Archiv für den Tag: 3. April 2015

Bahamas – George Town / Staniel Cay

George Town auf der Bahamas Insel Grand Exuma hat viele Namen. Elizabeth Harbour, Cruising Capital oder auch Chicken Town. Chicken Town, da es hier viele amerikanische Segler gibt, die sich nicht weiter südlich trauen als eben bis nach GT ;-).

Am Tag unser Ankunft vor ein paar Tagen, zwei Nächte mit wenig erholsamen Schlaf während der 270sm langen Passage von den Turks- und Caicosinseln lag hinter uns, waren wir schlicht ’not amused‘ über den Ort des Geschehens. Der Wind blies kalt mit 15kn über die endlose Bucht vor George Town und bescherte uns eine
kabbelige Piste zu unser Ankunft. „Na toll“ war mein erster Gedanke. Da fährt man tagelang von den BVIs, insgesamt über 700sm, um dann mit Erstaunen festzustellen, dass die Bahamas auch nicht viel mehr als Strand und Wasser zu bieten haben…. . Was zeichnet dieses gelobte Land aus, dass jedes Jahr in Spitzenzeiten bis zu 500 Schiffe, vornehmlich US geflaggte, dieses Ziel ansteuern, um sich ein paar Monate später am Ende der Saison wieder gen Norden auf den Weg zu machen? Sind es die fehlenden Restaurants, oder das Provisionierungsschiff, welches einmal in der Woche den einzigen Supermarkt mit völlig überteuerten Produkten füllt? Ist es die nicht vorhandene Marina, die rein aus ein paar mit Brettern gezimmerten Stegen besteht, die sowieso zu 90% mit Dauerliegern besetzt ist und nur mit einem Tiefgang von maximal 1.5m anzusteuern ist?

Wohl kaum, also was im Himmelswillen ist so besonders an George / Chicken Town?

Es braucht eine Weile, besonders für uns ‚Speedreisende‘ die ’nur‘ ein Jahr unterwegs sind, um den Reiz zu erkennen. Mit guten Bekannten, netten Menschen geht so etwas ungleich schneller. MATILDA – Barry, Sophie, Emilia und William sowie BROESL, Thomas und Sabine sind solche Menschen. Die BROESLs haben wir hier in GT kennengelernt. Die Crew der MATILDA haben wir erstmalig in Grenada und dann immer mal wieder kurz in diversen Häfen und Buchten getroffen. Barry und Sophie reisen ebenfalls seit einem guten Dreiviertel Jahr um den Atlantik und verstehen es binnen Minuten ein gutes Gefühl zu erzeugen. Endlose Gespräche bis in die Nacht, Grillabende, gemeinsame Momente an der bekannten Strandbar ‚Chat’n Chill‘ an Bord der MATILDA oder am Strand ermöglichten ein beschleunigtes ankommen.
Was machen wir morgen? Essen an Board, gemeinsamer Sundowner, Angeltour, Fotosession… . Was nach Freizeitstress klingt ist in der Realität die entspannteste Woche seit langem. Trotz acht Personen an Board der ANNE, Herbert ist mit Annelie und Hannes ja da, verleben wir befreiende und prägende Momente.
George Town heißt loslassen, Seele baumeln lassen und ganz tief ins Herz der Cruisers Community eindringen. Das allmorgendliche Cruisers Net um 8:00 Uhr auf UKW Kanal 72 singt einen für den Tag ein. Sue, Koordinatorin der Funkrunde empfängt die lauschenden Bootsscharen am Äther und moderiert durch die diversen Agendapunkte geduldig und sympathisch. Besondere Aktivitäten am Tag, Schiffsflohmarkt, Willkommenheissen und verabschieden von An- und Abreisende, Hilfe bei Fragen – wann fährt der Pickup zum Meatmarket, wer kann mit SSB Spezialfunkzubehör dienen, etc.. Im Anschluss wird gefrühstückt, oder ein erstes Bad im glasklaren Wasser genommen. Dann zum Strand oder mit dem Dinghi ins ca 1km entfernte Dorf, um dort das kostenfreie Wasser, was der Supermarkt sponsert, zu bunkern. Die Bahamas haben das klarste Wasser, erzählte uns Kathi auf Lanzarote in ihrem Vortrag „Things to know about the Caribbean“. Kurzerhand waren damals die Bahamas auf den Reiseplan gekommen. Kathi hat recht, das Wasser ist wirklich klarer als alles was wir bislang gesehen haben, ausgenommen die Turks und Caicos, doch die liegen geografisch ja auch fast um die Ecke.
Die sandigen Böden, deren Tiefe im Durchschnitt bei 3-5m liegt, sind vom Deck des Schiffes einsehbar. Schnorcheln um das Boot herum gibt ein ganz neues Gefühl, einfach wunderbar dieses klare Wasser zu sehen. Auch die Fischviellfallt ist bedeutend höher als anderswo. Unzählige Fische in den verschiedensten Farben zieren jedes noch so kleine Riff. Auch größere Fische wie Ammenhaie und Rochen kann man aus nächster Nähe beobachten.

