Archiv für den Monat: Mai 2015

Abwechslung in der Nacht – Tag 12 auf See

Aktuelle Position Sonntag 31. Mai 0630 UTC: 38°38′ Nord; 036°32′ West

Letzte Etmale: 120sm Verbleibende Strecke bis zu den Azoren: ca. 380sm

Bis auf ein paar Stunden am Tage, in denen wir segeln konnten, hämmert der Diesel nun schon wieder seit Stunden. Die Rossbreiten machen ihren Namen alle Ehre, nur gut, dass wir so viel Diesel dabei haben und keine Pferde opfern müssen. Bis auf wenige Delfinsichtungen verläuft der Tag unspektakulär, „motor, eat, sleep“, bezeichnet es die VELELLA in einer der Mails, die wir uns gegenseitig zuschicken.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit nehmen wir unser Parasail weg, zu groß erscheint die Gefahr, dass wir unser liebstes Stück bei wenig Wind zerstören. Das Groß wird stattdessen aufgehisst, und erfüllt zwar auch den Zweck, dass es etwas Vortrieb liefert und den Motor unterstützt, hat aber den großen Nachteil, dass die Latten des Großsegels unentwegt hin und her schlagen. Ein Knallen, das die Nacht anhält und einem jedes Mal wieder in Mark und Beine fährt.

Gegen 3:00 Uhr (5:00 UTC) weckt mich Nette für meine Wache. Ich stelle mich auf gemütliches Lesen und Musikhören ein. „Nichts besonders, wieder kein Schiff gesehen“, gibt Nette mir noch mit, bevor sie sich müde in die Koje zu Neele legt, die dort schon tief und fest wie ein Engel schläft. Na gut, also noch schnell einen Apfel mitnehmen und hoch geht‘s zum gemütlich machen. Von wegen nix zu sehen. An Steuerbord leuchtet ein rotes Licht, auf dem AIS ist jedoch noch nichts sehen. Nachdem sich kurze Zeit später auch parallel noch ein grünes zeigt, gucke ich erneut auf den Plotter und kann nun ein Signal ohne Details, wie Schiffsname etc. sehen. Lediglich die Annäherung ist unkritisch, es soll uns in 1,5sm passieren, was zugegeben auf dem Atlantik nicht wirklich viel ist. Ich beschließe, die Sache auf sich beruhen zu lassen und mich nun meinem Buch zu widmen. Kaum habe ich es mir gemütlich gemacht, da ertönt sehr leise aus dem Lautsprecher: „Vessel ANNE, ANNE ANNE, this is Chem Helen, over!“. Meint der uns? Ich greife zum Hörer, haben wir doch die letzten Wochen durch die vielen Schiffe in der Umgebung einen Intensivkurs in „Oceancalling“ bekommen. „This is ANNE, good morning!, erwidere ich routiniert. „Go to channel 06?“, gerne auch das machen wir.

In folgenden kurzen Gespräch fragt der Wachhabende auf dem fast 600 Fuss langen Tanker, ob bei uns an Bord alles in Ordnung ist? Wenn man mit einem Berufsschiff per Funk spricht hat dies immer etwas höchst offizielles, also antworte ich umgehend mit „ja, hier ist alles in Ordnung an Bord.“ Der Wachhabende sieht auf seinem Radar eine SAR Meldung, also eine Seenotmeldung, der er nachgeht. Im Folgenden überprüfe ich unsere Einrichtungen an Bord, die einen solchen Alarm verursachen könnten, Schwimmwesten und EPIRP. Negativ, nachdem ich die Schwimmwesten auseinander geschraubt habe, bin ich mir sicher, wir sind das nicht. Der Wachhabende bittet mich, unser Radar ebenfalls einzuschalten und zu überprüfen, ob ich auch ein SAR Signal erhalte. Auch hier negativ, bis auf den Tanker und eine Wolkenfront, die sich in ca. 7sm entfernt an Backbord auftut nichts. Wir verabschieden uns: „have a good watch and back to channel 16“ und dann ist es erstmal wieder ruhig im Cockpit. Bei Schimmerlicht bastle ich die geöffneten Schwimmwesten wieder zusammen, da diese geöffnet werden mussten, um an den SAR Sender zu gelangen. Dann mache ich es mir wieder gemütlich und will nach ein paar Minuten wieder zum Buch greifen, als es erneut aus dem Sprecher ertönt: „Vessel ANNE, this is Chem Helen, over“. Der Tanker ist inzwischen gut 2sm hinter uns durchgegangen und damit eigentlich aus meiner Aufmerksamkeitszone heraus.

