Archiv für den Monat: Juli 2015

Planänderung – Helgoland fliegt vom Törnplan

Aufgrund des erneuten Tiefs, welches die nächsten Tage aus südwesten anrauscht, werden wir Helgoland schweren Herzens auslassen. Regen und Wind in Böen bis 40kn sind nicht die Zutaten eines schönen Helgolandaufenthaltes. Wir steuern statt dessen Cuxhaven an und werden dort aller Voraussicht am 27. gegen Abend ankommen. Willkommen zurück im nordeuropäischen Hochsommer ;-).

Der Rest des Plans bleibt damit unverändert, Ankunft in Hamburg Nachmittags am 1.8.

Makkum – unser erster richtiger Sturm – alles gut!

Eigentlich wollten wir schon längst weiter sein. Nach Amsterstam verschlägt es uns in das malerische Muiden sowie das recht stark von internationalen Touristen frequentierte Volendam. Herje sind da auf einmal viele Menschem am Kai, genießen ‚lekker frietjes‘, Softeis und sonstige Köstlichkeiten. Nach einer Nacht im kuscheligen Althafen von Voldendam, machen wir uns weiter direkt auf den Weg nach Makkum. Fast 40sm, also eine halbe Ewigkeit ;-), segeln wir auf dem Ijsselmeer vor uns hin. Wunderschönes Wetter hat sich zwischenzeitig zu uns gesellt. Sonne und Wind um die 15kn, einfach herrlich wie die ANNE auf dem fast spiegelglatten Wasser vor sich hin pflügt. Gerade mal zwei Jahres ist es her, da wollten wir zum ersten mal auf dem IJsselmeer ein Boot mit der Familie chartern. Was war das seinerzeit für ein Entschluss oder sind wir seit dem groß geworden. Schaffen wir das, können wir ein so großes Schiff überhaupt als Familie beherrschen und dann noch auf dem IJsselmeer? Kurzentschlossen waren wir damals dann auf Kroatien geschwenkt, da uns dort im Oktober noch Wärme erwartete. Der Urlaub verlieb super, alles klappte, und wie die Geschichte weiter ihren Lauf nimmt erstaunt uns noch immer.

Der Wind heult noch immer in den Wanten der Schiffe, hier im Makkumer Hafen. Makkum gefällt uns, da die Infrastruktur für Familien geradezu perfekt ist. Ein Schwimmbad, eine Erlebnishalle wo in den Ferien allerhand Attraktionen für Kinder geboten werden, so wie eine Marina die weit günstiger ist, als alles was wir von Reisenden in England hörten ;-). Das IJsselmeer hat nicht umsonst einen familenfreundlichen Ruf. Kurze Distanzen zwischen den Häfen ermöglichen Tagesetappen die jedermann leicht und angenehm empfindet. Wenn es so wie heute pfeift, dann bleibt man halt im Hafen und wettert bei einer Tasse Tee oder Kaffee einfach ab.
Für heute waren in Spitzen 10 Beaufort angesagt und dies ist nicht untertrieben. Gegen 16:00 Uhr setzt urplötzlich nach einer beinahe windstillen Stunde der Sturm ein. Es brüllt in den Wanten und zerrt an den Festmachern. Trotz einer guten abgeschirmten Marina im Landesinneren, fegen die Böen mit über 40kn über unsere ANNE hinweg. Draußen auf der Nordsee soll es in Böen mit über 50kn pfeifen., wie gut, dass wir Wetterwelt als Windprovider haben und uns schon frühzeitig gegen eine Weiterfahrt nach Terschelling, eine der friesischen Inseln, entschieden haben. Außer ein paar abgerissenen Fahnen bleiben die Marinagäste vor weiteren Schäden weitestgehend verschont. Gut so, morgen soll der Spuk ein Ende haben, so dass wir weiter nach Helgoland oder Cuxhaven können. Eine weitere lange Etappe von gut 160sm liegt vor uns. Mit auflaufendem Wasser werden wir gegen 14:00 Uhr die Marina verlassen und uns dann einen Weg durch das flache Wattenmeer suchen. Laut heutiger Sicht sieht es also so aus, dass wir unsere „Termine“ einhalten werden:

Helgoland: ca. 27.-29.7.
Cuxhaven: 29. u. 30.7
Glückstadt: 31.7.
Hamburg Cityhafen: Ankunft am 1.August mit der einlaufenden Flut, ca. 16:00 Uhr
Ab 10.8. Überführung der ANNE in die Ostsee nach Heiligenhafen.

Irgendwie einleuchtend 😉
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Schloss bei Muiden
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Endlich wieder etwas Bewegung
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Nichts als platte See, herrlich
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Ausfahrt bei Muiden – so viele Schiffe wie auf dem IJsselmeer haben wir nirgendwo anders gesehen
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Segeln ohne Welle – ja geht. Sogar kochen macht wieder Spaß unter Deck
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Volendam, voll aber trotzdem nett
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Die ankernde Lagoon im Hintergrund läßt Karibik Erinnerungen aufleben
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Segeln in Holland heißt mindestens einmal täglich zu schleusen – alle packen an
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Traditionssegeler wie sie in Dutzenden zu sehen sind
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Kunstunterricht der andern Art: Torges Männchen bei der Kinderanimation in Makkum
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Neeles Männchen – nur das gar keine Männchen sondern Fahrtzeuge modelliert werden sollten, aber das haben wir nicht so richtig sprachlich verstanden
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Wunderbares Holland und ANNE Crew besucht das ehemalige Haus der Anne Frank

Wir genießen Holland in vollen Zügen, auch wenn wir nach wie vor mit dem Wetter hadern. Ist der europäische Sommer dies Jahr besonders kalt oder sind wir noch nicht wieder richtig akklimatisiert?

