Archiv für den Tag: 27. November 2014

Tag 5 – Mittwoch – Blauwal gesichtet, …

der entweichen kann. Eine sehr feine Sache. Wie sich schon in den ersten Testflügen vor Lanzarote herausstellt, steht das Segel von alleine, bedarf wenn es einmal gesetzt ist auch wenig Aufmerksamkeit, und zieht allein schon aufgrund der Größe mächtig an der ANNE. Durchschnittlich 7,5kn konnten wir in den Stunden an Geschwindigkeit verzeichnen. Leider stellte sich jedoch nach ein paar Stunden heraus, dass mein Set Up der Leinen nicht ideal gewählt war. Binnen der wenigen Stunden in denen wir das Segel im Einsatz hatten, scheuerten oder besser schamfielmte wie der Segler zu sagen pflegt, der eine Achterholer, eine sündhaft teuere Leine, durch. Zu eng war das Leinen Set Up um das Vorstag herum, ärgerlich, hätte ich bei ein wenig besserer Planung vermeiden können. So sind wir seglerisch wieder auf unsere Passatbesegelung Groß-only zurückgekehrt und fahren seit dem halt ein bis zwei Knoten langsamer.

Während ich au dem Vordeck in das Leinenspiel vertieft bin, tut sich ein weiterer Höhepunkt des Tages auf. Ein Blauwal umspielt unsere ANNE! Mit seinen ca. 10-15m Länge scheint er noch ein junges Exemplar dieser stark dezimierten Spezies zu sein und zudem noch sehr verspielt. Immer wieder umkreist er uns, schielt uns aus seinem großen Auge von der Seite argwöhnisch an und ist dann plötzlich wieder verschwunden um nach ein paar Minuten wieder aufzutauchen. In Summe geht das gut und gerne eine halbe Stunde so, immer wieder wird sein Auftauchen mit Jubelschreien der Crew beantwortet.

Ein unglaubliches Naturereignis von denen wir uns mehr wünschen. Bislang sind die Sonnenauf- und Untergänge eher bescheiden ausgefallen. Fast durchweg durchfahren wir einen bedeckten Himmel, müssen regelmäßig den Motor anschmeißen um mit der Energie klarzukommen. Einzig am ersten Tag, als die Sonne durchweg schien, geht unser Energiemanagement auf und wir haben Strom im Überfluss.

Auch an der Angelfront geht es in die richtige Richtung weiter. Wenn es uns auch immer noch nicht geglückt ist, einen DICKEN an Deck zu landen, so haben wir wenigstens zwei ordentliche Kämpfe ausgetragen und, aber das schmücken wir hier mal nicht weiter aus, verloren. Fisch Nummer 1 war ein stolzer Brocken, der redlich an der Angel zog, sich nach meinem Dafürhalten der Pfanne auch nicht mehr entziehen sollte. Kurzzeitig konnten wir ihn auch einmal an unser Heckwelle springen sehen, doch dann war es auch wieder einmal um unseren Köder geschehen… .

 

Wie ist es eigentlich so ganz alleine auf dem Atlantik? So gar nicht alleine, zumindest bis jetzt. Wenn auch wir fast keine anderen Segelschiffe sehen, nur ein wenig Berufsschifffahrt, so bekommen wir doch häufig Funksprüche mit. Zwei galten uns: am frühen Vormittag funkte uns Stepke, einer der Einhandselger, nun jedoch mit 3er Crew bis zu den Kapverden unterwegs, an. Wir halten einen netten Plausch, erfahren, dass er durch Treibgut seine Windfahne beschädigt hat und weiter gen Süden abfallen wird.

Alles gute ihr drei, wir sehen uns bestimmt auf der anderen Seite des Atlantiks wieder.

Ein weiterer Funkspruch kommt von der Amazone gegen 20:00 Uhr. ANNE, ANNE, ANNE für die Amazone. Ja hier ANNE – wer seid ihr – Anja und Ingo (UnsereAuszeit.de). Ah, jetzt dämmert es. Anja und Ingo verfolgen unseren Blog und haben bereits einen Kommentar hinterlassen. Sie beide sind ebenfalls auf dem Weg in Karibik bzw. wollen den Nordatlantik umrunden, werden jedoch auf den Kapverden einen Zwischenstopp einlegen. So klein ist also die Welt, und doch irgendwie schön, dass durch das Bloggen auch Personen außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises erreicht werden, die wir dann hier auf dem offenen Atlantik ‚wiedertreffen‘.

Vielen Dank auch allen, die uns schon eine SMS auf das Iridium Telefon über das Kontaktformular geschickt haben. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir ein wenig Infos von außen bekommen. Da wir keine Kurzwelle (Funkgerät mit dem man 1000de Kilometer weit funken kann) mitführen, sind die paar Emails uns SMS eine ganz willkommene Abwechslung an Bord. Leider haben wir noch nicht rausbekommen, wie wir euch zurück schreiben können.