Archiv für den Tag: 11. Dezember 2014

Tag 20 – leichte Winde treiben uns nach Westen

Mit gemächlichen 8-13kn bläst es nun seit gut 48h vor sich hin. ANNE und Crew werden sanft hin und hergeschaukelt. Gestern deutlich mehr, da noch alte See vorhanden war und schräg von hinten in uns reinrauschte, heute sehr angenehm gerade zu einschläfernd. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt momentan deutlich unter 5kn, was unsere vom iPad prognostizierte Ankunftszeit eher erhöht, denn senkt. Die Vormittag ist der Schule gewidmet, die Kinder haben ihren anfänglichen Protest heute gänzlich eingestellt, vielleicht waren es die guten Pancakes, die Lasse uns heute zubereitet hat.

Mehl wurde frisch gemahlen, dann, da unsere Eier aus sind, mit Eiersatz und der letzten Tüte Milch angerührt. Mit Apfelmus oder auch Nutela ein herrlicher Start in den Tag. Die Sonne brennt auf unser Bimini (Sonnenschutz im Cockpit) herunter, doch durch die stetige Lüftung haben wir schöne 25 Grad im Cockpit. Das Bimini hat sich auf dieser Reise als eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale herausgestellt. Wie gut, dass Nette diese Weitsicht hatte und in diesem Punkt nicht mit sich diskutieren liess: „Wir brauchen ein Bimini, basta!“. In der Tat haben sich im nachhinein viele unserer Gemeinschaftsentscheidungen über die zu tätigenden Anschaffungen als goldrichtig herausgestellt. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, wie wenig Vorlauf wir hatten.

Kurzer Break – soeben haben wir erneut eine schöne ca. 80cm lange Golddorade rausgezogen. Die letzten Tage waren wenig erfolgreich was den Fischfang angeht. Einerseits waren wir satt und haben eine Pause eingelegt, andererseits haben wir seit ein paar Tagen jede Menge Seekraut um uns herum, was den Haken häufig verstopft und das Fischen nicht besonders attraktiv macht.

Die Golddorade wurde wieder auf unser kleinen Badeplattform filetiert und befindet sich nun gut gekühlt im Kühlschrank. Mal schaun was wir daraus heute schönes zaubern.

An Tierbeobachtungen war heute ein Albatros dabei, der immer wieder um unsere ANNE kreiste. Überhaupt ist es verwunderlich wie viele Vögel wir während der Überfahrt sehen. Schwalben und Tölpel sind allgegenwärtig, wo schlafen sie nur, woher nehmen sie die Nahrung? Bislang konnten wir keinen der Vögel beim Beutefang beobachten.

Noch 560sm, Martinique wir kommen!

Tag 18 – Nacht zum Tag 19 – mactime (1:48 UTC)

Die Ruhe ist auf der ANNE eingekehrt, zumindest die der Besatzung. Um uns herum schlagen immer wieder die Wogen hoch. Der gestrige Tag war wellseitig einer der höchsten. Gefühlte 4m Wellen schoben die ANNE und Crew sanft durch den Atlantik. So muss Elefantenreiten sein. Von schräg hinten rollen die „Brecher“ heran und heben ANNEs Heck gefühlvoll an. Im höchsten Punkt neigt sich der Bug um ca. 30 Grad in das Wellental, so geniesst man vom Heck den schönsten Anblick, der sich an Bord bietet. Wie beim Skifahren kann man kurzzeitig vom höchsten Punkt aus die drumherumliegende See beobachten und die vor einem liegenden Wellenrücken der vorangegangenen Wellen bestaunen.

Im anschliessenden Moment geht es auch schon wieder abwärts aus Stock 1 ins Erdgeschoss. Die Welle rauscht von achtern unter dem Boot durch, hebt den Bug dabei wieder hoch und senkt das Heck abschliessend im Wellental auf den niedrigsten Punkt wieder ab. Weil es soviel Spass macht, geht das ganze schon seit Stunden ;-).

