Archiv für den Tag: 9. Juli 2015

Biskaya diesmal bissig – gut in Roscoff, Frankreich angekommen

Bei schönstem Sonnenschein verlassen wir La Coruna. Die Stadt und der gemeinsame Aufenthalt mit der WHITE WHICH IN BLUE und der NAMASTEE haben die Tage schnell verfliegen lassen. La Coruna ist eine sehr lebhafte und doch zugleich relaxte Stadt. Zugeben, vielleicht hilft auch die spanische Festlandszeit hier etwas mit. Vor 10:00 Uhr sieht man niemanden auf den Straßen, Siesta wird überall abgehalten, auch wenn die Temperaturen mit 25 Grad eigentlich keine Notwendigkeit da zu geben. La Coruna und die vielen netten Tapas Bars, Cafés und Restaurants muss man einfach mögen. Schweren Herzens aber mit klarem Plan verlassen wir gegen 13:00 Uhr den Stadthafen, um kurze Zeit später unsere Dieseltanks noch in der Marina Coruna zu füllen. Erstaunlich leer ist die Maria und so verändert im Vergleich zum letzten Jahr. Doch vielleicht kommen ja auch erst Ende Juli die Zugvögel aus den nördlichen Breiten vorbei.

Während der erste Tag und die Nacht noch schwachwindig verlaufen, so geht es dann für Tag zwei und drei entsprechend anders zur Sache. Wind der zwischen 17-25kn pendelt, teilweise Regen und diese nicht nachlassende Kälte. „Socks off“ habe ich zwei Tage vor Erreichen von La Coruna aufgeben und freue mich inzwischen über Fleeshose und Bootsschuhe. Die Temperaturen müssen um die 16 Grad sein, so sagt es mein eingebauter Thermofühler, der wie jetzt beim Schreiben die Finger klamm werden lässt. Ungewohnt für den Juli, oder waren die letzten Monate eher außergewöhnlich?
Während der letzten Biskaya Überquerung im Juli 2014 war es gefühlt nie unter 20 Grad. Neele schlief wie so oft im Cockpit und wir bewunderten die zahlreichen Sterne am Himmel. Diese gucken auch jetzt zwischen den vielen Wolken hervor, doch so richtig will keine Lust auf Sternenguckabende aufkommen. Läge der Sommer nicht vor uns, so würde ich die letzten zwei Tage auch gut und gerne dem heraneilenden Herbst zuschreiben. Nach anstrengenden 48h in denn wir auf halbwind Kurs mit seitwärts zu uns laufender beachtlicher Dünung zu kämpfen haben, schläft der Wind am Abend des dritten Tages ein. Nur gut, wohl fühlt sich bei dem Geschaukel niemand. Alle liegen gut verpackt unter Deck, lauschen der Hörbücher und hoffen, dass solche Tage nur schnell vorbei gehen und der Sommer erneut zurück kommt.

Vor ein paar Stunden haben wir Brest neben uns liegen gelassen, ein Ansteuern bei der Welle und Wind bei Nach war uns nicht gut zu Mute. Schnell ist beschlossen, dass wir nach Roscoff fahren werden, um dort einen Stop zu machen. Rosscoff hat eine prima Marina und läd zum Verweilen ein. Von dort werden wir schaun, was das Wetter und der Tourplan hergeben. Opa soll gegen Mitte Juli in Amsterdam für die letzten Meilen aufgesammelt werden, um dann am 1.u.2. August in Hamburg festzumachen. Bis dahin ist noch ne Menge Zeit hin, jetzt bin ich erst mal froh, dass wir die Passage der westlich vor Brest liegenden kleinen Insel Le d’Ouessant und dem daran westlich angrenzenden Verkehrstrennungsgebiet so gut bei Nacht hinbekommen haben. Schon von weitem war das Leuchtfeuer sichtbar und auf einem Amwindkurs war die Passage bei Nacht mit entsprechender Gegenströmung ein spannender Moment. Auch ohne AIS stattdessen mit unserem Radar klappt prima, und erhöht die Spannung, wenn großes Schiffe zu nah auf die ANNE aufschließen.

10h später: Wir liegen sicher im Hafen Roscoff und freuen uns des besten Wetters seit Tagen! 23° und keine Wolke am Himmel. Heike und Herwig von der Worlddancer 2 haben wir sponatan umgeroutet, so dass diese morgen früh auf einen gemeinsamen Kaffee vorbeischauen. Wenn das nicht ein sehr guter Grund ist, das Boot von der dicken Salzkruste zu befreien und den Salon etwas aufzuklarieren ;-)).