Das erste Ziel in Holland ist Amsterdam, genauer der urige Stadthafen „Six Haven“, direkt vor den Toren Amsterdams. Eine Stadt zu entdecken ist immer reizvoll und spannend. Sie jedoch mit dem Schiff zu erreichen und gar in ihrem Herzen zu parken ist etwas ganz besonderes.
Moni und Opa warten bereits auf der Schleuse in Ijmuiden auf uns und begleiten uns nach einem wenig glanzvollen Anleger die letzten zwei Stunden auf der Kanalfahrt von der Küste in Richtung Amsterdam. Die Architektur ist beeindruckend und gefällt augenblicklich. Weiter fällt auf, dass die Holländer ein ganz besonderes Verhältnis zum Meer und vor allen Booten haben. Überall fahren kleine Motorboote auf dem Kanal umher, biegen in einen der unzähligen kleineren Kanäle ab, um so den Samstagnachmittag bei einer Bootsfahrt ausklingen zu lassen. Schiffe und Holland gehören zusammen wie Antje und Gouda. Direkt an unserem Zielhafen fahren kostenfreie Fähren alle 5 Minuten in die Innenstadt und machen andere Verkehrsmittel völlig überflüssig.

Der nächste Tag steht unter dem Kulturstern. Roelof von der WHITE WITCH IN BLUE hatte uns das Maritime Museum ans Herz gelegt. Wir folgen seinem Rat und genießen die Stunden im Museum und seiner Außenattraktion, der AMSTERDAM. Die AMSTERDAM war einer der ersten Großsegler mit denen sich die Holländer zu Beginn des 1600 Jahrhunderts an den Handelsfahrten nach Indien engagierten. Die AMSTERDAM, immerhin 100 Fuß lang und groß genug eine 350 Mann starke Besatzung zu tragen, wurde mittels einer quasi Aktiengesellschaft an der sich jedermann beteiligen konnte, finanziert. Leider verlief das Projekt wenig erfolgreich, da die AMSTERDAM bereits am Ausgang des englischen Kanals strandetet, wo sie auch heute wohl noch bei Ebbe zu sehen ist. Die Replik aus dem Jahre 1985 ist jedenfalls sehr sehenswert, ebenso wie das tolle Museum mit vielen maritimen Infos zur Segelhistorie der Holländer. Den Besuch eines weiteren Museums, besser einer Gedenkstätte, dem Haus in dem die Familie von Anne Frank („Das Tagebuch der Anne Frank) während des zweiten Weltkrieges Unterschlupf suchte, schieben wir auf den Sonntag. Trotz dass der Wecker um 7:00 Uhr klingelt, wir nur ein Kurzfrühstück zu uns nehmen, treffen wir bereits weitere geschätzt 1500 Menschen, die sich ruhig und entspannt in die Schlage vor der Gedenkstätte einreihen. Die folgenden zwei Stunden in denen wir in der Schlage warten vergehen schnell und bei bester Laune. Der anschließende Besuch des Hauses, in dem die Familie Frank sowie weitere 4 Personen vor den Nazis zwei Jahre lang Schutz suchten, bis sie verraten und entdeckt wurden, geht uns allen nahe. Die Kinder hören aufmerksam zu, wenn wir ihnen die Tonbandaufnahmen und Schriftstücke übersetzen und bekommen eine Ahnung was im Dritten Reich für Zustände geherrscht haben müssen. Bedrückend und wertvoll zugleich ist der Besuch, weil er die deutsche Geschichte aus einer ungewohnten ausländischen Perspektive aufarbeitet.
Am Nachmittag verlassen wir Amsterdam mit dem Ziel Muiden. Auf Muiden sind wir über ein Plakat gestoßen, welches im Bahnhof aushängt. Muiden liegt am südlichen Zipfel des Ijsselmeeres, was wir noch die nächsten paar Tage bereisen werden, bevor es weiter nach Norden geht.

Für etwaige Besuche anbei unser weiterer Törnplan aus heutiger Sicht, wobei das Wetter dazu noch das letzte Wort hat:
Ijsselmeer: bis ca. 26.7
Helgoland: ca. 27.-29.7.
Cuxhaven: 29. u. 30.7
Glückstadt: 31.7.
Hamburg Cityhafen: Ankunft am 1.August mit der einlaufenden Flut, ca. 16:00 Uhr
Ab 10.8. Überführung der ANNE in die Ostsee nach Heiligenhafen.

Ganz schön was los, AIS Signale auf dem Weg nach Ijmuiden, vorbei an Zeebrügge und Rotterdam.
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Schleusen und wiedersehen von Moni und Opa
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Tolle Stadteinfahrt nach Amsterdam
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Gefällige Architektur überall
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Kombiniert mit alten gepflegten Gebäuden
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Amsterdam, da findet jeder etwas…
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… sei es auch noch so schräg
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Wir entdecken das Maritime Museum
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So einer soll unter uns durchgeschwommen sein? Unfassbar.
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Da geht es als nächstes hin- Muiden
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