Archiv für den Tag: 2. Dezember 2014

Tag 11 – Sushi auf der ANNE

Heute nur ganz kurz, ich sitze unter Deck und will nur kurz ein paar Zeilen über die kurzweiligen 24h schreiben.
Nach einer spannenden Nacht – wir hatten uns entschieden, unser Parasail mal stehen zu lassen – ging es heute geruhsamer zu.
Kaum war die Dunkelheit mit Mondeslicht angebrochen, da frischte auch schon der Wind auf. Bis 20 kn und wir mitten drin mit unserem neuen Lieblingssegel.
Als der Regen und die Böen einsetzten, war schnell klar, dass bei derartigem Wind ein solches Segel auch Nachteile hat – es ist einfach groß :). Als uns dann um 4 Uhr auch noch eine Regenböe Wind mit 80 Grad vorlicherem Einfall bescherte, war klar, das ist zu viel für die Aventszeit, runter mit dem Segel… . Schöner Spaß, bei Rauschefahrt und Dunkelheit auf dem Vordeck rumzuturnen… . Ende gut alles gut, der Rest der Nacht verlief schaukelig und ruhig.
Heute ging es dann in die Vollen. Erneut haben wir sehr angenehemen Wind – 12-20 kn von achtern und fahren, wie klar unser neues Lieblingssegel – zumindest bist zur Dämmerung, also noch ca. 30 min.
Die Kinder hatten mit Nette das Vergnügen und durften Vanille Kipferl backen, ich habe sie dann gegessen 😉 wir sind ein super Team auf der ANNE ;-)) finde ich.
Dann gabs zum highlight noch zwei Bisse, jeweils Golddorade, eine um die 30cm, die andere eher 90cm – lecker. Schnell die Messer geschärft und dann gabs von Neele und Nette das Beste Sushi was wir je auf der ANNE hatten.
Liebe Grüße in die Runde und vielen Dank an alle für die Auflösung der „Fliegenden Fisch“ Frage!

Tag 9 – Nachtrag Sonntag

Da war ich zu schnell mit meiner gestrigen Bemerkung über den Advent, habe sie ohne Nette gemacht. Natürlich waren wir auf den ersten Advent vorbereitet, hatte er sich doch ein Jahr im Voraus angekündigt. Kurz vor der Dämmerung, inzwischen eine Stunde später als auf den Kanaren, holte Nette ein Edelsonderausstattungszubehör von ANNE hervor – eine elektrisch bedienbare Bienenwachskerze! Unglaublich, ich bin immer wieder überrascht von meiner Lieben. Schnell ein paar gemeinsame Weihnachtslieder geschmettert, und nun bin auch ich voll vom Weihnachtsfieber erfasst, freue mich schon jetzt wenn die Kinder morgen über ihre Adventskalender herfallen, wird bestimmt idyllisch und stimmungsvoll ;-). Ach ja, Fischfang gab es gestern auch noch – Golddorade, lecker! Eine etwas größere als beim letzten Mal, ca. 60cm, jedoch etwas dicker und breiter, hatte sich fest in unserem Haken verbissen.

Nachdem wir wieder unsere ermüdende „Schlepptaktik“ angewendet hatten, konnte sie Lasse ohne weitere Hilfe von mir reinholen. Die Golddorade ist vom Fleisch ähnlich dem Thunfisch, rot und grätenfrei, vom Geschmack fleischnahe, intensiv und für uns das Beste. was wir bislang auf dem Teller gesehen haben. Die zwei schönen Filetstücke, Rest vom Fisch geht immer direkt wieder über Bord, wiegen ca. 1,5kg und sind somit für zwei Malzeiten genug. Wir sind uns inzwischen alle einig, dass diese Fischgröße die richtige für uns ist, größer sollten die Fänge gar nicht sein, da wir keinen Fisch wegschmeißen wollen und nur „Funangeln“ betreiben wollen.

Kurzer Exkurs, was den Blinkereinsatz angeht: nachdem wir über die vergangen Wochen gut und gerne 100 Angelshops besucht haben und sicherlich auch annähernd so viele verschiedene Köder erworben haben, muss ich sagen, dass ich einer Aussage von Katamaran Juergen, die er in Vigo, Portugal getroffen hatte, jetzt völlig zustimme: „bist du erst mal auf dem Atlantik, dann beißen sie auf alles“. Ob Doppel- oder Einzelhaken, mit/ohne Federn oder Augen ist eher zweitrangig. Irgendwann beißen sie immer, einige sind zu groß für unser Boot andere sind perfekt und werden gelandet. Angeln ist sicherlich eine der Neuentdeckungen und Bereicherungen des Bordalltags, ob mit oder ohne Kinder!

