Archiv für den Monat: Mai 2015

Bermuda – Zwischenstopp mitten im Ozean

Seit 7 Tagen sind wir nun auf Bermuda und genießen die ruhige Zeit vor dem nächsten langen Schlag. Die Tage haben außer dem Schulunterricht den wir täglich gestalten, keinen festen Tagesablauf. Das ist das schöne beim Reisen, man plant nichts und dennoch ist kein Tag wie der andere. Nachdem neben der TAKAMAKA, ROTE GRÜTZE und LUBINI am Tag nach unser Ankunft nun auch noch die AMAZONE zu uns ins Ankerfeld stößt, ist die Ankerbucht in Hand der Deutschen! Noch vor ein paar Jahren, war das gar nicht so einfach. Die diversen Festungen an allen strategischen Punkten quer verstreut über die Insel zeugen von den „Rangeleien“ um Bermuda. Die Englische Flotte hat über die Jahre ihre Festungen immer weiter ausgebaut und so gegen die Eindringlinge erfolgreich verteidigen können. Auf unseren Ausflügen besuchen wir das Fort St.Catherine, welches nahe des nordöstlichen Hafens George Town liegt, in dem wir einklariert haben. Die Besichtigung des Forts gibt Aufschluss über die damalige Zeit und erklärt anhand von beeindruckenden Kanonen mit denen das Gelände gesäumt ist, dass die Briten der Verteidigung des Empires hohe Bedeutung zustanden. Jede Kanone, ja sogar die zentnerschweren Projektile mit denen auf die feindlichen Schiffe geschossen wurde, entstammten den Gießereien Londons und wurden zu den Nutzungsorten rund um die Welt zugestellt. Die Wanderungen rund um St.George sind eine willkommene Abwechslung zu den vergangenen Tagen des Segeln. Rückblickend verblasst die anstrengende Tour zunehmend, die Freude des Wiedersehens und die Aktivitäten in und um St. George überwiegen. Während die ersten Tage mit dichter Bewölkung und Temperaturen um 20 Grad heimatliche Gedanken aufkommen lassen, so gibt Petrus sich in den folgenden Tagen wieder richtig Mühe. Selbst ein Bad im Wasser, um eine Wartungsarbeit am Bugstrahlruder durchzuführen, kann ohne Unterkühlung erfolgreich durchgeführt werden.

Das Ankommen in Bermuda ist leicht, sind doch viele bekannte und neue Gesichter zur Stelle, die allesamt ein großes Lob verdienen. Der englische Einhandsegler Olli, rudert am Nachmittag vor seiner Abfahrt, die für den nächsten Tag feststeht, von Boot zu Boot und schlägt ein gemeinsames BBQ auf der angrenzenden Insel vor. Weder wir noch die übrigen Crews lassen sich lumpen und schon ist die erste handfeste Feier besiegelt! Ca. 20-30 Segler aus fast ebenso vielen Nationen versammeln sich spontan und bleiben bis weit in die Dunkelheit auf der kleinen Insel, die der Ankerstelle gegenüberliegt.

Bermuda verstreut wieder diesen Duft der Fahrtensegler süchtig macht und den wir zuletzt auf Porto Santo in uns aufgesogen haben. Alle Segelschiffe, die hier eintreffen, haben eine satte Langfahrt hinter sich und wahrscheinlich eine noch viel größere vor sich. Ohne überheblich klingen zu wollen, was vielleicht nicht möglich ist, adelt dies die Teilnehmer unweigerlich. Der Stolz und die Müdigkeit die den Blicken der Ankommenden zu entnehmen ist, führt uns das eben selbsterreicht deutlich vor Augen. Wunderbar und schwer zu vermitteln, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Bermuda selbst ist überraschend dicht besiedelt und hat europäische Standards was Supermärkte und öffentliche Verkehrsmittel angeht. Dennoch ist Bermuda sehr relaxed und wenig hektisch, auch das gefürchtete hohe Preisgefüge hat uns nicht so hart getroffen. Die Messlatte der Bahamas lag bereits so hoch, dass wir doch tatsächlich bei fast allen Lebensmitteln 20-30% reduzierte Preise sehen. Sicher nicht billig und schon gar nicht auf einem europäischen Preisniveau, aber bezahlbar, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir auch hier vor Anker liegen und keine Marinakosten zu zahlen haben. Da können einen auch die 140US$ Einklarierungsgebühren nicht abschrecken, echt geschenkt und sogar über 50% unter denen auf den Bahamas ;-). Wie sagt es doch Axel von der ROTEN GRÜTZE so passend: „Bei potenziellen Marinagebühren von 3US$ / Fuß sparen wir uns hier vor Anker noch richtig reich!“ ;-)) Recht hat er!

