Archiv für den Monat: November 2014

ANNE wieder im Hafen

Wir liegen wieder im Hafen von Arrecife. Zum einen ist unser Segel ja erst am morgen da, viel entscheidender ist jedoch die Wettervorhersage die sich zunehmend schlechter entwickelt hat. „Geduldiger Skipper hat immer guten Wind“ habe ich mal als Rat von einem erfahrenen Kapitän erhalten, als wir in Portugal festsaßen. Mit diesem Kredo sind wir bislang gut unterwegs gewesen und wollen dies beinhalten.

Dennoch war der Start wunderbar, wir haben an ca. 10ter Stelle die Startlinie überfahren, die Organisation der Atlantik Odyssey sehr gut und wir wären gerne weiter mit den anderen Schiffen gefahren.

Jetzt heißt es neue Pläne schmieden, das Wetter beobachten und dann mit dem nächsten stabilen Westwind auf über den Atlanik. Fair Winds allen, die heute gestartet sind!

Nachtrag 19:00 Uhr: Anbei ein Bild unser Gribfiles, dass ist die ‚Staukarte‘ der Segler. Gelb und Rottöne heißen – es wird ungemütlich, bitte meiden. Die Kunst bei so einer Wetterprognose liegt darin, den Kurs so zu wählen, dass man den Wind zwischen 120 und 180 Grad (schräg von hinten oder direkt von hinten bekomm) oder so schnell zu sein, dass man ‚entwischen‘ kann. Bei dem von mir unterstellten Reisetempo ‚drohte‘ uns ab Mittwoch Nacht eine saftige Packung von vorne. 30kn Wind sind nichts was ein seetüchtiges Schiff in Bedrängnis muss, aber eben kann, da der Wellengang sicherlich über 4m liegt. Da die Prognose südwestliche Winde vorsieht, ist fast nur ein Abfallen nach Südost oder gar Nordost Richtung Afrika sinnvoll, und damit eher weg denn hin zu Karibik. Ferner ist die Vorsage für Montag bis Mittwoch, ebenfalls südwestlicher Schwachwind, nicht ideal, da so de rare Diesel an Bord rasch verbrannt wird.

Rational bin ich absolut überzeugt, dass die Entscheidung richtig ist und wir solange wir uns das Wetter noch ‚aussuchen‘ können, rational entscheiden müssen. Da Donnerstag und Freitag jedoch noch so weit weg sind, ist mir eher zum Heulen zu mute. Kinder, wir werden die Karibik noch sehen, Kopf hoch alles wird gut!

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Hektik im Fahrerlager – und los gehts

Die Emsigkeit der Vorbereitung ist gewichen und eine gewisse Hektik hat Einzug gehalten. Während einige wenige noch in aller Ruhe und größter Sorgfalt das angelieferte. Obst putzen, so ist doch der überwiegende Teil des Feldes inkl. der ANNE Crew im Nahkampf mit den noch offenen To Dos angekommen. Bernhard, dem Höhen sonst eher unliebsam sind, hat es soeben in das Top seines Mastes verschlagen. Als wenn er noch nie etwas anderes getan hat, prüft er die Wanten und Toggles auf Aufälligkeiten. Die Crew der Song of the Sea hat ebenfalls den Ernstfall ausgerufen und ist in voller Sicherheitsausrüstung zum finalen Probeschlag aufgebrochen. Diverse Crews sind zu den letzten Tests des Parasailors ebenfalls in See gestoßen. Die andere Hälfte des Feldes beschäftigt sich entweder mit dem Wetter und den daraus abzuleitenden Routenstegien oder führt weitere Last Minute Tunings durch – kurzum alle fiebern dem Start entgegen und wollen los. Zehn Marina Tage reichen allen trotz des umfangreichen und tollen Angebotes der Atlantik Odyssey.
Bei der ANNE Crew sieht es nicht andere aus. Wir haben fast alles von der Liste gelöst oder gestrichen ;-). Unser Segel ist auch am gestrigen Tage nicht mehr gekommen und soll nun am Montag kommen. Die Crew der Stangetrader hat sich jedoch bei der gestrigen Fairwell Party bereit erklärt, unser Segel mit nach Martinique zu nehmen! Vielen Dank Robert!

