Archiv für den Tag: 21. Mai 2015

Bermuda – Azoren, Tag 3 auf See

Aktuelle Position Donnerstag 21.Mai 1400 UTC: 33,39 Nord; 59,48 West

Letzte Etmales: 120sm, 150sm – Verbleibende Strecke bis Bermuda: ca 1550sm

Seit zwei Tagen ist nun wieder die ANNE auf See unser schaukelndes Heim und rauscht mit uns, aktuell mit 7,5kn gen Osten. Das Wetterfenster scheint bislang ideal zu sein, leichter Wind und wenig Welle treibt uns beständig nach Osten. Sogar unser Lieblingssegel, den Wingaker, fliegen wir seit über 28h, bei Tag und Nacht. So kann es gerne noch ein paar Tage weitergehen.

Das Bordleben hat sich nach den ersten zwei Tagen wieder mehr belebt. Nachdem die Crew den ersten und zweiten Seetag noch mit leichten Schwindelbeschwerden zu kämpfen hatte, so geht es nun allen schon viel besser.

Auch nach der x-ten Langfahrt ist das Hereinkommen in den Rhythmus immer wieder eine anstrengende Prozedur. Umso besser, dass wir auch von Seiten der Sonne mit Wärme und Streicheleinheiten versorgt werden.

Die Abfahrt nach dem Tag, als die Front durchgezogen war, hätte nicht schöner sein können. Sonne, Wind um 2-3 Beaufort und kaum Welle wurde uns versprochen und wie so oft, war das Schradersche Wetterwort auch Realität am Tag der Abreise.

Zusammen mit der TIMEOUT, ELEIDA 6 und der VELLELA machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Verabschiedet durch alle möglichen Hörner, Tuten und Töne lichten wir den Anker und fahren bei unseren neu gewonnen Freunden vorbei um „auf Wiedersehen“ zu sagen. ROTE GRÜTZE, AMAZONE, LUBINI, SARK, CAPTAIN TOO DO und viele weitere, die wir nicht persönlich kennen, sagen Ahoi und stimmen in ein lautes Hornkonzert ein. Wahnsinn, vielen Dank, das geht unter die Haut!

Vor uns liegen nun zwei Wochen Einsamkeit und Anstrengungen. Neu für uns ist allerdings, dass wir ständig Funkkontakt zu den anderen Schiffen halten bzw. deren Funksprüche hören. Gemeinsam wird der Kurs besprochen und neueste Wetterdaten ausgetauscht. Aufgrund der aktuellen Wetterlage haben wir uns für den direkten Kurs auf die Azoren entschieden. In der gängigen Literatur wird dieser Weg nur Schiffen mit ausreichenden Dieselvorräten empfohlen, da häufig vor den Azoren bzw. in den Meilen davor, lange Flautenfelder liegen.

In der Tat schleppen auch wir zusätzlichen Diesel in Kanistern mit uns und können so ca. 800sm motoren, doch wer will das schon. Glücklich über jede segelbare Meile fliegen wir also nun unserem ersten Flautenfeld, welches wir am Samstag erreichen sollen, entgegen. Einstimmig ist die Crew indem, dass wir lieber ein Flautenfeld durchmotoren, als bewusst in eine der vielen Fronten zu stoßen, die den Atlantik von Westen nach Osten stets überqueren.

Spannend ist, wie trotz der untereinander geführten Abstimmung das „Feld“ der Schiff schnell größer wird. Die ELEIDA 6, eine X-Yacht xc45, führt nicht überraschend das Feld an, gefolgt von der TIMEOUT und der ANNE.

Vellela, eine schwere 49Fuß Ketsch, liegt hinten an. Richtig alleine ist jedoch niemand, da der Ozean zwischen Bermuda und den Azoren zurzeit wie von einer Perlenkette mit Segelschiffen gespickt ist. Vor unserer vierer Flotte läuft ein weiteres vierer Team von deutschen, österreichischen und holländischen Schiffen. Hinter uns rückt die AMAZONE weiter auf und wird die erste sein, die bald Bekanntschaft mit den schnellsten Schiffen der ARC Europe machen wird. Jörg von der PATCHWORK ist mit samt seiner 5 köpfigen Crew in diesem „Haufen“ unterwegs und versucht, den einen Tag, den die ARC Europe später als unsere Flotte gestartet ist, schnellstmöglich wett zu machen. Wir haben uns auf den Azoren auf Horta verabredet und werden dort hoffentlich noch viele gemeinsame Tage zusammen verleben. Die Kinder der ANNE und PATCHWORK (zumindest die jüngeren ;-), genießen jede gemeinsame Minute, war doch die Zeit ohne Spielkameraden bereits sehr lang.

Horta muss beeindruckend sein, der Reiseführer macht unheimlich Lust auf Wanderungen, das bekannte St. Peters Café, Whale Watching und Tauchspots.

Bringen wir die verbleibenden Meilen also schnell hinter uns!