Was ist sonst noch so passiert:
– Wir haben die Hauptstadt Hamilton besucht und dort den einzigen Strand auf der westlichen Atlantikseite getroffen, bei dem Erwachsene 5 Dollar Eintritt zahlen ;-(
– Das Americas Cup Segelteam ORACLE Team USA hat Quartier am Royal Naval Dockyard in Hamilton bezogen, um sich auf die Verteidigung des Cups vorzubereiten.
– Die Kinder haben ihre Roller wieder ausgepackt und drehen begeistert ihre Runden.
– Wir haben den ersten Wahoo gegessen, vom Fischer gekauft, lecker!
– Unsere Palme von den Bahamas hat sich von Deck geschlichen, als sie Bekanntschaft mit einer etwas höheren Welle gemacht hat.
– TAKAMAKAs Jonathan und Clarissa sind bereits gen Grönland aufgebrochen – Euch beiden alles Gute und friert Euch nicht die Finger ab.

So herrlich verabschiedet uns die Karibik, Bahamas
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Kurzer Test ob die Strumfock auch wirklich segelbar ist – sie ist es
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Lesen bestimmt die Tage der Überfahrt nach Bermuda
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Zumindest wenn es die Wellen zulassen
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Sonnenuntergang auf dem Atlantik
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Bermuda – Land in Sicht
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Einfahrt von Bermuda, großzügig betonnt.
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Yes, we did it again!
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Kinder abseits der Grillfeier auf Endeckungstour
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So kann Neele stundenlang hängen…
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…Torge nicht 😉
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Beim Grillen wir eine unbewohnte Insel samt Gebäuden okkupiert.
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Olli, der Cheforganisator beim Auslaufen, single handed, zurück nach Europa!
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Bermuda ist bunt, nicht nur die Shorts.
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ANNE liegt gegenüber der ‚BBQ-Insel‘
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Ich hab dich gesehen
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Gehäkelte Socken über Bäume
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Hier ziehen wir irgendwann mal ein
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Keiner bewegt sich
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So langsam wird es voller in der Bucht, auch diverse Megayachten treten die Strecke zurück an, vornehmlich geht es ins Mittelmeer.
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Rainbow, eine J-Class, wunderschön und wunderteuer. Wir hatten sie bereits in Lanzarote vor unser Abfahrt kurz gesehen und dann immer wieder in der Ostkaribik.
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Ein sagenhaftes Angebot von Muffins, großartig!
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Bermuda Shorts und Kniestrümpfe, ein durchaus alltäglicher Businesslook auf den Straßen von Hamilton
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Royal Naval Dockyard, Hamilton – hier legen die diversen Kreuzfahrtschiffe an
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Yes – we survived and even enjoyed it!
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Glasblaserei
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Am Rande der Royal Dockyard – Der teuerste Strand der Karibik – 5 Dollar Eintritt pro Erwachsener, Kinder sind frei
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Da hinten müssen wir noch hin …
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… aber nicht mit dem Tretboot …
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Team ORACLE USA hat hier Stellung bezogen um den Cup erneut zu verteidigen
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High Speedfähre von Dockyard Hamilton nach St.Geoarge – So fühlen sich also 30kn Geschwindigkeit an, aha.
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Lecker Wahoo
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ANNE erreicht Bermuda

