Archiv für den Monat: Oktober 2014

Marina Lanzarote – aber wer will schon Mariana?

Die Tage vergehen momentan wie im fluge. Zum einen ist das gute Wetter schuld und begrenzt aktive Tätigkeiten auf den Morgen und den späten Nachmittag. Von zwei bis fünf machen wir Siesta, warum Arbeiten wenn doch der Spanier es vormacht, wie es hier zu laufen hat.
Zum anderen reicht der Tag kaum, um uns darüber zu freuen, was wir doch schon wieder geschafft haben ;-).

Die Marina wurde erst gestern mit viel tam tam eröffnet. (Dj, Live Konzert sowie ein Feuerwerk). Auf den letzen Metern wurde tatsächlich noch alles relevante fertiggestellt, so dass das Wochenende ausgelassen gefeiert werden konnte. Das der Spanier gerne laut und häufig feiert, haben wir ja schon in Galizien feststellen können. Wir wurden auch hier nicht enttäuscht.
Während es uns tagsüber durch einen Strandgang gelang dem Trubel für ein paar Stunden zu entkommen, so war in der Nacht kein Entkommen mehr. Ohne Erbarmen hämmerte die gefühlt 100.000 Watt starke Bühne bis 3 Uhr morgens einen Hit nach dem anderen. Da wir mitten zwischen zwei Bühnen unseren Platz haben, konnten wir erstmalig zweistimmigen unsynchronisierten Lärm erfahren.

Großes Highlight sind die vielen Kinder am Steg. Nachdem die Kinder ausgiebig mit Triton Lotta gespielt hatten, bemerkten sie das Nachbarboot u.a. mit einer 5-köpfigen Kindercrew. Fortan werden die Schiffsgrenzen etwas weiter abgesteckt. Das gegenseitige Kennenlernen geht nun schon sehr schnell und effizient von statten. Neele kommt nach ein paar Stunden zurück: „wir gehen an den Strand, Mama, wir sind jetzt Freunde“. Aufgrund unser nahenden Abreise, haben die Kinder kurzerhand die Schlafparty vorgezogen. In ANNEs Salon und Kojen schlafen nun Mittlerweile 6 Kinder ;-).
Ronja, ich kann dich beruhigen, Torges Damenbesuch ist nichts ernstes ;-).

Die nächsten Tage geht es wieder nach Graciosa in die Ankerbucht, genug von Marina im allgemeinen. Wir wollen Sterne, Strand und Sonne für uns allein! Da sind wir ausnahmsweise mal nicht kompromissbereit ;-)).

Anekdote am Rande: Auf der Herfahrt von Graciosa hatten wir wahrlich eine dicken Fang am Haken. Ein Hobi Cat querte unseren Fahrweg. Begeistert winkten Neele, Torge und der Skipper dem heranrauschenden Segler bewundernswert zu, als Lasse plötzlich schrie: „die Angeln..!!!“. Doch zu spät. Im selben Moment hörten wir das metallische Geräusch von Angelgeschirr und Wanten. Vielleicht rettete uns oder vielmehr den Katfahrer die geistesgegenwärtige Halse, vielleicht hatten wir allesamt auch einfach nur Glück. Sowohl die Segel des Katamarans als auch da Angelgeschirr blieb unversehrt, so dass es als ‚muss man kein zweites mal erleben, aber einmal schon‘ in unseren Köpfen in Erinnerung verbleiben wird. ;-)))

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La Graciosa – kneif mich mal

Auch die letzten 50sm haben wir entspannt genommen und liegen die letzten zwei Tage mit 15 weiteren Schiffen vor Anker in der bezaubernden Bucht vor La Graciosa. Trotz Anmeldung oder besser zum Glück war der Hafen bereits voll, so dass uns die Entscheidung zum Ankern leicht gemacht wurde.
Graciosa ist eine wunderbare kleine Lanzarote vorgelagerte Insel, die aus Strand, einem Vulkan und sonst nicht viel mehr besteht, zumindest haben wir bisher nicht mehr gesehen. Das war nach der herrlichen 48-stündigen Überfahrt von Madeira aber auch nicht nötig. Die Kanaren empfangen uns von ihrer besten Seite, 25 Grad warm und schwach windig. Das Meer um uns herum ist warm, kristallklar und sauber. Es schreit förmlich „springt in mich herein“.

