Archiv für den Tag: 8. Dezember 2014

Tag 17 – wir wollen ankommen

Vier Tage sind seit dem Bergfest vergangen, und wir haben zwischenzeitlich weitere 560sm zurückgelegt. Ein Durchschnitts-Etmal – Wikipedia: „die von einem Schiff von Mittag zu Mittag zurückgelegte Wegstrecke“ – von 140sm pro Tag, nicht das schnellste, aber ganz ok für unsere vollbeladene ANNE. Weitere 940 sm und damit 7-8 Tage liegen nun noch vor uns. In Summe doch etwas länger als wir am Anfang gehofft hatten, jedoch muß man fairer Weise einen Tag abziehen, den wir auf Fuerte mit dem Zwischenstopp verbracht haben.

So langsam drängt sich der Wunsch des Ankommens auf, die Tage auf See sind immer noch herrlich, ein besseres Passatsegeln kann es wohl nicht geben, da der Wind beständig mit 13-20kn von achtern kommt. Jeden Tag und zwischenzeitlich auch drei Nächte haben wir unseren Wingaker (Parasail.at) stehen gelassen und können uns nur über diese Anschaffung freuen. In den Nächten, an denen wir auf unsere Standardbesegelung zurückgreifen mussten, ist der Winkel nach Martinique stets etwas stumpfer, damit verlängert sich unsere Strecke. Andererseits ist das Segeln bei Nacht unter dem Wing auch angespannter – hält der Wind oder frischt er auf, so dass in der Nacht gerefft werden muß? Bislang sind wir von weiteren Squalls verschont geblieben, und auch der angekündigte Starkwind hält sich noch vornehm zurück. Lediglich die Wellenhöhe ist wieder auf 2-3m angestiegen und macht das Leben an Bord etwas unangenehmer. Die Welle läuft seit ein paar Tagen chaotisch durcheinander, so dass das Schiff samt Insaßen immer wieder abrupt seitwärts versetzt wird. Unwohlsein ist fast kein Thema mehr, jedoch muß man höllisch aufpassen, nicht wie ein Spielball durchs Cockpit oder den Salon geschossen zu werden. Ferner möchten wir auch mal wieder ein „normales“ Essen genießen, ohne dass einem Teller, Besteck und Beilagen wild um die Ohren fliegen. Man muß ich das so vorstellen. Das Essen wird gekocht und dann in schusssicheren Töpfen an Deck gebracht, dort auf rutschfesten Untersetzern am Boden „fixiert“. Wie beim Campen in einer Großkantine wird

dann in Schüsseln aufgetischt. Schon das Streichen eines Brotes ist manchmal schwierig, da sobald man das Brot mit der einen und das Messer mit der anderen Hand festhält, die notwendige dritte Hand fehlt. So passiert es regelmäßig, das einem von uns entweder nur der Teller, Besteck oder komplett Teller samt Besteck und Inhalt ums die Ohren fliegt. Unschön ist die Explosion einer Sojaflasche in Erinnerung – aus gut einem Meter Höhe fliegt der Inhalt ins Cockpit und verteilt die Sprenkel überall hin. Noch Tage später sieht es aus, als wenn wir ein Schlachtfest mitten im Cockpit abgehalten hätten.

Gestern gab es eine der ganz wenigen Schiffsichtungen, insgesamt waren es seit der Abfahrt kein 10 Stück. 03:00 Uhr in der Frühe: „ANNE, ANNE, ANNE für Kajuda2!“. „Hier ANNE.“, „ANNE Ahoi?“, „Ja, das sind wir“, „hier ist Julian, von den Smarts“. Was für ein Zufall. Julian ist ebenfalls zusammen mit seiner Frau Alban und seinen drei Kids (Daisy, James und Hugo) auf Langfahrt um den Atlantik. Wir haben uns in Portugal, Figueiro da Foz,

kennengelernt und dort während der Schlechtwetterphase viel gemeinsame Zeit am Stand verbracht. Julian hat sich der ARC angeschlossen und ist ebenfalls aufgrund des schlechten Wetters einen Tage später losgefahren. Ziel der ARC: St. Lucia, die südliche Nachbarinsel von Martinique. Wir plaudern eine ganze Weile und verabreden und lose in der Karibik. Was für ein Zufall, von 10 Schiffsichtungen haben wir mit dreien direkten Kontakt und zu allen eine Beziehung, hier bei den Smarts haben wir uns das letzte mal vor 3000sm gesprochen und treffen uns nun hier mitten auf dem Atlantik wieder, haben Sichtkontakt und tauschen beste gegenseitige Wünsche aus.

Was ist sonst noch passiert:

Bislang kein weiterer Fischfang, jedoch Verlust weiterer Köder. Aus diesem Grund wurde heute eine Kunststunde einberaumt, in der neue Köder zu basteln sind. Die Exemplare können sich sehen lassen und werden hoffentlich neuen Fischfang bringen.

Nikolaus wurde auf See gefeiert, nachdem der Nikolaus tatsächlich die weite Strecke auf sich genommen und den Kindern ein paar Leckereien vorbeigebracht hat.

Spielen – es wird viel an Bord gespielt, vornehmlich Kartenspiele – Dorthe, vielen Dank für das tolle Kartenspiel Wizard, Lasse liebt es.

Ferner steht das „Müllschneiden“ hoch im Kurs. Da wir den Müll von drei Wochen nicht einfach wegwerfen können, wird er liebevoll gewaschen und dann in einem der vielzähligen Wasserkanister zwischen gebunkert. Bin gespannt, was da am Ende der Passage zusammenkommen wird. Gefühlt je Tag eine halbe 8l Flasche.

Micha, bzgl. der Iridium Nummer, guck mal unter „Kontakt“ auf unserem Blog nach. Schöne Grüße nach Fehmarn, da kann man ja nur froh sein, dass ANNE nicht in der abgebrannten Halle stand.