Heute ist einer der wenigen Tage, an denen die Schule mal ausgefallen ist, Lasse hatte spontan den Wunsch geäußert, heute mal aufgrund der Wellen nicht zur Schule zu wollen. Ansonsten läuft die Beschulung auf See überraschend gut, haben die Kinder keine grossen Probleme mit dem Wellengang. Wenn es mal zu bunt querschlägt, wird halt kurz aufgeräumt oder der Stoff wellentauglich angepasst. Schule an Bord ist nicht immer nur Freude, nicht für die Kids und auch nicht für uns, daher an dieser Stelle noch mal mein Chapeau an alle Lehrer für ihren täglichen Job. Mein Kompliment, ich kann nach 5 Monaten zu Protokoll geben, dass eine spätere schulische Lehrerlaufbahn nicht in meinen Karriereplan passt. Das Lehren ist dabei selbst ohne Zweifel der schöne und befriedigende Teil. Viel schwieriger ist jedoch die Motivation und den Anstoß zu selbigen zu geben.

Hier auf See sind die Ablenkungen günstiger Weise nicht so mannigfaltig, im Hafen oder vor Anker sieht es anders aus. So viele Dinge, und sei es nur das Vorbeifahren einer anderen Segelyacht, kann da schon Lehrplan verhindern wirken. Dennoch Kompliment an Euch drei, ihr schlagt Euch sehr gut mit diesen Hobbylehrkräften rum. Torge, wunderbar zu sehen wie du mit den Zahlen und Buchstaben inzwischen gekonnt jonglierst und so ausdrucksstark deine Mimik und Gestik z.B. beim „P“ einsetzt – großartig. Neele, bist so stark, auch wenn es dir mal übel ist, so beisst du dich durch Deine Mathe und Deutschhefte doch unerbittlich durch – schön, dass Dir auch in solchen Momenten nie dein schönes Lächeln ausgeht. Lasse, du hast es sicherlich am schwersten, neue Schule und Klasse und Klassenkameraden, die du noch nicht einmal kennst. Klasse wie du das Lesen für dich entdeckt hast und ein Buch nach dem anderen anpackst und wie sehr du dich für die Dinge, die du liest, begeistern kannst. In Summe seid ihr eine wunderbare Klasse, ist es eine grosse Freude diesen Teil der Reise auch so mit Euch zusammen erleben zu können, gerade weil ich sonst so wenig Eindrücke von der Schule und Euch erhalte.

Die letzten 800sm sind angebrochen und nicht selten erwischt man sich dabei, die Logge zu prüfen, wie viel haben wir seit dem letzten Mal Schauen schon wieder geschafft. War zu Beginn das Etmal etwas, was wir nicht mal notiert haben, so ist dies nun viel wichtiger geworden. Mit Stolz und Erleichterung haben wir zum zweiten mal gesehen, wie der Tageszahler „genullt“ hat. Über 2000sm liegen im Kielwasser, eine unvorstellbare Strecke. Wahrscheinlich die längste die wir je in unserem Leben nonstop segeln werden. Immer häufiger beschäftigen sich die Gedanken mit dem „morgen“ – wie und wo gehts weiter.

Zunächst werden wir zusammen mit Opa, der uns ein paar Tage besuchen wird, weiter nach Süden segeln. Tobago Keys, Grenadines stehen auf dem Tourplan.

Dann soll es nach Norden gehen (Dominika) und weiter zu den British Virgin Islands. Dann wenn alles klappt zu den Bahamas und von dort über die Bermudas zu den Azoren bzw. zurück zum Festland. Bis dahin ist jedoch noch ne Menge Zeit, doch gut wenn man sich frühzeitig seinen Plan macht, dann kann man sich gleich zweimal auf die Dinge freün. Vielleicht aber läuft auch alles anders ab, und wir segeln nach Australien. Dort ist der ansässige Bootsmarkt ungleich attraktiver, so dass eine Veräusserung der ANNE dort weit einfacher wäre. Viellicht stellen wir sie aber auch einfach zu uns in den Garten und freün uns täglich über ihren tollen Anblick.

Wenn man mal von Obst und Gemüse absieht, so können wir mit unserem Proviant sicherlich noch ein paar Wochen weiter segeln. Haben wir es doch sehr gut beim Proviantieren gemeint, sogar Nutela ist noch an Bord ;-).

Essen ist ein gutes Stichwort, ich werde mir dann nochmal schnell genüsslich einen der leckeren Schokokekse in die Figur schieben. Na dann, allen eine gute Nacht.

PS: Annelie, danke für deine liebe SMS, wir vermissen dich auch ganz doll und freuen uns schon auf euren Besuch in der Karibik. Auch dir Ise für die lieben Emails, vielen Dank.