Archiv für den Tag: 2. November 2014

La Graciosa – Hektik im Paradies

Seit zwei Tagen tobt mit kurzen Unterbrechungen ein starker Nordwind und erreicht in Spitzen über 30kn, was 6 Beaufort und damit Starkwind entspricht. Wir haben heute unsere Ankerkette auf 70m erhöht und sollten damit auf Nummer sicher sein, was zumindest unseren Anker angeht.
Leider kann dies nicht für alle Anlieger mit Vertrauen ausgesprochen werden, wir beobachten viele Neuankömmlinge aber auch „Alteingessessene“ die ihren Anker erneut auswerfen müssen. Den Vogel hat der „Fakesegler“ abgeschossen. Lasse hat einem unförmig ausschauenden Motorsegler diesen Namen vergeben. Während des gestrigen Nachmittages konnten wir bestimmt 10-15 Ankerversuche der Crew bei nur ca. 15kn Wind beobachten. Immer wieder wurde der Anker erneut ausgebracht, um dann nach ein paar Minuten das selbige Manöver erneut zu vollziehen. Aus der Ferne betrachtet, hätte es auch ein Ausbildungstörn „Ankern – so gehts!! sein können.
Nachdem Wind gegen Abend wieder auffrischte, war das Ankermanöver des Fakeseglers längst wieder vergessen. Wir hatten den auflauenden Nachmittagswind genutzt, um mit der Triton und der Vida einen ausgiebigen Strandbesuch zu unterhmen. Kurz vor dem zu Bett gehen geschah es dann. Wir hörten ein wildes Motorengejaule, die Vida beschrieb später, dass sie vom Dieselgeruch auf den Fakesegler aufmerksam geworden waren. Der Anker des Fakeseglers war bei zwischenzeitlich 25kn Wind ausgebrochen, so dass er schnurstracks auf die Vida und uns zutrieb. Zum Glück konnte der Fakesegler mittels seines starken Motors (200-300PS) eine Kollision mit der Vida sehr knapp vermeiden. Statt nach dieser Erfahrung nun etwas weiter abseits zu Ankern, entschied sich der Fakesegeler nun erneut vor der Vida den Anker zu schmeißen. Das selbige Spiel wiederholte sich weitere zweimal und raubte damit zunächst die Nerven der Vida/Anne Crew und später auch den so geliebten Schlaf.
Zum Glück hielt der Anker die Nacht über und hat sich auch bis jetzt nicht weiter gerührt. Stattdessen hat sich auf der ANNE was gerührt oder vielleicht auch eher nicht gerührt. Wir fahren ja zur Energiegewinnung zweigleisig. Das heißt, dass wir einerseits mit unseren Solarpanelen andererseits mit unserem Windgenerator Strom erzeugen. Selbiger regelt sich bei zunehmenden Wind selbständig ab, oder soll dies tun. Mittels einer intelligenten Verteilung der Masse in den Flügeln, entsteht durch hohen Windeinfall und damit hohe Geschwindigkeit an den Flügeln ein Gegendrehmoment, welches den Windprop selbst bei 12 Windstärken abbremst. So soll vermieden werden, dass er sich selbst durch zu hohe Ströme zerstört. Wie so oft, hat hier heute mal was nicht geklappt. Plötzlich riechen einen Brandgeruch und stürzen instinktiv in den Salon. Ofen aus, keine Platte im Gebrauch. „Dort!“, schreit Lasse und zeigt auf den Sicherungsschrank aus dem Rauch entweicht. Ich stürze zu den Batterieschaltern und unterbreche jeglichen Strom an Board. Schnell wird der Sicherungsschrank aufgeschraubt und das ganze Schlammassel kommt zum Vorschein. Die Sicherung des Windprops ist samt Fassung durchgeschmort. Besser gesagt, ist nicht die Sicherung geschmolzen, sondern nur die Fassung drum herum. Unglaublich, dass muss erstmal verdaut werden, nicht auszudenken wir wären am Strand gewesen… .

Aufgrund der starken Böen haben wir uns auch den Weg zum Strand gekniffen. Eine kurze Fahrt zur Vida zeigte, dass heute besser eine Dinghi Pause angebracht ist. Die 50m zur Vida reichten, um mich von oben bis unten vollständig zu duschen. Danke das reicht vorerst, bin nicht scharf darauf auszuprobieren, ab wann das Dinghi mit mir abhebt ;-).
Die Kinder nehmen es gelassen und genießen die Bastelzeit.
So werden u.a. anderem Vulkane aus Kaffefiltern und Papier gebastet. Auch Open 60 – der Volvo Ocean Racer – den wir in Porto Calero im Hafen bestaunen konnten, hat es den Kindern angetan. Schon mächtig, was sie so nebenbei an Segelgarn aufgeschnappt haben. Von Spinaker- und Genakerkursen und Fluchten vor Hurrikans ist zu hören. Ferner freut die detailgetreue Ausarbeitung der Schiffe samt Genua, Doppelruderanlage, Racekiel, Angelgaff und UKW Antenne.

In der Hoffnung das der Wind morgen etwas abflaut und wir diese Nacht etwas ruhiger schlafen können, gehen wir in den Abend. Es soll Pizza geben, und auch die Brötchen für morgen werden schon wieder vorbereitet.

Für Dienstag steht die Fahrt nach Arrecife an. Dort wartet viel Arbeit auf uns. Eine lange Arbeitsliste von gut 25 Punkten (angefangen von Pflegemaßnahmen wie Rumpfbehandlung, Detailtunings, unser Dinghi soll schneller gleiten und weiterem) muss angegangen werden. Die heutige Sicherungsthematik ist damit Punkt Nr. 26 ;-(.

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