Was sich anschließt ist ein ca. 25 minütiges Gespräch mit dem Wachhabenden. Er selbst kommt aus Indien und führt den Tanker von Venezuela nach Island. Nachdem ihm klar ist, dass wir ein „Pleasure Vessel“ sind, steigert sich seine Neugier, und wir plaudern über die letzten 12 Monate. Auf seine vielen Fragen berichte ich, wer an Board der ANNE ist, wie unsere bisherige Route verlief, wie wir navigieren, Wachen fahren, die Kinder unterrichten etc…

Ich erfahre ebenfalls viel über das Leben auf einem Tanker und womit sich ein Wachhabender bei Nacht beschäftig. Unter anderen mit der händischen Korrektur von über 2000 Papierkarten, die er an Bord mitführt… . Ferner erklärt er mir, wie er Seemannschaft handhabt und dass er selbstverständlich uns Seglern ausweicht, sowie natürlich gewissenhaft SAR Alarmen nachgeht. Er erzählt mir, dass es in seiner Heimat undenkbar wäre, dass eine Familie ein Segelschiff besteigt und sich auf Reisen macht. Seine Fragen offenbaren, dass ihm unsere Welt bis dato völlig unbekannt war, unklar war, wie wir auf dem Ozean „überleben“. Seine Fragen sind direkt und sehr interessiert.

Bislang habe ich die dicken Pötte immer mit ganz anderen Augen betrachtet, dachte dass jeder Kapitän selbstverständlich im Detail über uns und unser Equipment Bescheid weiß, ja vielleicht sogar selbst am Wochenende ein „Pleasure Vessel“ ausfährt. Vielleicht trifft diese auf Europäische Kapitäne zu, nicht aber auf diesen Wachhabenden. Das Gespräch verläuft unglaublich sympathisch, ja fast persönlich. Ich fühle regelrecht, wie er sich in unsere kleine ANNE reinversetzt, seine Fragen zeigen echtes Interesse. Was für eine willkommene Abwechslung in der Nacht! Zum Ende des Gespräches bedanken wir uns gegenseitig für den „nice chat in the morning“ und wünschen weiterhin gute Fahrt.

Natur pur – Tag 11 auf See

Aktuelle Position Samstag 30.Mai 0600 UTC: 38°35′ Nord; 039°16′ West

Letzte Etmales: 120sm Verbleibende Strecke bis zu den Azoren: ca. 500sm

Bleierne Gewissheit – Flaute. Seit 18h läuft der Motor und schiebt uns durch 1-4kn Windfelder, die fast keine Wellen aufwerfen. Die sonst so typische Oberflächenstruktur des Meeres, die jeglichen Wind anzeigt, ist manchmal vollständig verschwunden. Neben einer kleinen Grundsee, die für etwas Bewegung im Schiff sorgt, ist die Wasseroberfläche fast gänzlich eben.

Konnten wir am gestrigen Tage mit überwiegend schwachem Wind (6-9kn) noch mit durchschnittlich 5kn Speed segeln, so sind wir nun also wieder unter Motor unterwegs. Bis auf das unüberhörbare Nageln des Diesels, welches den ganzen Schiffsrumpf durchdringt und dem man sich nicht entziehen kann, ist absolute Ruhe eingekehrt. Wir sehen in 24h nur zwei Großschiffe in ca. 5sm Entfernung an uns vorbeiziehen, keine weiteren Sportschiffe wie wir. Auch auf dem UKW Äther ist es ruhig geworden. Seit zwei Tagen haben wir keinen Kontakt mehr zu der TIMEOUT oder ELLIDA 6 und auch zu keinem Schiff der ARC Europe Rally.

Aus den unterschiedlichen Emails die wir über das SAT Phone von unseren Freunden erhalten, erfahren wir, dass es überall im Umkreis von 300sm selbige Bedingungen hat. Wir schätzen uns glücklich, dass wir schon so „nah“ an den Azoren sind und rechnerisch dorthin nun fast ausschließlich unter Motor gelangen könnten.

