Archiv für den Monat: Mai 2015

ANNE Rennsemmel – Tag 4 auf See

Aktuelle Position Freitag 22.Mai 1130 UTC: 33,57 Nord; 57,09 West

Letzte Etmales: 145sm Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 1410sm

Der Wind bläst weiterhin beständig mit ca. 12-17kn aus SW, so dass wir nun seit gut 48h unseren Parasail Wingaker non-stop fliegen können. Kein Nachtrimmen oder Neujustieren, nichts dergleichen, einfach nur fliegen – wunderbar. Die Welle ist mit gut einem Meter signifikanter Höhe so klein und angenehm wir lange nicht mehr. Das Segeln in der Gruppe macht richtig Spaß.

Gut 10mal über den Tag hinweg verteilt, lauschen wir oder sprechen selbst mit den anderen Booten. Neben den Positionsdurchgaben steht Allgemeines auf dem Plauderzettel. ELEIDA 6 hat einen ca. 8kg dicken Dolphin/Mahi gefangen und diesen mit gebratenen Bohnen verspeist, typisch Englisch ;-).

Auf ANNE ist das Anglerglück leider noch ausgeblieben. Bis auf einen Biss leider nichts ergiebiges. John von der ELEIDA 6 bringt es so passend auf den Punkt, als er gestern von seinem ersten Fang, einem 8,5cm langen Fliegenden Fisch an Deck spricht: „Better a fish of 8,5cm length on board than a big Dolphin fish in the sea!“, recht hat er ;-))

Die drei Schiffe TIMEOUT, ElEIDA 6 und ANNE liegen ca. 15sm auseinander, VELELLA ist weiter abgeschlagen. Während der letzten 10h bestand kein Funkkontakt mehr zur TIMEOUT, da die Crew einen südlicheren Kurs eingeschlagen hat als die ANNE. Bill von der ELEIDA 6 konnte bis eben auch keinen Kontakt mehr herstellen. Nachdem an der Flotte der Tanker MADREDEUS (760 Fuß Länge) in ca. 10sm Entfernung vorbei fährt, ergreift Bill die Chance und bittet den spanischen Tanker um Mithilfe. In einem kurzen netten Gespräch ist der Wachhabende des Tankers sofort bereit TIMEOUT ein paar Mitteilungen zu überbringen sowie die aktuelle Position zu erfragen. Es stellt sich heraus, dass nicht nur die schnelle X45 ELEIDA 6 sondern erst recht die TIMEOUT zurzeit „weit abgeschlagen“ hinter der ANNE liegt. Ca. 15sm liegt die TIMEOUT, ca. 5sm die ELEIDA „hinter uns“. Wie ist das zu erklären fragen wir uns, waren doch beide Schiffe gestern Nacht vor uns. Die Erklärung ist ganz einfach. Während wir mit dem Wingaker konstant zwischen 6 und 8 Knoten auf einem tiefen Raumschotkurs (150-170 Grad) „fliegen“, müssen beide klassisch getakelten Schiffe höher ran, um bei den 12kn Wind gute Fahrt zu machen. Daher schlagen beide einen tieferen südlicheren Kurs ein als wir.

Um weiter zusammen zu bleiben, haben wir einen gemeinsamen Wegpunkt vereinbart, der drei Tagesettappen von uns entfernt liegt. Auf dem Weg dorthin werden wir hoffentlich wieder näher zusammenrücken, wenn die TIMEMOUT und ELEIDA 6 einen nördlicheren, wir einen südlicheren Kurs einschlagen. Es bleibt spannend, gerade was die Wettervorhersage für die Tage nach dem Wochenende mit sich bringt. Drückt uns die Daumen für weitere südliche Winde!

Nachtrag von heute morgen: Wir fliegen weiterhin gen Osten mit einer atemberaubenden Speed. Wind um 10-12kn und wir machen teilweise mehr als 7kn über Grund. Die Strömung hilft uns mit 1,5kn und schiebt uns mächtig voran.

Bermuda – Azoren, Tag 3 auf See

Aktuelle Position Donnerstag 21.Mai 1400 UTC: 33,39 Nord; 59,48 West

Letzte Etmales: 120sm, 150sm – Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 1550sm

Seit zwei Tagen ist nun wieder die ANNE auf See unser schaukelndes Heim und rauscht mit uns, aktuell mit 7,5kn gen Osten. Das Wetterfenster scheint bislang ideal zu sein, leichter Wind und wenig Welle treibt uns beständig nach Osten. Sogar unser Lieblingssegel, den Wingaker, fliegen wir seit über 28h, bei Tag und Nacht. So kann es gerne noch ein paar Tage weitergehen.

