Archiv für den Tag: 3. Juli 2015

La Coruna zum 2ten – Nordatlantikumrundung ahoi!

7:00 Uhr lokale Zeit – Land in Sicht! Nach 8 Tagen auf See sehen wir heute am 3.Juli 2015 endlich wieder Land! Was für spannende Stunden des Abends und der Nacht liegen hinter uns. Die Abendsonne verwöhnt uns gestern noch in vollen Zügen, wir können zusammen mit Cockpit sitzen und Karten spielen. Zur Feier des Tages gibt es Chips und M&Ms, die Stimmung ist gut, kein Geschrei und Gezeter, alle scheinen mit dem Spielverlauf einverstanden zu sein. Nette liegt mit Neele in Führung, gefolgt von Lasse und ich abgeschlagen am Ende. Während des Spielens überrascht uns ein Empfangskommando von Dutzenden Delfinen, die für Stunden mit uns spielen und das Schiff nicht mehr freigeben wollen. „Kommt mal in die Toilette“, ruft Torge, „dort kann man die Delfine hören“. Recht hat er, das unnachahmlich sympathische Quieken wird im inneren des Schiffsrumpfes noch viel besser übertragen als an Deck der ANNE. Sie kommen immer wieder von allen Seiten auf die ANNE zugestürmt, führen unglaublich schöne und weite Sprünge aus und begeistern uns immer wieder aufs neue. Dann steigt auch noch in hundert Meter Entfernung der Blas eines Blau- oder Finnwals auf. Unglaublich, 8 Tage sehen wir nicht einen einzigen Wal oder Delfin und dann so kurz vor Ankunft dieses schöne Empfangskomitee.

Erinnerungen an unser erstes Ankommen in La Coruan vor 11 Monaten und ein paar Tagen werden wach. Auch damals hatte uns eine Horde von Delfinen so toll begrüßt. Die Begleitung der Delfine ist sehr beruhigend und eine willkommene nervliche Unterstützung bei der Querung des viel befahrenen Verkehrstrennungsgebietes, welches vor dem Cabo Finesterre liegt. Selbst in der Elbmündung hatten wir nie zuvor soviel Schiffsverkehr. Konstant 10 und mehr Großschiffe, später viele Fischer, halten uns die Nacht über in Aktion. Aufgrund unseres AIS Ausfalls verhalten sich die Schiffe anders als gewohnt. Völlig unüblich kommen sie uns sehr nahe, ein großer Fischer treibt es auf die Spitze. Mit rascher Fahrt um 10kn hält er unbeirrt auf uns zu. Noch in der Hoffnung, dass endlich sein rotes Buglicht in ein grünes wechselt und er uns achtern passiert, werden wir langsam nervös. Das Radar weist nun ein CPA (Closes Point of Attention – also nächster Annäherungspunkt) von weniger als 300 Fuss aus. Nicht schön, überhaupt nicht. Hektisch greife ich zum Hörer und Rufe das Schiff, dessen Kennung ich nicht habe mehrfach per UKW an, fordere Nette parallel auf, durch Anleuchten des Großsegels weiter auf uns aufmerksam zumachen. Da ist endlich hektisches Treiben auf dem Fischer auszumachen, Suchscheinwerfer werden angeschmissen und plötzlich setzt die erlösende Kursänderung ein. Ohne einen Funkkontakt geht der Fischer seinem neuen Kurs nach und fährt fortan noch weitere Schlangenlinien mitten am Rand des TSS. Wir sind uns auch im nachherein nicht einig, ob er wirklich mit fischen im TSS beschäftigt war oder einfach gepennt hat. Alle weiteren Annäherungen lösen sich elegant während meiner Schlafzeit, Nette steuert uns sicher durch die helle und ruhige Nacht.

Am frühen Nachmittag spielen Neele und Torge unten auf dem zur Schlafwiese verwandelten Salontisch und gucken mit großen Augen auf mich. „Wir bereiten ein Fest vor!, sagt Torge und macht einen großen Kreis mit den Händen. „Das wir die ANNE nicht Schrott gemacht haben!“, offenbart er mit einem bezaubernden Grinsen. Morgen am 3. Juli feiern wir in der Tat einen ganz besonderen Tag auf unser Reise. Vor genau einem Jahr sind wir mit der European Odyssey aus dem Hamburger Sporthafen ausgelaufen und heute am 3.Juli dieses Jahres, schließen wir nun auch unsere Nordatlantikumrundung ab, durchkreuzen zum ersten Mal wieder unser altes Kielwasser, seit verlassen unseres Heimathafens Heiligenhafen. Zeit ein wenig Statistik walten zu lassen.

12 Monate Nordatlantik, dass heißt für uns unter anderem:
– Bisher zurückgelegte Meilen: 11.463sm (davon 10.175sm rund um den Atlantik)
– Tage an denen wir die ANNE bewegt haben 180 Tage (25 unter dem Wingacker wovon 11 Nachfahrten waren
– Nachtfahrten: 65
– Verbrauchter Diesel:1500l
– Motorstunden: 773h
– Durchschnittsverbrauch: unter 2l/h
– Übernachtungen in Marinas: 115 Tage, davon 90 in Europa
– Übernachtungen am Anker: 175 Tage, 16 davon vor Moorings
– Herausgefallene Milchzähne: 14 (7 Lasse, 4 Neele, 3 Torge)
– Sonstige Blessuren: 2 gebrochene Zehen, 2x Fieber und eine Mandelentzündung, kein Sonnenbrand!
– Fischfang: ca. 50 gefangene Fische, davon 13 auf dem Atlantik von Ost nach West, keiner von West nach Ost, 2 gefangene und wieder freigelassene Möwen
– Zerstörtes Geschirr: 10 Gläser, 6 kleine Teller, 3 große Teller
– Gelesene Kinderbücher: zwei Umzugskartons
– Durchgeführte WC-Reparaturen: 5 Stück
– Schwund an Kameramaterial: Eine den Fluten übergebene Action Cam, zwei weitere Action Cams mit Defekten aussortiert
– Vergossene Abschiedstränen – unzählige
– Topspeed: 10kn, Durchschnittsspeed 5,5kn
– Top Tagesetmale: 167sm, geringes Etmale 97sm
– Letzter Tag am Landstrom zur Batteriespeisung: 22.11.14
– Bewunderte Sonnenaufgänge und -untergänge: 365
– Gesichtete Wale und Delfine ohne Whalewatchingausflüge: 4 Blauwale, 3 Finnwale, 8 Pottwale, 4 Buckelwale, 5 Grindwale, hunderte Delfine
– Unvergessliche Momente mit lieben Freunden: unzählige

Jetzt freuen wir uns auf eine paar Stunden oder Tage in La Coruna zusammen mit der WHITE WITCH IN BLUE, die bereits im Hafen liegt sowie der NAMASTEE, die am Wochenende eintreffen wird, bevor es dann weiter gen Norden geht.

Zu unseren groben Fahrplänen: Am 1.u.2. August wollen wir wieder im Hamburger Stadthafen sein um, um vielleicht einige von Euch dort zu begrüßen und auf unser Ankommen anzustoßen. Details geben wir über diesen Äther noch ein paar Tage vorher bekannt.