Mit dem Beiboot und dem Schnorchelequipement ausgestattet entdecken wir den Strand und das seichte Wasser. Kann das alles wahr sein fragen wir uns immer wieder, sind wir wirklich bis fast nach Afrika gesegelt?

Unbeschwerte Momente verbringen wir an Bord, am Strand und natürlich im Wasser. Zusammen mit Antoine Clemence und ihren bezaubernden vier Jungs von der Vaanui (www.inspirations-levoyage.com) ersteigen wir den Krater des Vulkans. In den Abendstunden sitzen wir zusammen an Deck der ANNE und versuchen den klaren Sternenhimmel in uns aufzusaugen.
Weiterfahren oder hier auf der Insel verweilen? Wir wollen und müssen weiter. Für Ende Oktober hat sich Besuch angekündigt, Anika wird uns für ein paar Tage besuchen kommen. Vorher müssen noch ein paar Dinge in Arrecife erledigt werden. Während der Überfahrt hat sich unsere e-Toilette mal wieder verabschiedet. Wir konnten auf unser Backup im Vorschiff zurückgreifen, was jedoch zur Folge hatte, dass nun sämtlicher Stauinhalt (50kg Mehr, 20kg Nudeln etc.) derselben, wenig ideal im Vorschiff verteilt ist. Ferner bekommen wir zwei neue Segel und haben einige Wartungs- und Pflegearbeiten am Schiff zu erledigen.

Somit sind die Tage schon jetzt arbeitsreich verplant. Dennoch werden wir es ruhig angehen und Zeit für unsere Freunde von der Triton (missesrobinson.com) haben. Gunnar und Susan haben ihre Reiseplanung angepasst und sind bereits seit ein paar Wochen auf den Kanaren. Zusammen wollen wir den Atlantik rocken!

Morgen in der Marina folgen ein paar Bilder dieser tollen Insel.

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50sm vor Graciosa

Es ist kurz nach vier Uhr früh. Nette hat mich die ganze Nacht schlafen gelassen. Entgegen unseres sonst üblichen Wachrhythmus bei dem ich meist gegen 0:00 Uhr Nette ablöse, habe ich die letzten zwei Nächte bei der Überfahrt von Madeira nach Graciosa, einer vor Lanzarote vorgelagerten Insel, richtig viel Schlaf bekommen. Die Strecke zwischen den beiden Inseln umfasst ca. 270sm. Eine Distanz die uns noch vor ein paar Wochen mächtig Respekt verschafft hätte. Seit der Biskaya Überquerung (370sm) und nicht zuletzt natürlich auch nach der Überfahrt von Lissabon nach Porto Santo (470sm) haben diese langen Strecken ihr „erstes Mal“ verloren. Wir können nun sehr gut einschätzen was uns erwartet und es ist fast einfacher, wenn man gedanklich die Kopfuhr „wann kommen wir an, wie viele Meilen sind es denn noch“ ausgeschaltet hat. Bei jedem Tagestörn ob in der Ostsee oder zB auch bei der kurzen 30sm langen Überfahrt von Porto Santo nach Madeira fängt irgendwann das Kleinhirn an zu fragen:“Kleinhirn an Großhirn- wie lange denn noch!“, gerne auch vorher mal eines der Kinder ;-).