Wir starten um 12 Uhr gemeinsam mit den anderen Schiffen, werden dann Kurs gen Süden um Lanzarote und Fuerte setzen. Bereits nach ein paar Tagen werden wir jedoch erfahrungsgemäß keines der anderen Schiffs mehr sehen. Zu unterschiedlichen sind die Geschwindigkeiten der Schiffe als dass wir bei 5-10sm Sicht Kontakt halten könnten.
Für den Ernstfall ist jedoch jedes Schiff in der Lage per Iridium Telefon und Email Hilfe anzufordern. Zusätzlich führt jedes Schiff eine EPIRB, eine Seenotrettungsboje, mit sich, die unser Schiff per Satellit überall auffindbar macht und damit die internationalen Rettungseinchtungen (bei uns in Deutschland Maritime Rescue Center Bremen) informieren kann. Doch so weit wird es hoffentlich nicht kommen.

Hier könnt ihr uns und sie anderen Schiffe übrigens während der Überquerung tracken. Hierzu einfach den u.a. Link auf der Atlantik Odyssey Seite klicken!

See You in Martinique!
T
 

Die Uhr tickt unaufhörlich

Die Tage verfliegen gerade nur so und scheinen uns unter den Händen zu zerrinnen. Kommen wir wirklich nicht voran oder werden die Punkte auf unser Liste immer länger? Wohl beides. Beständig finden sich neue Kleinigkeiten die gefixt und instand gesetzt werden wollen. Nachdem heutigen professionellen Riggcheck wird klar, unser Rigg sieht stabil und gut aus. Einzig der Block am Top des Mastes der unser Parasail (Wingacker) halten soll, erscheint etwas unterdimensioniert und gehört getauscht. Also morgen wieder mal in den Mast und kurz getauscht. Könnte was für Nette sein, wenn ich mir das so recht überlege ;-).
Jeden einzelnen Punkt für sich betrachtet ist lächerlich, manchmal dauern die Dinge effektiv nur 10 min, sofern alles vorhanden ist…. . Und genau hier fängt das Fahrtenseglerleben an. Die Beschaffung der Teile und sei es nur ein neues Kabel für unser UKW Funkgerät kann wahrlich eine halbtages Beschäftigung sein. Wo bekomme ich so was, wie komme ich da hin, wann ist es verfügbar und passt es wirklich so? Dinge die zu hause mittels Internet ein paar Minuten dauern können hier gut und gerne mal ein paar Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Umso größer ist dann jedoch auch die Freude wenn etwas abgeschlossen ist.

Was ist sonst noch so passiert und wie geht es weiter. Nette hat super geniale Schwarzbrote gebacken, wir haben uns den zweiten Teil von Lauras und Torstens Entdeckungstour in der Karibik mit ein paar anderen Familien angeschaut, Ölwechsel und Filter wurden gewechselt, die große jährliche Party der Familie Calero wurde in der Marina Porto Calero abgehalten und wir waren mittendrin, die Kinder erfreuen sich an den zahlreichen anderen Boatkids und bekommen von dem ganzen Vorbereitungen wenig mit, bis auf ein über die Maßen chaotisches Schiff, unsere Tauchausrüstung wurde erneut genutzt um ein Ehering und ein Scooter aus dem Hafenbecken zu bergen und unser Vorsegel trifft immer noch ‚planmäßig‘ einen Tag nach dem Start ein.

Am Sonntag soll es also losgehen. Wir werden wie immer punktgerecht fertig sein und mit der Flotte über die Startlinie fahren. Wie es dann weitergeht werden wir in Abhängigkeit von der Segellieferung abhängig machen. Zurzeit versuchen wir das Segel in Gran Canaria zustellen zu lassen, um es dort auf dem Wege quasi aufzusammeln.
Da die Windvorhersage jedoch alles andere als ideal ist, kann uns dieser Zwangsstop vielleicht ganz gut tun.

Wir nehmen es wie es kommt und sind guter Dinge, dass es sich fügen wird.

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