Das seit Tagen beruhigte Wetter bringt positiv mit sich, dass die Beobachtungen von Walen und Delfinen viel einfach werden. Am gestrigen Tage gelingt es uns mit der GoPro ein paar schwimmende Delfine am Bug zu filmen, einzigartig mit welcher Anmut diese Säuger sich durchs und übers Wasser bewegen. Wir sichten jeden Tag dutzende Delfine, soviel wie wir sie nur letztes Jahr in der Biskaya zu Gesicht bekommen haben. Ein Sattsehen, Satthören ist einfach nicht möglich. Wie bei Flipper hören wir immer wieder das freundliche Gequake. Mit lauten Aufschreien werden sie immer wieder von uns begrüßt, rufen die Kinder ihren Sprüngen hinterher. Besonders die Sprünge eines etwa ein Meter langen kleinen jungen Delfin wird allerseits gefeiert. Der gestrige Freitag unter Motor tut sich als Ausnahme hervor. Wir sehen keine Delfine, dafür aber viele Wale, aber der Reihe nach.

Den Anfang macht gegen 15:00 Uhr ein Buckelwal. In Gedanken an die Erzählungen von Ingo und Antje von der AMAZONE, die auf dem Weg von den BVIs nach Bermuda eine Ruderberührung mit einem Wal hatten, stehe ich aufrecht, schaue über das Bimini und suche die Wasseroberfläche ab. Da sichte ich in etwa 100m Entfernung den so typischen Blas eines Buckelwals und gebe so gleich Ausruf „Wal auf 9 Uhr ab“. Wir können den Wal noch zwei mal sehen, zuletzt krümmt er sich, hebt seine so typische Heckflosse und gleitet in die Tiefe. Aus, das war’s? Wir hätten gerne hoch ein wenig mehr zu Gesicht bekommen, schade. Ich wende meine Augen wieder dem Heck auf 6 Uhr zu, da ertönt ein Schrei aus Nettes Mund: „WOW!“. Nicht zu fassen, ich reiße den Kopf um, und traue meinen Augen nicht. Keine 200m von uns entfernt fliegt dieser Brocken an Buckelwal durch die Luft. Vollständig samt seiner Flunke hat er sich aus dem Wasser katapultiert. Im höchsten Punkt angekommen, ändert er seine Flugrichtung und lässt sich zu einer Seite überfallen, um auf seinem Rücken mit einem großartigen Splash zu landen. Wir sind begeistert, haben wir doch in Samara, Dominikanische Republik, beim Whale Watching ebenfalls so einen Sprung gesehen, jedoch aus viel größerer Entfernung. Ferner fragen wir uns, warum er gerade jetzt gesprungen ist. In Samana erfuhren wir, dass nicht vollständig erforscht ist, warum Wale springen. Zum Beeindrucken von anderen Walen oder als Demonstration ihrer Stärke gegenüber anderen Walen oder vielleicht auch Menschen? Wir sind nicht sicher, haben lediglich etwas Fahrt aus dem Schiff genommen, jedoch den Kurs nicht geändert. Was bleibt, ist ein einmaliger Eindruck von diesem tollen Lebewesen.

Doch damit nicht genug. Eine Stunde später ertönt wieder der Ruf: „Dort Wale an Backbord“. Eine Gruppe von fünf Grindwalen sonnt sich an der Wasseroberfläche, macht wenig bis gar keine Fahrt. Grindwale sind etwa doppelt vielleicht dreimal so groß wie Delfine, so dass von ihnen keine direkte Bedrohung für uns ausgeht. Wir werden mutiger, stoppen den Motor und genießen die Grindwale für ca. 20 Minuten. Nach ein wenig Abwarten entschließen sich die Grindwale, weiter zu schwimmen, direkt auf unser Schiff zu. Etwa 100m vor der ANNE drehen sie leicht ab und wandern am Heck durch.

Wir sind begeistert, was für ein toller Tag! Die Wasseroberfläche ist so ruhig und wir bekommen die Natur so nah mit wie nie zu vor. Dutzende Portugiesische Galeeren segeln in wenigen Metern Abstand am Schiff vorbei und können so bestens studiert werden. Wir fahren weiter und lassen der Grindwal Gruppe wieder ihre Ruhe.