Das Bordleben hat sich nach den ersten zwei Tagen wieder mehr belebt. Nachdem die Crew den ersten und zweiten Seetag noch mit leichten Schwindelbeschwerden zu kämpfen hatte, so geht es nun allen schon viel besser.

Auch nach der x-ten Langfahrt ist das Hereinkommen in den Rhythmus immer wieder eine anstrengende Prozedur. Umso besser, dass wir auch von Seiten der Sonne mit Wärme und Streicheleinheiten versorgt werden.

Die Abfahrt nach dem Tag, als die Front durchgezogen war, hätte nicht schöner sein können. Sonne, Wind um 2-3 Beaufort und kaum Welle wurde uns versprochen und wie so oft, war das Schradersche Wetterwort auch Realität am Tag der Abreise.

Zusammen mit der TIMEOUT, ELEIDA 6 und der VELLELA machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Verabschiedet durch alle möglichen Hörner, Tuten und Töne lichten wir den Anker und fahren bei unseren neu gewonnen Freunden vorbei um „auf Wiedersehen“ zu sagen. ROTE GRÜTZE, AMAZONE, LUBINI, SARK, CAPTAIN TOO DO und viele weitere, die wir nicht persönlich kennen, sagen Ahoi und stimmen in ein lautes Hornkonzert ein. Wahnsinn, vielen Dank, das geht unter die Haut!

Vor uns liegen nun zwei Wochen Einsamkeit und Anstrengungen. Neu für uns ist allerdings, dass wir ständig Funkkontakt zu den anderen Schiffen halten bzw. deren Funksprüche hören. Gemeinsam wird der Kurs besprochen und neueste Wetterdaten ausgetauscht. Aufgrund der aktuellen Wetterlage haben wir uns für den direkten Kurs auf die Azoren entschieden. In der gängigen Literatur wird dieser Weg nur Schiffen mit ausreichenden Dieselvorräten empfohlen, da häufig vor den Azoren bzw. in den Meilen davor, lange Flautenfelder liegen.

In der Tat schleppen auch wir zusätzlichen Diesel in Kanistern mit uns und können so ca. 800sm motoren, doch wer will das schon. Glücklich über jede segelbare Meile fliegen wir also nun unserem ersten Flautenfeld, welches wir am Samstag erreichen sollen, entgegen. Einstimmig ist die Crew indem, dass wir lieber ein Flautenfeld durchmotoren, als bewusst in eine der vielen Fronten zu stoßen, die den Atlantik von Westen nach Osten stets überqueren.

Spannend ist, wie trotz der untereinander geführten Abstimmung das „Feld“ der Schiff schnell größer wird. Die ELEIDA 6, eine X-Yacht xc45, führt nicht überraschend das Feld an, gefolgt von der TIMEOUT und der ANNE.

Vellela, eine schwere 49Fuß Ketsch, liegt hinten an. Richtig alleine ist jedoch niemand, da der Ozean zwischen Bermuda und den Azoren zurzeit wie von einer Perlenkette mit Segelschiffen gespickt ist. Vor unserer vierer Flotte läuft ein weiteres vierer Team von deutschen, österreichischen und holländischen Schiffen. Hinter uns rückt die AMAZONE weiter auf und wird die erste sein, die bald Bekanntschaft mit den schnellsten Schiffen der ARC Europe machen wird. Jörg von der PATCHWORK ist mit samt seiner 5 köpfigen Crew in diesem „Haufen“ unterwegs und versucht, den einen Tag, den die ARC Europe später als unsere Flotte gestartet ist, schnellstmöglich wett zu machen. Wir haben uns auf den Azoren auf Horta verabredet und werden dort hoffentlich noch viele gemeinsame Tage zusammen verleben. Die Kinder der ANNE und PATCHWORK (zumindest die jüngeren ;-), genießen jede gemeinsame Minute, war doch die Zeit ohne Spielkameraden bereits sehr lang.

Horta muss beeindruckend sein, der Reiseführer macht unheimlich Lust auf Wanderungen, das bekannte St. Peters Café, Whale Watching und Tauchspots.

Bringen wir die verbleibenden Meilen also schnell hinter uns!

Bermuda – und weiter gehts

Beindruckend, fast auf die Minute genau hat der Winddreher wie angesagt eingesetzt. Am Ankerplatz herrscht seit gut 10 Minuten wieder Ruhe. Die kabbeligen Wellen sind auf Badewanne Niveau zurückgegangen und das nervenaufreibende Gucken ob die Anker halten ist auch vorüber. Nach gut sechs Stunden ist die Front über uns hinweg gezogen und setzt nun ihren Weg gen Osten fort, dort wo auch wir morgen hin aufbrechen werden.

