Archiv für den Tag: 30. November 2014

Tag 9 – Sonntag 1. Advent oder warum können fliegende Fische eigentlich fliegen?

Wir cruisen vor uns hin, wie es nicht besser geht. Besser geht nur, wenn es Nette endlich besser geht, sie hat sich was am Magen eingefangen. Entweder war die gestrige Pizza nicht gut, oder die Erkältung ist langwieriger als bei mir. Gestern Nacht haben wir zusammen im Cockpit Wache gehalten, nachdem ihr gegen 22 Uhr der Kreislauf weggekippt ist. Gut nur, dass man auf so einer Nachtwache maximal in einen tiefen Schlaf fallen kann.

Der Wind bläst seit gut 30h mit entspannten 10-15kn also ca. 4 Windstärken vor sich hin. Da wir unser Parasail gesetzt haben, könnte das reisen nicht entspannter sein. Jegliche Böen werden automatisch abgefangen und das ständige Gieren von rechts nach links ist fast komplett verschwunden – einfach genial. Die angesagten Wellen von bis zu 4m sind nur in Auszügen vorbeigekommen. Teilweise rollen aus Nord lange Walzen an, die sicherlich ihre 4m Höhe haben. Dadurch, dass sie jedoch so lang sind, merkt man davon eigentlich nur etwas, wenn man direkt in die Wellen schaut.

Ungestört zieht uns unser Schirm durch den Atlantik, und wir freuen uns auf eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 6-7kn bei wie gesagt knapp 10kn Wind, zu schön um wahr zu sein. Dass so ein Crossing auch anders sein kann, und auch noch anders sein wird, ist außer Frage. Gestern Nacht habe ich mir erstmals einen Film aus der Konserve angeschaut, seit 5 Monaten der erste Film, ok, abgesehen von der Filmvorführung und den WM Spielen. Der Film (segel-filme.de Guide Dwersteg) handelt von einer sehr amüsant gemachten Dokumentation eines Einhandseglers, der den Nordatlantik umrundet, also genau das was wir zurzeit machen. Seine Überquerung vor zwei Jahren war von anfänglich wenig Wind und dann im zweiten Abschnitt von viel Wind geprägt.

Auf Starkwind kann man sich einstellen, Flaute muss man nehmen, wie sie kommt, und das kann wohl sehr nervtötend sein. Wir nehmen es lieber, so wie es gerade kommt ;-).

Fischfang und Tiersichtungen gab es nur eingeschränkt. Ein weiters Mal wurde uns ein toller Köder samt allem genommen, wird langsam ein teueres Angelvergnügen oder gibt wieder Möglichkeiten weiteren Angelbedarf zu kaufen ;-)). An Sichtungen stehen momentan die fliegenden Fische an erster Stelle.

Sie sind zwischen 5cm und 20cm groß und springen entweder in Rudeln (die Kleinen) knapp über der Wasseroberfläche 20-30 m weit, oder einzeln (die Großen) und legen Strecken von gut 100m zurück. Einer dieser großen Kameraden verirrte sich gestern in unser Cockpit und zwar in dem Moment, als ich den Kopf in die Stb Backskiste stecken wollte um zu klären, was da so klappert. Ein kurzes ZONG und das Viech fliegt mir knapp am Ohr vorbei und schlägt auf der BB Heckbank ein. Ohne sich ernsthaft zu verletzten kann ich ihm direkt die Freiheit wieder schenken und werfe ihn wieder ins Wasser. Den übrigen 5 kleineren Exemplaren, die die Kinder heute Morgen an Deck einsammelten, erging es schlechter, bereits ausgetrocknet können sie maximal noch als Lesezeichen herhalten.

Warum springen oder besser fliegen aber fliegende Fische? Die Kinder befragt kommt heraus:

Torge: „Sie springen aus dem Wasser und fliehen vor Raubfischen.“

Neele: „Na, weil die Natur das so gemacht hat. Vielleicht weil es ihnen einfach nur Spaß macht.“

Lasse: „Entweder des Entkommens Willen oder weil sie so selber auf diese Art und Weise jagen.“

 

Helft uns und schreibt, gern per SMS, was der wahre Grund ist?

 

PS: Olaf, auch dir danke für die gestrige SMS. Allen anderen von heute mit den lieben Adventswünschen auch. Apropos 1. Advent, dieser ist bei uns irgendwie dieses Jahr durchgefallen und ich befürchte, dass es dem zweiten und dritten nicht anders ergehen wird. Ab morgen haben dann die Kinder ihre geliebten Kalender im Einsatz, daher ist der heutige Proteststurm wahrscheinlich auch ausgeblieben ;-). Allen zu Hause eine schöne Vorweihnachtszeit!