Auf dem Atlantik ist alles anders. Wir haben am Tage unseren Plotter (Navigationseinrichtung im Cockpit) ausgeschaltet, um Strom zu sparen. Seit verlassen von Madeira haben wir in den ersten 24h Stunden in denen wir 140sm gesegelt sind, bis auf das Segelschiff, welches mit uns den Hafen verlassen hat, kein weiteres Schiff identifizieren können. Die Winde sind uns gut gesonnen und kommen mit 15-20kn schön von achtern. Teilweise nur unter Großsegel, während der letzten 10 Stunden bei nachlassendem Wind wieder unter Vollzeug, rauschen wir nur so dahin. Während die ersten 24 Stunden eine 2m hohe querlaufende Welle uns unentwegt durchschüttelte, so sind diese Wellenberge mit nachlassenden Winden fast gänzlich verschwunden. Die Oberfläche gleicht eher einer glatt polierten Rennpiste, die ab und an von langen Hügeln durchzogen ist. Bis auf das vereinzelte Schlagen und Knarren des Grossbaums, ich hätte ihn besser vor Abfahrt noch mal schmieren sollen, ist nur das Säuseln manchmal Rauschen des Wassers zu vernehmen. So wie jetzt gerade, springt der Wind manchmal von 6kn auf 10kn an und ANNE setzt dieses mehr sofort in Geschwindigkeit um, einfach klasse. Rasch erreicht sie wieder 6,5kn und zaubert damit ein Lächeln auf das Gesicht des Schiffsführers, der Rest der Mannschaft schläft ja und kriegt von diesen Glücksmoment nichts mit.
In vielen Berichten lasen wir, dass das Schlafen in den Kojen nur bedingt möglich sei. Wellen würden einen hin und her werfen das Geschirr in den Schränken unentwegt klappern. Ich kann das nicht bestätigen. Wir haben keinerlei Geschirrtücher in die Schränke gestopft, um das Klappern zu eliminieren, noch haben wir Kissenberge zum Verkeilen beim Schlafen in Stellung gebracht. Ein oder zwei Kinder schlafen im Salon auf der fast 2m breiten Liegefläche und Neeli schafft es schon seit je Beginn der Reise sich auf den Cockpitbänken zu halten und zu schlafen. Kurzum, jeder findet seinen erholsamen Schlaf, gerne auch mal 10 bis 12 Stunden.

„Irgendwie ist die Überfahrt von Porto Santo nach Madeira anstrengender gewesen“, sagt Nette zu mir, als wir den Sonnenuntergang am Abend zuvor zusammen genießen. Recht hat sie, auch mir geht es so. Jeder ungünstige Winddreher, jede Welle wird als „ungünstig“ und Zeitplan verlängernd wahrgenommen. Nicht so auf den längeren Strecken, man nimmt die Bedingungen wie sie kommen und stellt sich darauf ein. Mal läuft das Schiff vier Knoten, dann eben wieder sechs Knoten. Die Ankunftszeit wird nur grob überschlagen – kommen wir im Hellen an?- na dann passt es.

Die einzigen Wermutstropfen die wir hinnehmen müssen sind die ausbleibenden Walsichtungen und den fehlenden Fischfang. Bis auf einen kurzen Besuch den uns ca. 10 Delfine abstatten und ein paar Vögel haben wir keine weiteren Tiere ausmachen können. Auch beim Fischen ist das Glück nicht auf unser Seite. Bis auf einen Biss, der gleich Schnur und Köder mitnahm, haben wir leider nichts an unseren zwei Haken die wir mitschleppen fangen können.“Wenn wir in die Karibik fahren und wenn ich dann nichts fange, dann höre ich mit dem Angeln auf!“ teilt Lasse heute tagsüber mit. Verstehen kann ich ihn, nur zu gern würde auch ich eine schöne Goldmakrele fangen und diese Delikatesse auf dem Grill zubereiten wollen.

Nette Geschichte von vorhin gegen 20:00 Uhr. Auf Kanal 16 hören wir die Stimme einer Seglerin „Vessel in Position 30,5 Grad Nord 14,5 West for Sailing Vessel xy“. Nach zweimaligem Wiederholen greife ich zur Funke und versuche zu klären ob wir gemeint sind, was wir jedoch nicht sind, da wir uns einige Meilen weit entfernt befinden. Statt dessen meldet sich der Kapitän eines Berufsschiffes und führt die Unterhaltung fort. „I think it’s me you are calling!“
Seglerin: „oh great, can you see me?“
Kapitän: „Yes I can see you, you are a mile ahead of us, there is plenty of space“
Seglerin: „oh great, it’s just you are sooo big…“
Kapitän: „yes I know, don’t care, I can see you on the radar and keep an eye on you!“
Seglerin:“ ok thank you, over“
Kapitän: „you are welcome, over“

😉

Nur noch 45sm sagt das iPad, wie klein man sich doch am Rande des Atlantiks fühlt. Der nächste feste Boden ist 3000m entfernt, unter uns. Fair Winds!

;-))