Archiv für den Tag: 10. Februar 2015

Antigua Jolly, English und Falmouth Harbor u. Nonsuch Bay – Größe wird neu definiert

Wir haben lange überlegt, ob wir erst nach Antigua oder doch besser erst nach Montserrat fahren, wollen wir doch das gegenan „Gebolze“ so gering wie möglich halten. Das Karibische Segeln hat zwei Gesichter, besser man sucht sich immer vorab die Schokoladenseite heraus, dann gibt es während der Inselüberfahrten keine Überraschungen. In einem der Vorbereitungsbücher die wir vor dem Törn studiert haben, lobt sich einer der Autoren, dass er bereits nach zwei Saisonen -das sei sehr früh und bei weitem eher als der Durchschnitt- wusste wie der Hase in der Karibik läuft. Nach seinen Erfahrungen, ist ein sorgfältige Studium der Wetterprognose für das erfolgreiche Cruising in der Karibik verantwortlich. Ok, das Buch ist bereits ca. 10 Jahre alt und Smartphones auf denen man die Wetterprognosen sehr detailliert und vor allem komfortabel täglich lesen kann, sind auch noch nicht so lange verfügbar. Die Vorhersage sagte südliche Winde an, die wollten wir nutzen, so die Planung. Nachdem unser Aufenthalt an der Ankerbucht vor Montserrat jedoch derartig rolly war, wagen wir einen Vorstoß der entgegen der Prognose war. Zu allem Übel auch noch erst gegen 13 Uhr, also spät am Tag. Nach ca. einer Stunde gegen Gebolze rechne ich aus, dass es eine Ankunft ziemlich sicher erst bei Dunkelheit wird, das mögen wir nicht, so drehen wir spontan wieder um und genießen eine weitere Nacht auf der Wackelpiste. Zwei Cocktails in der wunderbaren Strandbar versüßen uns die Nacht. Am nächsten Tag, der Wind noch immer ca. 18kn voll gegen an, starten wir früher und segeln entspannt im zweiten Reff hoch am Wind. Völlig überraschend, gibt es kein Rebellieren der Crew auch Torge ist mit Neele und Lasse im Spiel vertieft. Unsere Erfahrung zum Wetter nach 3 Monaten weiten Reff und dann klappt es auch gegen den Wind mit einem guten Segelschiff.
Nach 27sm erreichen wir Antigua am frühen Nachmittag und sind von dem türkisen Wasser geblendet. Was für ein Traum der Untergrund beschert uns eine endlose Sicht auf einen Untergrund wie man ihn sich nicht schöner ausmalen kann. Wir lernen beim Ankerwerfen jedoch auch, dass die tükiese Wasserfarbe ihre Nachteile hat. Keinen Meter Sichtweite ist die Folge, ein Abtauchen des gesetzten Eisens daher völlig sinnlos. Ist jedoch auch nicht nötig. Die Bucht vor Jolly Harbor ist weit und hält eine Ideale Ankertiefe von 5m auf sicherlich einigen Seemeilen bereit.
Kurz vor Ankunft machen wir erstmalig mit einem der Superyachten Bekanntschaft. Mit ca. 15kn braust die Minimaxi (ca. 25m lang, daher erhält diese Klasse bereits einen Kosenamen … ) von hinten an uns vorbei. Aus unerklärlichen Gründen zieht sie ein paar Hundert Meter weiter direkt von BB vor uns und verlangsamt die Fahrt… . Na, wer wird sich denn von so einem Schiffchen denn die Vorfahrt nehmen, denke ich und warte ab. Nachdem der Minimax keine Anstalten zur Kursänderung macht, steuere ich die Anne ca. 50m hinter dem Heck des Großen nach BB um so den drohenden Konflikt zu entschärfen. Keine 30m vom Schiff entfernt, sehen wir ein Teil der Crew wild gestikuliern – sie haben ihre Angel nicht eingeholt und wir drohen dort reinzufahren. Also erneut Kursänderung, so dass wir das Schiff, welches nun die Fahrt vollständig rausgenommen hat, an STB passieren wollen. Dies gelingt auch, bis es, auf unser Höhe wieder Gas gibt und der ANNE erneut das Fahrwasser zu kreuzen droht. Sichtlich genervt gestikuliere ich nun meinerseits den zwei Pappnasen, dass sie sich gefälligst aus meiner beabsichtigten Kursrichtung fernhaften sollten. Dies gefällt nun sichtlich auch dem Geldadel nicht, wir werden von wüsten Beschimpfungen und Gestiegen, inkl. der minderjährigen Crew die sich an Deck zum Sonnen befindet überzogen. Wir ärgern uns und fühlen uns in unseren Vorurteilen bestätigt. Motorbootfahrer agieren anders als Segelwassersportler, solche mit sehr viel Geld scheinbar nochmals anders. Beim Einklarieren im Hafen, treffe ich auf den Eigner und den Skipper und erkenne beide an ihren T-Shirts inkl. der schönen Schiffsbestickung. Auf meine freche Frage -„do you had engine problems ;-)“, erkennt mich der italienische Eigner und poltert in unverkennbarer Arroganz los – „wieso, du hattest doch dein Segel unten und hast meinen Kurs gekreuzt“… . Der Beamte schlichtet den aufkommenden Streit und verweist auf die auszufüllenden Papiere. Der Eigner dreht sich zu seinem Skipper um und macht ihm Druck, warum es denn so lange dauert. Ich gebe die Papiere der ANNE und Crew ab und bin froh, dass wir unser Schiff selbst steuern und verantworten können.