Der Tag verläuft abwechslungsreich weiter. Ich entscheide, dass heute der beste Moment ist, um etwas Diesel aus den Kanistern nach zu kippen. Mit einer Schüttelpumpe, einem Stück Schlauch sowie einer Messingkugel, die einen Unterdruck im Schlauch aufbaut, geht dies selbst bei den kleinen Wellen problemlos ohne einen Tropfen zu verschütten. 100l wandern binnen 45 Minuten in den Tank. Mit dem Restinhalt des Tanks und dem neu dazu gefügten sollten wir weitere zweieinhalb Tage motoren können, auch wenn wir natürlich lieber segeln. Kulinarisch kümmert sich Lasse heute um unser Wohl. Selbständig und ohne Hilfe backt er uns ein schönes Kürbiskernbrot. Zum Abendessen gibt es angebratene Tofuscheiben auf gesalzen und gepfefferten Tomaten und Gurkenscheiben, herrlich auf dem Teller arrangiert und einfach lecker. Wir beschließen, den Tag mit einem gemeinsamen Hörabend im Cockpit ausklingen zu lassen. Die Temperaturen laden wieder zum Sonnen ein, und so suchen wir „Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser“, gelesen von Christoph Waltz aus.

Schnell noch den Kurs und mögliche AIS Signale am Plotter checken, doch da ertönt ein imposanter Blas direkt hinter uns, vielleicht zwei Bootslängen achtern aus. „Wal!“, erfolgt der Aufschrei, der eigentlich überflüssig ist, denn den Ausstoß konnte man nicht überhören. Ein großer Blauwal, deutlich großer als ANNE, zeigt sich noch einmal am Heck und taucht dann für immer ab. Glück oder Pech gehabt, wie man es sieht. Ich bin froh, nicht noch näher mit diesem größten Tier der Welt zusammen gekommen zu sein. Die Kinder und Nette hätten es gerne noch mehr ausgekostet. Für mich reicht es für den Tag, er war vollkommen und wird sicherlich als einer der beeindruckendsten in unseren Köpfen hängen bleiben.

Neele beschreibt ihre Eindrücke an ihre Freundin Bente, die mit der PATCHWORK etwas 150sm hinter uns liegt den Tag folgendermaßen:

Hallo Bente,

wir haben einen Buckelwal gesehen (eigentlich Papa). Erst haben wir nur seinen Rücken gesehen und den Blas. Nach zwei Minuten ist er abgetaucht. Doch nach kurzer Zeit kam er wieder hoch und ist gesprungen, man hat ihn ganz gesehen. Das war TOLL. Leider haben wir kein Foto. Egal.

Gestern haben wir eine Gruppe Tuna gesehen. Du hast mich gefragt, wie es bei der Schule ist, oder? Bei mir läuft es gut. Als Lasse und ich Brownis backten, schrie Mama: „WALE!“. Lasse und ich sind schnell nach oben gerannt.

Die Wale waren zwar weit weg, aber Mama meinte, dass wir noch näher fahren können. Als wir nahe genug waren, sind die Wale näher an uns ran geschwommen und haben sich gesonnt. Sie waren in etwa 15 Minuten, wenn nicht sogar länger, bei uns. Am Abend kam dann noch ein Blauwal. Mama erkannte ihn sofort. Leider sahen wir ihn nur zweimal.

Bis bald Neele

PS: Ich will in die Wärme.

„Houston – we have a problem“ – Tag 9 auf See – Nachtrag

Das mit dem Wind hat sich leider auch über den Tag nicht merklich geändert.

Konstante 5-6kn wehen uns aus Nordost, also dahin wo es hingehen soll, um die Ohren. Die Hälfte des Tages motoren wir, entschließen uns, den direkten Kurs auf die Azoren anzulegen, wohlwissend, dass wir das nicht ewig durchhalten können. Rechnerisch reicht unser Sprit vielleicht bei 1400 U/min, also Schleichfahrt kurz vor dem Einschlafen, noch 160-180h, was kurz vor die Azoren reichen sollte. Nach einigen Stunden, in denen wir manchmal gegen die Atlantikströmung nur knapp 3kn machen, wird deutlich, dass das Motoren bis nach Horta ausfällt. Zu weit ist die Strecke, als dass wir uns rein unter Motor in Sicherheit wiegen können.