Tag 9 Nacht zum Montag – ich will keinen Winter mehr – das ist nur der Wind der dich in den Wahnsinn treibt, dich auftreibt, wie ein Sandkorn in den Fängen der Zeit – ich will keine Winter mehr, vielleicht kommt dann kein Winter mehr – und jeder Atemzug hängt am seidenen Faden, nur solang bis wir da sind und jeder Atemzug folgt dem roten Faden – das alles hängt am seidenen Faden und wird gelenkt vom seidenen Faden — Tim Bendzko,  „Am seidenen Faden“

Zwischenzeitlich haben wir „endlich wieder“ wärmere Gefilde erreicht. Die lange Hose ist zurück verstaut, auch bei der Nachtwache reicht jetzt ein T-Shirt. Wir sind wieder mal gesegnet mit moderaten Winden, ca. 4 Beaufort von achtern, ANNE ist in ihrem besten Element und fliegt durch die Stunden des Tages und der Nacht. Bis auf einen Schiffskontakt am Vormittag, Kairos ein 109 Fuß langer Doppelmaster mit einer Takelung (eine Art Rahsegel am vorderen Mast, sonst klassisch) die ich bisher nur aus Büchern kannte, muss was Altes gewesen sein, sind wir alleine hier auf dem großen Atlantik. Immer noch unfassbar und doch so selbstverständlich cruisen wir hier seelenruhig vor uns hin. Bis auf einen Minisquall am Abend, Regenfall und plötzlicher Anstieg des Windes, war der Tag völlig gleichbleibend genial. Mit ca.

10-14kn bläst uns der Ostwind nun gen Westen, treibt uns unser Parasail.at voran, ohne dass wir auch nur einen Hauch verändern müssten. Lediglich beim Durchziehen des Squalls ist Selbststeuern angeraten. Ich bin gerade unten beim Vorbereiten des Abendessen, die schöne Golddorade war schon fast in der Pfanne, als der Wind plötzlich auf gut 20-22kn ansteigt. Unsere eh schon gute Geschwindigkeit wurde noch mal merklich angehoben, 10,5kn im Surf haben wir mehrfach gesehen, nie weniger als 8kn. Wie ein Volvo Ocean Racer, oder zumindest so das Gefühl, schießen wir durch die Regenböen und durch die langen und bis zu 3m hohen Atlantikdüngswellen hindurch. Faszinierend wie das Segel diesen unglaublichen Windbereich wegsteckt. Für alle Nichtsegler – während wir sonst bei Windzunahme recht schnell unsere Segelfläche wegnehmen, ein unangenehmes Schlagen zeigt einem schnell, dass es besser ist, die physikalischen Grenzen nicht weiter hinauszutreiben, so tritt dies mit dem Parasail nicht bzw. erst später auf. Das Segel zerrt nicht an der ANNE sondern schiebt bzw. presst sie eher durch den Ozean. Kein Schlagen von Blöcken oder metallisches Geräusch des Großbaumes, gefüllt vom Winde hängt das leichte, fallschirmartige, gelbweiße Segeltuch förmlich am Himmel und die ANNE unter ihm. Schwer zu beschreiben, wenn man es nicht selbst erlebt hat, nicht war Anika :-).

Dennoch hat uns die Rauschfahrt gezeigt, dass auch so ein tolles Segel ab einem Windbereich von 19kn und mehr, aktiv gesteuert werden muss und wir das nicht in der Nacht mit kleiner Crew sicherstellen können. Schweren Herzens wird das Parasail daher gegen 19 Uhr nach 11 Stunden nonstop sailings geborgen. In Folge geht die Geschwindigkeit um min 1-1,5kn unter, das Schaukeln nimmt zu und das Schlagen des Großsegels bzw. Genua füllt die sonst so herrliche Stille wieder mit „Störgeräuschen“. Für mich ist Segeln perfekt, wenn das Schiff vor sich dahin spurtet und außer das Wasserrauschen keine eigenen Geräusche von sich gibt. Der BB Genua Umlenkblock knarrt seit ein paar Stunden wieder, ein Geräusch, was meinen Spießerfrieden an Bord stört und dem dringend Einhalt geboten werden muss ;-)), morgen.

Zwischenzeitlich ist es 3:26, seit gut einer Stunde tippe ich auf dem Mac vor mich hin und lausche ein paar feinen Klängen aus dem Kopfhörer. Die horizontale Halbmondsichel hat sich hinter einer Wolke versteckt und die zuvor erleuchtete Nacht wieder in Schwarz verdeckt.

Jetzt klappe ich das schöne Arbeitsgerät mal zu, denn selbst der so beliebte Mac blendet einen doch sehr und versperrt den klaren Blick auf den sternenreichen Himmel. Gute Nacht an alle die lenken und gelenkt werden.