Antigua ist eine charmante Insel, sehr dem Segelsport verschrieben. Regelmäßig finden im März zwei Veranstaltungen (Antigua Sailing u. Classic Week) statt, die wohl am ehesten mit der Kieler Woche zu vergleichen sind. Nur das die teilnehmenden Schiffe ungleich spektakulärer sind. Haben wir in den vorigen südlicheren West Indies jeweils einzelne Superyachten gesehen, so treten diese hier, auch abseits der Veranstaltungen im Rudel auf. Antigua, St.Barts und St.Marten sind die Lokationen der Schwerreichen. Das „Who is Who“ der Schwerreichen läßt hier im Winter ihre Boote liegen und fährt diese von Zeit zu Zeit auch aus. Die Schiffe, besonders die Segelschiffe, sind eine Augenweide. Stets hervorragend gepflegt, sind sie meinst Wunder der Technik und vereinen häufig Tradition und Moderne miteinander. Nachdem man einige dieser Segelmonster im Hafen bestaunt hat, tritt schnell Normalität ein. 100 bis 200 Fuß, beleuchtete 5 Salinge, e-Winschen die groß wie ein Mann sind, Tenders mit 300 und mehr PS und und und… . Leider konnten wir keines der Traumschiffe besichtigen, merken jedoch auch schnell, dass wir mit solchen Menschen nicht tauschen möchten. Ankern in dritter Reihe, ständig eine mehrköpfige Crew um sich herum laufen haben, niemals alleine das rasend schnelle Tender selbst steuern? Nein, wir sind mit der ANNE noch immer sehr zu frieden, nur Katamarane machen es uns immer schwerer zu widerstehen, ist doch die Bewegungsfreiheit auf zwei Rümpfen einfach unheimlich sexy.

Was ist sonst noch auf Antigua passiert? Wir haben die Traditionshäfen English und Falmouth Harbor besichtigt, dort wo Lord Nelson einst die englische Flotte versteckt hat, haben in der Nonsuch Bay einen Hai unter der ANNE beobachten können und eine weitere Kitesession unternommen.

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Großartige Schiffe, hier gibt gerade Torge seine Einschätzung zum Besten
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Im März startet eine Regatta von Ruderern, die von den Kanaren nach Antigua Rundern…
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Großartiges Designer Schiff „Venus“, welches nun der Familie des verstorbenen Steve Jobs gehört. Jobs hatte zwei Jahre lang mit dem Designer Phillip Starck an dem unkonventionellen Schiff gewerkelt. Viele außergewöhnliche Details – irgendwie wie ein iphone nur mit 100m etwas länger und mit knapp 100 Mio auch etwas teurer.
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Das können wir auch, nur schöner 😉
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