohl auch der schwache Wind, der am Dienstag dann auf ideale Südwest drehen soll. Wenn sich jetzt noch die nachlaufende Dünung verflüchtigen wird, dann haben wir nur noch das Schokoladenproblem. Um das kümmere ich gleich mal, getreu nach dem Motto, was wichtig ist wird nicht verschoben: „Kinder, wir haben lecker Melone!“ 😉

7 Gedanken zu „Abacos – Bermuda, Tag 4 auf See

  1. Hallo Ihr vier…

    Stefan, ich sehe schon, du arbeitest mit allen Tricks…..hihi….

    Ich wünsche euch eine gute Fahrt für die verbleibenden 380sm bis Bermuda.

    Liebe Grüsse

    Bettina

    1. Klar, das ist die Aufgabe des Smutje und wird auch ordentlich gemacht, nicht jedoch bei den Wellen.
      Ich hatte das mal vor den Turks & Caicos praktiziert und ca. 10 Muffins im Rohzustand samt Förmchen hinter dem Backofen versenkt… ;-(

  2. es ist immer wieder eine Wonne deinen Erzählungen zu folgen.
    Und dein Schokoladenproblem kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Ich handhabe das ab und zu auch so.
    Aber ihr werdet auch das überstehen. Da bin ich mir sicher.
    Noch eine gute Überfahrt zu den Bermudas, wenig Wellen und eine satte Brise 4Bft.
    LG die Dresdner

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