Die letzten Tage hier auf Bermuda sind wunderbar verlaufen. Zusammen mit alten und neuen Freunden haben wir die Insel erkundet, viel gefeiert und uns sehr ansehnlich amüsiert. Das Ankerfeld hat sich zwischenzeitlich merklich gefüllt, da die ARC Europe auf ihrem Weg nach Europa auf Bermuda Halt macht, sowie weitere Wandervögel auf Bermuda Zwischenstopp einlegen. Regelrechte „Fights“ ums Ankerplätze wurden ausgetragen, an denen sich auch die Crew der ANNE sportlich beteiligt. Um unseren geschützten und „WLAN erreichbaren“ Ankerplatz nicht aufgeben zu müssen, lichten wir zum Tanken und auffüllen der Wassertanks morgens um 7:30 Uhr unseren Anker. Wir hoffen so ein ideales Fenster zwischen „Customs not open yet“ und „new yachts havn’t arrived yet“ zu finden. Wie schon so häufig beweist die ANNE Crew das richtige Fingerspitzengefühl, verlässt kurz nach dem ein Schiff um 7:29 Uhr den Anker erschöpft unweit des eigenen Platzes fallen lässt, den sicheren Ankerplatz mit Ziel Tankstelle. Nachdem 130l Diesel und 540l Wasser gebunkert werden, erfolgt der Sprint zum alten Ankerplatz. Zielsicher steuert die ANNE auf den alten Ankerplatz und verscheucht dabei noch laut brüllend erfolgreich einen weiteren 45 Fuss Katamaran, der dem ANNEschen Ankerplatz bis auf wenige hundert Fuss nahekommt. Anker gesetzt um 8:30 Uhr, alles gut gemacht, Top Team!

Highlights der Woche:
– Cocktailabend auf der ANNE – 5L BBC (Banane Baileys Colada) und 3L Rumpunsch machen die 8 Gäste und 2 Eigner glücklich
– „Habt ihr Kinder?“ mit dieser Frage bestürmen wir die PATCHWORK, eine Lagoon 421, samt ihrer 6-köpfigen Crew, die gerade von den USA angekommen sind und ihre Einklarierungsprozedure hinter sich gebracht haben. Die Ulmer Truppe mit ihren vier Kids (weitere 6 sind zu hause 😉 hätten wir schon viel früher treffen können, uns jedoch an so vielen Orten um ein oder zwei Wochen unwissentlich verpasst. Jetzt genießen wir die Zeit, macht riesig Freude Euch getroffen zu haben.
– Norwegen feiert am 17.5. den Tag der ersten Verfassungsniederschrift und wir hier auf Bermuda mit unseren Freunden von der TIMEOUT sowie vielen weiteren Schiffen ein unvergessliches BBQ samt Norwegen Quiz, Kartoffellaufrunde und Dosenwerfen.

Morgen Mittag geht es los. 1800sm warten auf uns und wir hoffen das beste Wetterfenster seit Wochen für uns nutzten zu können. Wie immer wird unser Fortschritt auf der Seite Position dargestellt. Wenn alles wie bisher läuft, sollten wir in 14 Tagen in Horta einlaufen. Wir fahren zusammen mit ca. 10 weiteren Schiffen los und werden somit in guter Gesellschaft sein und uns mit einigen über die gemeinsame Routenstrategie abstimmen können.

Viele Segeler kommen in die Bucht. Dieser hat sein Rollgroß auf See zerschossen.
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Da gehts morgen durch, und dann 1800sm nach ostnordosten, ganz einfach.
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Kinder im Sturm des Fährenfahrtwindes
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Danke der ARC Europe haben bei uns die Piraten Einzug gehalten, die Kinder kommen vollausgestattet von der Party zurück. Danke PATCHWORK für die Eintrittskarte.
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Solche engen Einfahrten nutzen die Fischer auf der Nordküste, sie ist berüchtigt und mit über 100 Wracks gesäht.
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Außenstandort TO – Düsseldorf, Cocktailrunde auf der ANNE
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Bloß nicht reizen den jungen Piraten
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TIMEOUT – zusammen geht es nach Osten
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Ein Engländer, ein Schotte und ein Spanier zeigen am 17.5. Flagge und Herz für Norwegen
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BBQ am Tag der Norweger
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