Archiv für den Tag: 14. Dezember 2014

Tag 23 – noch 148sm – schwere Proviantierungslücke entdeckt

Seit gestern 2300 Uhr UTC haben wir den Motor zur Unterstützung angeschmissen und werden diesen, sofern die sonst so gute Windvorhersage sich nicht geirrt hat, noch weitere 30h laufen lassen. Ein guter Zeitpunkt, die verbleibenden Dieselvoräte zu überprüfen. Das Ergebnis ist beruhigend, gut, dass wir vor Abfahrt noch ein paar Kanister mit Diesel an Deck gebunkert haben, das macht es leichter, über den Einsatz des Motors nicht nachdenken zu müssen. In den vielen Seminaren zu Beginn der Atlantic Odyssey haben wir viel Gutes gehört, was sich auf der Reise hat umsetzen lassen, anderes aber auch, was ein paar Monate zuvor vielleicht den besseren Zeitpunkt gehabt hätte. Jimmys Vortrag nach macht eine erfolgreiche Passage vier Punkte aus: 1. das richtige Boot, 2. die richtige Crew, 3. die Eigenschaft, im Falle von Problemen diese lösen zu wollen (attitude) und 4. die Eigenschaft, Probleme lösen zu können (capability). In der Tat hat es kurz vor dem Start noch ein paar Crewbewegungen gegeben, wurden auf einem Schiff noch zwei eingeplante Crewmitglieder kurzer Hand von Bord verbannt.

Wie war das noch mit dem Stauraum, den Gedanken kenne ich doch ;-). Antonio, italienischer Skipper eines neuseeländischen Katamarans, fährt seit 6 Jahren mit seinen 4 Kindern durch die Weltgeschichte und hat zum Thema Passage seine ganz eigenen Prioritäten: „Stefan, the most important things for a successfull crossing are, 1. a big fridge, 2. enough Diesel, 3. daily showers and 4. good food!“. Recht hat er, solange das Schiff und die Crew mit machen, sind diese Punkte wirklich essentiell. Um so mehr ärgert es mich, dass wir gestern die letzte Tafel Schokolade unter uns 4 (Nette wollte nicht) aufgeteilt haben. Wie kann es sein, da machen wir uns wochenlang Gedanken über den Speiseplan, was muss dabei sein, darf unter keinen Umstnden fehlen und dann so eine Katastrophe schon am vorletzten Tag des Crossings. Mit Sorge habe ich diese Entwicklung seit Tagen verfolgt und bin somit zumindest mental auf diesen GAU eingestellt, konnte mich sogar durch mehrfachen untertägigen Schokokonsum auf das Schlimmste vorbereiten. Meine liebe Gattin hat noch nicht mal die leiseste Vorstellung, was sich da anbahnt, ich werde es ihr nach dem Frühstück beichten, nicht dass an Bord kurz vor Ankunft noch die Panik ausbricht. Antonio mit der OM ist seit ein paar Tagen übrigens schon angekommen, Glückwunsch, sagte er mir vor der Abreise doch, dass er vor jeder Passage schlecht schläft und es immer noch etwas besonderes ist.

Zwischenzeitlich hat jemand auch wieder das Licht angeknipst. Trotz der vier Stunden Zeitverschiebung leben wir an Bord eher nach der UTC Zeit. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass die Kinder sich zu echten Langschläfern entwickelt haben. Vor 1000 Uhr UTC ist nichts von ihnen zu hören, leider ist es uns jedoch noch nicht geglückt, dass Sie ihre alten Einschlafgewohnheiten beibehalten. Gestern war die absolute Krönung, bis teilweise 0000 Uhr UTC hat man die Kinder noch gehört, waren sie an Deck und wollten Sterne gucken. Wo gibts denn so was, das muss dringend in der Karibik wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden ;-).

1300 Uhr UTC während der Schulpause – Interview mit Lasse, Neele und Torge, nachdem sie nun 23 Tage zusammen mit Papa und Mama auf einem „winzigen“ Boot auf dem Atlantik segeln.

Wie geht es Euch? – Lasse, Neele, Torge:  „Gut!“

Wie hat Euch die Überfahrt bislang gefallen? – „Gut!“

Was waren die schönsten Momente auf der Überfahrt? – „Die Delfine waren sehr abwechslungsreich, aber wir hätten gern noch ein paar mehr Wale, Dephine gesehen und einen Thunfisch gefangen. Der Fischbiss des Marlin, die Walsichtungen der Blauwale.“

Was waren die langweiligsten Momente auf der Überfahrt? – „Die Schule, sonst nix!“

Was fandet Ihr gut, was doof? – Gut: „Regenbogen, Delfine, dass soviel die Sonne scheint, wie wir fast durch den Kreis des Regenbogens gefahren sind, das Duschen mit dem Meerwasser, das gemeinsame Spielen“ – Doof: „Regen, dass wir so wenige Tiere gesehen haben (nur zwei Wale, 100te fliegende, aber fast keine Delfine)“

Hattet Ihr mal Angst? Wenn ja, wann? – „Nö.“

Wie war die Verpflegung unterwegs? Was war am leckersten, was war nicht so gut? – Carbonara Soße mit Nudeln fand Torge super. – Hühnchen, Pizza war sehr gut.  – Alles war gut.

Was würdet Ihr beim nächsten mal anders machen? – Neele: „Ich vermisse meine Freunde zu Hause“ – Lasse: „Ein paar mehr Thunfischköder (größer) einpacken“

Worauf freut Ihr Euch am meisten? – „Auf die Freunde (Hapa Na Sasa, Vida, Alytes, Triton), aufs Tauchen, auf den Fischfang“ – „Auf Opa, Herbert, Annelie und Hannes“  – Torge: „Ich freue mich, dann Opa was vorzulesen.“

Würdet Ihr es nochmal machen? – Torge: „Ja, wenn die Nächte kühl sind!“ – Neeli: „Einmal müssen wir es ja noch machen ;-).“ – Lasse: „Wenn es allen gut geht und die Wellen wären so wie heute, ja und Wind bis zu 5 Windstärken und immer Sonnenschein.“

1500 UTC – Fischfang! Erneut hat sich ein fetter Brocken bei uns verbissen – ein Thunfisch, ca. 70 cm lang. Frisch filetiert liegt er im Kühlschrank und wird hoffentlich mit noch weiteren Fängen dann gemeinsam bei der Ankunft in Martinique verspeist.

Matthias, danke für das Aufzeichnen von Wetten das? wir haben den Live Stream leider verpasst bei all den Sternen 😉 und sind dankbar, uns diesen wichtigen Moment nächstes Jahr nochmal in aller Ruhe anschauen zu können 🙂

Micha, SMS erhalten, den Anruf jedoch nicht, wenn wir oben sind hören wir es kaum, wenn es klingelt. War auch der erste Anruf den wir bisher erhalten haben, daher ist noch niemand auf das Klingeln geeicht.

1600 UTC – letzte Meldung für heute:

Unser Lieblings-Köder ist soeben genommen worden. Der Welle nach, war es ein Fiech deutlich größer noch als der Marlin. Vielleicht ein Hai? Egal, viel zu groß für unseren Kühlschrank, nur schade, ein weiterer Großfisch mit Piercing, der im Atlantik rumschmimmt. Hoffentlich erinnert er sich nicht an uns, wenn wir das nächste mal die Zehen ins Wasser stecken ;-).