Archiv für den Monat: November 2014

Tag 5 – Mittwoch – Blauwal gesichtet, …

der entweichen kann. Eine sehr feine Sache. Wie sich schon in den ersten Testflügen vor Lanzarote herausstellt, steht das Segel von alleine, bedarf wenn es einmal gesetzt ist auch wenig Aufmerksamkeit, und zieht allein schon aufgrund der Größe mächtig an der ANNE. Durchschnittlich 7,5kn konnten wir in den Stunden an Geschwindigkeit verzeichnen. Leider stellte sich jedoch nach ein paar Stunden heraus, dass mein Set Up der Leinen nicht ideal gewählt war. Binnen der wenigen Stunden in denen wir das Segel im Einsatz hatten, scheuerten oder besser schamfielmte wie der Segler zu sagen pflegt, der eine Achterholer, eine sündhaft teuere Leine, durch. Zu eng war das Leinen Set Up um das Vorstag herum, ärgerlich, hätte ich bei ein wenig besserer Planung vermeiden können. So sind wir seglerisch wieder auf unsere Passatbesegelung Groß-only zurückgekehrt und fahren seit dem halt ein bis zwei Knoten langsamer.

Während ich au dem Vordeck in das Leinenspiel vertieft bin, tut sich ein weiterer Höhepunkt des Tages auf. Ein Blauwal umspielt unsere ANNE! Mit seinen ca. 10-15m Länge scheint er noch ein junges Exemplar dieser stark dezimierten Spezies zu sein und zudem noch sehr verspielt. Immer wieder umkreist er uns, schielt uns aus seinem großen Auge von der Seite argwöhnisch an und ist dann plötzlich wieder verschwunden um nach ein paar Minuten wieder aufzutauchen. In Summe geht das gut und gerne eine halbe Stunde so, immer wieder wird sein Auftauchen mit Jubelschreien der Crew beantwortet.

Ein unglaubliches Naturereignis von denen wir uns mehr wünschen. Bislang sind die Sonnenauf- und Untergänge eher bescheiden ausgefallen. Fast durchweg durchfahren wir einen bedeckten Himmel, müssen regelmäßig den Motor anschmeißen um mit der Energie klarzukommen. Einzig am ersten Tag, als die Sonne durchweg schien, geht unser Energiemanagement auf und wir haben Strom im Überfluss.

Auch an der Angelfront geht es in die richtige Richtung weiter. Wenn es uns auch immer noch nicht geglückt ist, einen DICKEN an Deck zu landen, so haben wir wenigstens zwei ordentliche Kämpfe ausgetragen und, aber das schmücken wir hier mal nicht weiter aus, verloren. Fisch Nummer 1 war ein stolzer Brocken, der redlich an der Angel zog, sich nach meinem Dafürhalten der Pfanne auch nicht mehr entziehen sollte. Kurzzeitig konnten wir ihn auch einmal an unser Heckwelle springen sehen, doch dann war es auch wieder einmal um unseren Köder geschehen… .

 

Wie ist es eigentlich so ganz alleine auf dem Atlantik? So gar nicht alleine, zumindest bis jetzt. Wenn auch wir fast keine anderen Segelschiffe sehen, nur ein wenig Berufsschifffahrt, so bekommen wir doch häufig Funksprüche mit. Zwei galten uns: am frühen Vormittag funkte uns Stepke, einer der Einhandselger, nun jedoch mit 3er Crew bis zu den Kapverden unterwegs, an. Wir halten einen netten Plausch, erfahren, dass er durch Treibgut seine Windfahne beschädigt hat und weiter gen Süden abfallen wird.

Alles gute ihr drei, wir sehen uns bestimmt auf der anderen Seite des Atlantiks wieder.

Ein weiterer Funkspruch kommt von der Amazone gegen 20:00 Uhr. ANNE, ANNE, ANNE für die Amazone. Ja hier ANNE – wer seid ihr – Anja und Ingo (UnsereAuszeit.de). Ah, jetzt dämmert es. Anja und Ingo verfolgen unseren Blog und haben bereits einen Kommentar hinterlassen. Sie beide sind ebenfalls auf dem Weg in Karibik bzw. wollen den Nordatlantik umrunden, werden jedoch auf den Kapverden einen Zwischenstopp einlegen. So klein ist also die Welt, und doch irgendwie schön, dass durch das Bloggen auch Personen außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises erreicht werden, die wir dann hier auf dem offenen Atlantik ‚wiedertreffen‘.

