Abacos – Bermuda, Tag 2 auf See

Aktuelle Position Freitag 1800 UTC: 27ø47  N; 75ø 21  West

Letztes Etmale: 150sm Verbleibende Strecke bis Bermuda: 591sm

Das Grosssegel schaegt immer wieder hart und die Segellatten knallen ueber uns. Was fuer ein Kontrast zum Vortag. Der Wind ist vor ein paar Stunden komplett eingeschlafen und kommt mit 2-6 kn aus fast allen denkbaren Richtungen. Die nachlaufende Duenung des Vortages ist noch beachtlich und traegt ihren Beitrag dazu bei, dass das Bordleben eingeschlafen ist. Wir alle sind nach dem zweiten Tag auf See noch nicht wieder seefest. Der Gang zum Herd, Kuehlschrank, Toilette faellt schwer. Das staendige Geschaukel und Geschlage des Grosssegels hilft ebenfalls nicht, in eine tiefere Entspannung zu verfallen. Doch all das ist nicht ueberraschend wohl eher erwartet und wird daher auch von allen auf der ANNE mit stoischer Ruhe ertragen.

Die Fahrt zurueck gen Osten wird ungleich anspruchsvoller sein, als die von Ost nach West. „Ueber den Grossen Teich“ wird mir sicherlich nie mehr ueber die Lippen kommen. Der Atlantik, wenn auch der kleinste Ozean, ist einfach kein Teich, und schon gar kein grosser. Er ist riesig , von unvorstellbarer Groesse und Schoenheit. Wir sind einfach nur eine kleine Nussschale auf einer nie endenden Wasseroberflaeche. Skifahren im Harz trifft es ganz gut, eben nur mit einem 11 t Segelboot.

Zusammen mit Chris Parker, dem lokalen Wetterpapst fuer die amerikanische Kueste und die Bahamas, haben wir entschieden, dass der gestrige Tag ein guter fuers Aufbrechen ist. Auf der Rueckseite der durchziehenden Front starten wir mit zeitweise doppeltgerefftem Gross und halbierter Fock von Treasure Cay, Abacos und koennen die 20-28kn Wind von hinten hervorragend nehmen. Schnell sind die ersten Meilen gemacht, doch der Blick nach hinten treibt uns die Traenen in die Augen. So schoen war die Zeit in der Karibik, und nun heisst es aufbrechen und Start der Rueckreise. Besonders die kurzen aber intensiven Tage mit der SANDY FEET und Crew haben uns das Abreisen schwer gemacht. „Mama, wir koennen nicht noch ein paar Tage bleiben, oder?“, fragt Neele. Torge und Lasse versenken ihre Koepfe hinter den Kopfhoerern und leiden still. Auch Nette und mir gelingt es nicht, einfach so „Tschuess“ zu sagen. Ein „auf Wiedersehen“ faellt leichter, wer weiss es schon so genau.

Bis Sonntag werden wir weiter mit Schwachwind konfrontiert sein und das Schlagen des Segels noch ein wenig ertragen muessen. Bis dahin haben wir gut die Haelfte der 750 sm bis Bermuda geschafft. Bermuda muss wunderbar sein, wir haben viel Gutes davon gehoert. Weiter werden wir hoffentlich ein paar Freunde wieder treffen, die sich ebenfalls auf den Rueckweg nach Osten gemacht haben. Viele der Crews, mit denen wir zusammen gestartet sind, haben zwischenzeitlich ihre Plaene geaendert, so dass von anfaenglich vielleicht 10 Crews mit gleichem Ziel nur noch zwei uebriggeblieben sind, die mit uns auf Bermuda eintreffen sollten.

Soviel derweil und nun wieder ran ans Steuer – in 15 sm kuendigt sich ein Schiff, das zweite seit gestern, an.

3 Gedanken zu „Abacos – Bermuda, Tag 2 auf See

Schreibe einen Kommentar