Bereits über 80sm vor Bermuda können wir die Verkehrsleitfunkstelle Bermuda Radio schon über UKW Funk hören. Jede sich annähernde Yacht wird angefunkt und über ihr geplantes Ziel befragt. Uns erreicht der Funkruf gut 35sm vor Bermuda: „Sailing Vessel ANNE, ANNE, ANNE, this is Bermuda Radio, over!“. Was folgt ist ein kurzes Funkgespräch in dem der Traffic Controller uns auf Bermuda begrüßt, ferner wissen möchte, wohin wir beabsichtigen zu fahren und ob wir Seekarten zwecks sicherer Navigation an Board haben. Nachdem wir dies bestätigen plaudern wir noch über die geplante Ankunftszeit in George Town und dass wir die Ansteuerung im Hellen sicherlich ohne Probleme bewerkstelligen können. Wir verabreden uns in 30sm erneut zu melden, um dann weitere Details zu erhalten. Man könnte voreilig meinen, dass hier vielleicht zu viel Vorsicht walten gelassen wird, besonders wenn man die exzellente Betonnung des Fahrwassers vor Ort kennt. Doch die Ansteuerung von Bermuda kann auch ganz anders laufen, nicht so ideal bei zwei Windstärken und im Hellen wie bei uns. Paul von der Thumi erzählt auf den Bahamas begeistert wie er im vorletzten Jahr gegen 00:00 Uhr die Ansteuerung bei Starkwind bis 8 Beaufort nehmen musste und ihn der Traffic Controller eine perfekte Radarberatung verpasste.
Auch uns half der Kollege sehr, als wir den Customs Pier, bereits in der Bucht angekommen, suchten: „I can see you, your have to turn, behind the yellow building, customs, there is a pier where you can tight up. But don’t take the first pier on your portside, the wooden one is defect, over.“ Ah, danke, das ist ja besser als ferngesteuert ;-). Das „Belauschen“ weiterer Funkgespräche macht deutlich, dass die Funkleitstelle ihren Job ernst nimmt. Ein Segler wird zu Recht ermahnt, nachdem er sich erst nach wiederholter Ansprache meldet und als Entschuldigung bereitwillig offenbart, dass er seine Funke gar nicht an hatte… . Ein weiteres Gespräch wird mit einem Schiff auf der Nordwestseite der Insel geführt. Nach kurzer Rücksprache bestätigt der Schiffsführer, dass er den Weg bewusst wählt und sich strickt ans Fahrwasser hält. Die vielen Riffe auf der Nord- und Westseite von Bermuda die sich bis zu 10sm weit von der Küste hinaus ragen sind tückisch, daher Daumen hoch für diesen Service!

Nun liegen wir nach anstrengenden 7 Tagen zufrieden in den Kojen und werden mal wieder seit langem morgen ausschlafen. Netter Weise liegen ebenfalls seit gestern die ROTE GRÜTZE und die LUBINI sowie seit heute Jonathan und Clarissa von der TAKAMAKA hier vor Anker. Also ein tolles Wiedersehen steht in den nächsten Tagen an.

Abacos – Bermuda, Tag 7 auf See

Aktuelle Position Mittwoch 0700 UTC: 31,43 N; 65,54 West

Letztes Etmale:  80 sm  Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 80sm

Bermuda in Sicht – und das ist gut so. Die vergangenen drei Tage haben sich ganz schön in die Länge gezogen. Nachdem wir in den ersten drei Tagen vom guten achterlichen Wind verwöhnt wurden, ändert sich das Bild fortan. Wir haben noch etwa 400sm also gut die Hälfte der Strecke vor uns und sehen uns mit einer neuen Situation konfrontiert. Wie bereits zum Start des Törns dem Wetterbericht zu entnehmen war, dreht der Wind zunächst auf NW, um dann nach einem Tag erneut auf – NO aus Richtung Bermuda – zu schwenken. Fortan segeln wir mit 60 Grad hoch am Wind, mehr geht bei der immer noch beachtlichen Dünung einfach nicht. Der Wind nimmt mit 15-20 kn einen Gang zurück, wenigstens etwas, dennoch stehen fortan lange Schläge auf der Backe an. Zwei volle Tage lang kreuzen wir so in der teilweise immer noch 2,5 m hohen signifikanten See vor uns hin und machen nur langsam Boden gen Bermuda gut.