Vielen Dank auch allen, die uns schon eine SMS auf das Iridium Telefon über das Kontaktformular geschickt haben. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir ein wenig Infos von außen bekommen. Da wir keine Kurzwelle (Funkgerät mit dem man 1000de Kilometer weit funken kann) mitführen, sind die paar Emails uns SMS eine ganz willkommene Abwechslung an Bord. Leider haben wir noch nicht rausbekommen, wie wir euch zurück schreiben können.

Tag 4 ca. 300sm südlich der Kanaren

Nachdem wir am Samstag endlich am Nachmittag loskamen, Wind und Regen hatten uns die Abreise versauert, ging es gleich richtig gut los. Mit schönem 20-25kn Wind von achtern flogen wir nur so dahin. Immer wieder stiegen Wellen über den Bug ein und spülten so unwissentlich unseren Ankerkasten und die sich dahinter befindliche Bugkabine…. . Eine Schrecksekunde als ich im Schlaf von unsern 5 Euro Wasserwarnern von Conrad Electronic (Danke nochmal an den guten Tipp Bert u. Marlene von der heimker-hamburg.de) geweckt wurde.

Kurz entschlossen und ganz offen auch etwas von der Panik getrieben, entschieden wir nach Gran Tarajal, Fuerte reinzulaufen. Gegen 2 Uhr machten wir dort fest und fielen in einen seltsam unerholsamen Schlaf. Zu groß war die Sorge, durch den Wassereinbruch länger als gewünscht auf Fuerte ausgebremst zu werden.

Doch die Sorge war unbegründet. Durch ein paar Telefonate mit „Remoteexperten“ sowie dem glücklichen Umstand, dass Aleks und Stefan vom C-Team ebenfalls seit einer Woche auf Fuerte festgeweht waren, konnte das Leck mit etwas Sikaflex abgedichtet werden. Ferner haben wir einen von Lasses Fußbällen als Tampon zweckentfremdet. Der Fußball schließt nun den Ankerschlitz und verhindert ungewolltes Eindringen von Wasser.

 

Am Sonntag, Tag 2, ging es dann erneut spät gegen 17 Uhr weiter. Die Hafenträgheit schlägt schnell zu und ich wäre gerne noch etwas geblieben.

Doch die Skipperina hat kein Nachsehen, der Wunsch nach karibischem Rum ist zu stark, vielleicht auch einfach nur der nachvollziehbare Wunsch, mit den Vorausgeeilten aufzuschließen.

Apropos Vorausgeeilten: schnell wurde über den Montag / Dienstag klar, dass wir mit der Entscheidung goldrichtig lagen. Die Wellen sind ca. 2-3m, kommen von hinten und werden von Wind mit ca. 15-25kn befeuert. Allen an Board war die ersten Tage übel und wir sind sehr froh, dass wir nicht mit der Truppe bereits letzte Woche gestartet sind. Die Zwischenberichte vom Donnerstag und Freitag sprechen Bände und bestätigen die Wettervorhersagen vom vergangen Sonntag. Einmal mehr beeindruckend, wie korrekt die Daten von Wetterwelt.de sind.

Das Bordleben ist noch sehr eingeschränkt, wir versuchen das Wachsen der Seebeine zu beschleunigen, doch die Natur lässt sich hier nicht reinreden, Akklimatisierung dauert seine Zeit. So verbringen wir die Zeit mit Ddösen, teilweise können erste Spiele gespielt werden, und Nette hat sich schon mehrfach durchgerungen und uns leckere Menüs gekocht. Fischfang oder Wal- oder Delfinsichtungen sind leider noch ausstehend, wir hoffen auf ergiebigere Tage.

Was ist sonst noch passiert? Auf unserem Atlantikübersegler, einer Karte im ganz großen Maßstab, haben wir die Positionen einzelner Schiffe abgetragen und mit Vergnügen festgestellt, dass noch keines auf Martinique angekommen ist ;-). Vielleicht kommen wir ja unseren Freunden von der Vida, Hapa Na Sasa oder Triton etwas näher.

So das wars derweil; mehr, hoffentlich abwechslungsreiches, in den kommenden Tagen.