Doch woher kommt das plötzliche Gefasel von „Motoren“ auf der ANNE her. Nun, zum einen sagt der aktuelle Wetterbericht von heute Morgen nicht viel anderes, als dass es die nächsten Tage wenig Wind von vorne und die folgenden dann wenig Wind von hinten geben wird. Ferner lassen uns die diversen Funkgespräche, die wir am Tag hören und führen, darüber nachdenken, ob wir mit unseren Vorräten hinkommen und wann wir anfangen, diese weiter anzuzapfen. Viele der ARC Schiffe, erfahren wir über Funk von der TERA, liegen weit hinter uns ebenfalls in Flautenfeldern und können sich aufgrund ihrer Größe nicht mit mannigfaltigen Vorräten an Diesel eindecken. Die momentane Wetterlage ist von zwei starken Hochdruckgebieten geprägt, die sich in den nächsten Tagen zu einem noch größeren vereinigen. Großflächig schönes Wetter mag auf dem Festland willkommen sein, auf See jedoch spätestens nach ein paar ungeplanten Tagen unangenehm, wenn die Vorräte an Diesel, Wasser und ggf. Essen nicht ausreichend dimensioniert sind.

So reißen wir nach 10h Motoren gegen 19:00 Uhr erneut die Segel hoch, trotz wechselhafter Winde zwischen 5-7kn von vorne. Die Musik von Philip Posail schallt ruhig aus den Cockpitlautsprechern und wird nur durch die steten und sanften Töne des Wellenrauschens sowie, wer hätte es gedacht, einiger Flipperlaute, unterbrochen. An Fischfang ist nicht zu denken, stattdessen beobachten wir täglich mehrfach duzende Delfine die uns besuchen. Auch auf den 40 ARC Schiffen, scheint bis heute noch niemand einen Fisch gefangen zu haben. Erstaunlich, waren doch die Fischfänge auf der Hinfahrt bei allen so erfolgreich.

Neben dem schulischen Programm halten wir immer wieder Ausschau und entdecken am Vormittag eine freischwimmende Tonne, ähnlich einem Fender, den wir an Bord nehmen, um ihn im Hafen bei nächster Gelegenheit zu entsorgen. Stunden später erhallt erneut der Ruf, „Tonne voraus“. Zielsicher steuern wir diese an und stoppen auch passend vor ihr auf. Beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass dort ein längeres Netz dranhängt, so dass wir kurzerhand entscheiden, das Treibgut Treibgut sein zu lassen und die ANNE aus diesem gefährdeten Bereich zu entfernen. Leider übersieht der Ruderführer, der hier ungenannt bleiben möchte, dass die Schleppangel noch raushängt. Raushing ist die korrektere Formulierung, da die Schnur nun leblos und einige dutzend Meter kürzer aus der Angel heraus schaut. Ups, nicht optimal um es vorsichtig zu formulieren. Die nachgelagerte Untersuchung zunächst mit der GoPro, dann per Flossen und Schnorchel macht deutlich, dass sich die Angelschnur zum Teil um Ruder und Propellerwelle gewickelt hat. Da es keinen passenderen Tag als heute geben kann und wir sicherlich noch weiter Freude an unserem Motor haben wollen, heißt es die Taucherausrüstung klar machen und erneut ab in die Fluten. Nach gut 15 Minuten ist alles wieder freigeschnitten. Bis auf eine kurze ungeplante Berührung mit einer Feuerqualle verläuft der Ausflug wie geplant und wir können erfolgreich melden „Mission accomplished“!

Was ist sonst noch passiert:

– Nette hat den Kampf mit den Socken aufgegeben und schwärmt nebenan, wie warm es doch mit ihnen ist

– ich kämpfe weiter

– die Kinder rennen noch immer nur mir kurzen Schlafhosen bekleidet herum

– Lasse ist inzwischen bei Teil 3 „Der Goldene Kompass“ auf Seite 473, nach nur 3 Tagen angekommen. Er hat damit ca. 2/3 von zwei Umzugskisten gelesen.

– noch 722sm to go, letztes Etmal 100sm