Archiv für den Tag: 17. Juli 2015

Boulogne Sur Mer – ANNE unter Beschuss

Nachdem die drei lieben französischen Zollbeamten die ANNE verlassen haben, beginnen wir fast schon mit der Anlandung in Boulogne Sur Mer. Die letzten Stunden ohne Nebel sind dann doch noch sehr angenehm, geradezu sommerlich. Bolognese, wie es die Kinder nennen, ist der einzige Hafen zwischen Cherbourg und Ostende, der uns sinnvoll für einen Stop erschien.

Nach 142sm dann der Zieleinlauf und verhaltene Begeisterung. Im Hafen nur holländische Flaggen (WHITE WITCH IN BLUE und OJALA: nichts für ungut 😉 und allesamt dicht gepackt bis unter die Decke. Wir haben Glück oder wie sich später herausstellt doch nicht und bekommen eine Box ganz für uns alleine zugewiesen. Der Rest des Hafens liegt in vierer und fünfer Päckchen (ok, übertrieben).
Wir sind müde, die Kurztrips von 100sm über Nacht schlauchen mehr als eine Woche Atlantikcruisen. Schnell zum gut sortierten Carrefour etwas zum Essen einkaufen und dann nach einem guten Steak auf Salat ab in die Koje.

Der nächste Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und perfekten 5-6 Bfd aus Südwest, herrlich. Doch dann, noch vor dem Frühstück, beim ersten Rundgang auf der ANNE stellen wir mit bestürzen fest, dass wir in der Nacht angegriffen wurden. Völlig wehrlos muss die Crew der ANNE den feindlichen Beschuss hinnehmen, während sie in tiefen Träumen ruht. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, wird der Schaden begutachtet. Mehre direkte Treffer weist das Vordeck auf. Diverse kleinere Einschläge auch auf dem Backbord- und Steuerboarddecksaufbau und auch der Mast und das Schutzcover des Großsegels sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Alles in allem kein Totalschaden und wir haben im Gegensatz zu unserem englischen Stegnachbarn noch Glück gehabt. Seine Motoryacht sieht übel aus, das komplette Bachboardheck ist von 1A Treffern übersäht. Schlimm, das englische Eignerpaar im Ruhestand steht mit völlig unterdimensionierten Schwämmen und Lappen vor einer tagesfällenden Aufgabe. Wer macht so was und warum sind nur unsere zwei Prachtyachten betroffen? Der Gang durch den „Holländischen Hafen“ gibt Gewissheit – keines der holländischen Schiffe ist betroffen. Die Eigner sitzen alle fröhlich beim Frühstück im Cockpit und genießen die ersten Sonnenstrahlen, ja sogar frische goldbraune Croissants liegen auf den Tellern.
Wir tippen, dass die Anschläge von ferngesteuerten Hochpräzesionsmöven ausgeführt wurden, wer vermag denn sonst so zielsicher ein englisches und ein deutsches Schiff auszumachen? 😉

Mit auflaufender Flut und einem frisch gewaschenem Deck, geht es wieder auf die Rennbahn, weiter gen Norden. Moni und Opa haben sich in Amsterdam angekündigt und wir würden sie zu gern dort am Wochenende noch sehen. Die ersten Stunden laufen mit der schiebende Flut einfach nur prächtig. In Spitze schiebt uns der Strom mit 12,3kn über Grund. Rekord, wenn das so weitergeht fährt die ANNE nächstes Jahr ein paar Offshore Regatten mit ;-). Über Marine Traffic sehen wir von unterwegs, dass wir nun sogar LUBINI und AMAZONE „versägt“ haben. Beide Schiffe haben sich eine Woche vor uns von den Azoren auf den Weg gamacht. Doch keiner entkommt der ANNE Rennsemmel. ;-))) Grüßt Euch und vielleicht bis in Six Haven, Amsterdam, da werden wir einen Tankstop einlegen. ;-)))