Die Temperaturen haben sich nicht erholt, das Wasser muss weit kälter sein als noch in den Bahamas. Man merkt im Bootsinneren dass die gewohnte Wärmehülle weggefallen ist. In unseren Gesprächen fallen die Worte „Frühherbst, Kälteeinbruch“ etc., damit haben wir nicht gerechnet. Klar haben wir die warmen Decken bereitgelegt und auch das „schwere“ Segelzeug ist in Griffweite, jedoch haben wir innständig gehofft, dass der Kälteeinbruch (20 Grad) vielleicht mit dem Tiefdruckgebiet zusammenhängt und sobald dies durchgezogen ist, auch die Wärme wieder kommt. Dem ist leider nicht so.

Den Kindern geht es bei all dem Wellengeschlage, Schaukeln und gegen den Wind ankämpfen hervorragend. Lasse und Torge haben noch immer Hitze und springen nur in ihren Boxershorts durchs Schiff. Einzig in der Nacht greifen beide dankbar nach den warmen Decken. Erstmalige „belohnen“ wir die Kinder auch mit weiteren medialen Beruhigungsmitteln – Marvi Hämmer, eine Forschermaus- hat über Ostern den Weg in Form von ein paar DVDs auf die ANNE geschafft. Gebannt,  ja fast hypnotisiert kleben die Kinder an den Lippen der Maus und erfahren so viel über Orcas, Waldbrände, Fischotter usw.. Immer wieder kommt Torge zu uns und rekapituliert Neuigkeiten, die Marvi so ausgeplaudert hat, spitze!

Heute halten übrigens Neele und Torge zusammen „Wache“. Neele ist ja schon ein richtig erfahrene Wachmaus und lernt Torge schnell an – hier ist der Lifebelt, dort das Einpickauge, in das die Kinder bei Nacht eingepickt sind. Nach ein wenig Fachpalaverei ist es dann auch gut. Schlaft ihr Entdeckerkinder, morgen wollen wir in Bermuda sein, da blüht das Leben dann wieder auf.

Das ist das Gute der letzten Tage, wir haben ANNE und ihre Nehmerqualiäten wieder etwas besser kennen gelernt. Trotz abnehmender Winde fordern uns die Wellen einiges ab. Ständig auf der hohen Kante, Schräglage, zu segeln ist anstrengend, und auch nach gut 9.000 sm, die wir mit ihr im Kielwasser haben, sind die Zeiten unter Decke nicht grenzenlos angenehm. Der Schiffsrumpf bohrt sich unentwegt durch die Wellen, wird von ihnen überspült, krabbelt sie hoch und fällt dann vorne im freien Fall weder runter. RUMS, macht es dann ganz gerne und man spürt die Kraft, mit der sich Welle und Schiffsrumpf begegnen. Es durchzuckt einen dann anfänglich, alles gut, oder ist was kaputt gegangen? Nein, alles im Lack, zuerst wird wohl eher die Mannschaft die Segel strecken, denn die gute ANNE. Stoisch steuert sie sich im Reff 2, bei halber Genua, gen Nordosten. Der Rückweg ist ein anderes Segeln als der Hinweg, das war uns von Anfang an klar. 48 h später hat sich das Gegenangebolze gelegt. Wie unser Wetter (Wetterwelt.de) uns schon vor ein paar Tagen mitgeteilt hat, dreht der Wind weiter von NO auf SO und nimmt dabei ab. Der Seegang legt sich ebenfalls nach ein paar Stunden und wir schmeißen unseren Motor wieder an. Bei gut 1900 U/min laufen wir mit 5,5 kn und werden Bermuda nach knapp 800 sm am 8. Tag gegen Abend erreichen, das haben wir uns dann auch verdient.

An dieser Stelle noch einmal die wärmste Empfehlung an alle Nachreisende:

Besorgt Euch ein Wetterabo von Wetterwelt.de, wenn noch nicht geschehen. Es ist unangenehm, bei solchen Bedingungen zu segeln, jedoch unvermeidlich bei solchen Strecken, die wir zurücklegen. Umso angenehmer ist es dann, wenn man auf einen Wetterbericht zugreifen kann, der fast zu 99 % korrekt ist. Wetterwelt meldet Winddreher, Stärke, Richtung, Zeitpunkt – einfach alles haut mal wieder auf dieser Fahrt hin.

Große Klasse und herzlichen Dank an Meno Schrader und sein Team!