Nachdem unser Besuch an Bord eingelebt hat und auch wir 5Ws mit der zusätzlichen Enge uns arrangiert haben, geht es über Nacht ins 60sm entfernte Staniel Cay. Das Wetter ist wieder freundlich zu uns und beschert der erweiterten Crew nun perfektes Cruising Wetter. Bei Wind um 12-15kn und fast keiner Welle laufen wir über Nacht, nur unter dem im ersten Reff befindlichen Groß, mit 3-5kn unserem Ziel entgegen. Herbert hat seine erste Wache an Board eines Schiffes und macht seinen Job prima. Das Segeln in den Bahamas ähnelt dem im Ärmelkanal rund um die französischen Normandie. Zumindest dann, wenn man ein Cay (schmale Einfahrt, so dass man hinter die Insel in das seichte Gewässer kommt) passieren will, sollte man tunlichst auf die Gezeiten uns den Sonnenstand achten. Trotz eines geringen Tidenhubs von nur 90cm entstehen aufgrund der seichten Gewässer starke Strömungen, die bis zu 5kn betragen können. Bei Ebbe läuft das Wasser aus den Cays, also in Richtung Atlantik, bei Flut entsprechend andersherum. Bestenfalls kreuzt man ein Cay bei Slack Water, dann wenn der höchste Wasserstand erreicht ist. Wir entscheiden uns für das erste Hochwasser um 8:00 Uhr am Morgen und timen unsere Geschwindigkeit entsprechend. Wir laufen etwa 45min nach Slack ein und sind überrascht welch eine Welle sich bereits aufgebaut hat. Nichts dramatisches, aber nach einer durchwachten Nacht vermag uns ein solcher Anblick noch immer den Puls anzuheben. Erinnerungen an Portugal kommen hoch. Die Einfahren Figueira da Foz und Porto waren ähnlich spannend.

In Staniel suchen wir eine Mooring Boje nahe der Thunderball Grotte auf, die dem gleichnamigen James Bond als Drehort diente. Bei Lowwater Slack wagen wir den Einstieg in die Grotte. Nicht besonders verrückt, da bereits ein paar weitere Dinghis vor Ort sind. Keine 30cm über unseren Köpfen ragt der scharfe Fels herab, so dass man beim Schnorcheln aufpassen muss, sich nicht den Kopf zustoßen. Ein kurzer Tauchgang mit ein zwei Schwimmzügen und wir sind drin. Die Grotte hat ein Ausmaß von vielleicht ein, zweimal unserem Schiffskörper. Das Wasser schimmert in einem tiefen blau und ist mit unzähligen Fischen gespickt. Durch eine Öffnung an der Decke fallen Sonnnestrahlen wie an Fäden ins Wasser. Ein magischer Moment, fehlt nur noch das U-Boot der Schurken als dem Bond Film.

Staniel hat jedoch noch mehr zu bieten. Ca 2-3m lange Ammenhaie können direkt am Pier beobachtet werden, wie sie nach Fressen buhlen. Ebenso wie die Hausschweine, die unweit am Big Major Spot zur Touri Attraktion mutiert sind. Gefräßig wie jede anderer Sau, traben sie auf die Menschen zu und holen sich ihr Leckerli ab. Herbert, der geborene Sauenjäger, hat scheinbar seit dem das Wildschwein Carlson bei ihm im Garten lebt, eine sonderbare Wandlung vollzogen. Gekonnt füttert er die Sauen und lockt sie als einziger ins Wasser zum schwimmen. Herrliche Streicheleien werden verteilt, wie schade, dass wir kein Platz mehr auf der ANNE für ein kleines Ferkel haben. Den Kindern hat’s gefallen, Herbert ist begeistert ;-).

Fotos gibts beim nächsten Stop, dort wo ein WLAN verfügbar ist.