Archiv für den Tag: 27. September 2014

Nazare/Peniche/Oeiras – Downhill up and down

In den letzten Tage hatte sich der Stau der südlich segelnden Wandervögel endlich aufgelöst. „Scharen“ von Crews waren aufgrund der ungewohnt langanhaltenden südlichen Windwetterlage die letzten Tage an der spanischen und portugiesischen Küste in der Weiterfahrt behindert worden. In Blogeinträgen von befreundeten Crews sowie durch die eigenen Erfahrungen konnten wir den „Ernst der Lage“ hautnah miterleben. Anstatt gegenan zu kämpfen, hatten wir stattdessen die durchwachsenen Wettertage genutzt, um an Bord der ANNE das Spielen von Gesellschafts- und Kartenspielen wiederzubeleben, sowie in den meist trockenen Nachmittagsstunden den nahen Strand von Figueira zu besuchen und dort das Wellenspiel zu bestaunen. Hatten die Wellenberge an den ersten Tagen ein Baden noch unmöglich gemacht, so trauten wir uns am dritten Tag wenigstens in die auslaufenden ufernahen Wellen und spürten ein wenig die Kraft des Atlantiks. Glücklicherweise unterstützen uns die beiden englischen Schiffe mit ihren Kindern bei unserem Strandgängen, so dass in gemeinsamen Kitesessions oder Dünnensprungübungen die Zeit intensiv und abwechslungsreich verlief.
Irgendwann war es dann so weit und beide befreundeten Schiffe nutzen die erste Möglichkeit um weiter Kurs gen Süden zu machen. Wer könnte es ihnen verdenken, dass nach 14 Tage in einem Hafen endlich die Weiterfahrt herbeigesehnt wurde. Mit etwas Wehmut und schweren Herzens verabschiedeten wir beide Crews am letzen Wochenende und waren alle etwas bedröppelt, dass die gemeinsame Zeit vorerst ein Ende hat.

ANNE und Crew war noch bis Dienstag an den Hafen ‚gekettet‘ da wir ein wichtiges Heim-Care-Paket erwarteten. Als dieses dann eintraf, konnten wir die Leinen loslegen. Den Abend zuvor verbrachten Mandy und Franco von der Froesis noch bei uns an Bord. Ein sehr schöner Abend und Kontakt der jedoch auch durch unsere Abreise geschieden wurde.
Im Kreise der Fahrtensegler wird häufig von einer großen Cruiserfamilie gesprochen, und auch wir haben dieses Gefühl der Verbundenheit häufig schon auf unser jungen Reise erlebt. Man trifft „Fremde“ gleich welcher Nationalität, kommt ins Gespräch, verabredet sich spontan und tauscht Wissen, Ideen, Täume und Realitäten unter einender aus. Dieser selektive, intuitive und immer berührende Austausch hat etwas verbindliches, fast familiäres. Man passt auf sich auf, nimmt das neue Schiff in die virtuelle Familie auf und verfolgt fortan das Weiterkommen auf MarineTraffic.de sowie etwaige Blogeinträge. Ein späteres Wiedertreffen löst bei Kindern wie Eltern ein Grinsen bzw. Vorfreude aus: „Komm wir gehen mal zu den Tritons ;-)“

„Können wir bei Euch längsseits festmachen“, schallte es im besten sächsisch vorgestern über die Reling. Wenn das nicht die Froesies sind…! Tatsache, während wir uns nach Erhalt des heimischen Päckchens bereits am Dienstag auf den Weg nach Nazere -einem Hafen den wir gerne mit Ausnahme von Peter aus Tönning aus unserem Gedächtnis streichen wollen- machten und sicherlich einen wenn nicht den schönsten bisherigen Segeltag auf See verlebten, fuhr die Froesie erst einen Tag später los. Wie sich bei einem späteren Glas Wein im Salon der Froesie herausstellte, hatten Mandy und Franco nach einem Tag Fahrt von ihrem Plan Abstand genommen direkt von Figueira nach Porto Santo (Madeira) zu fahren. Die herbe Welle und der abflauende Wind empfahl sich einfach nicht zur Weiterfahrt. Auch unser Plan hatte sich derweil geändert. Noch geschockt von Nazere (Fischerhafen mit geschätzt einer Millionen Möven die unsere schöne blaue ANNE umkreisten) und motiviert vom Vortag wollten wir die lässigen 70sm ‚in one schlucken‘. Tatsächlich zählte auch dieser Tag zu einem der bisher schnellsten. Nachdem wir um 7:30Uhr den Hafen verließen, erreichten wir das ca 22sm entfernte Peniche bereits um 10:30 Uhr. Auch wenn der Wind mir 5 Bfd nicht stark war, so würfelten die quereinsteigenden Wellen uns doch derartig durch, dass der tapfere Skipper nach erstmaliger Begutachtung der Aussenhülle entschied, „hier wird Stop gemacht!“. Völlig wider erwartend stellte sich Peniche als lohnendes Ziel heraus, welches einen Zwischenstopp allemal wert ist. Nachdem der frühe Abend -wir hatten uns allesamt bereits um 20:00 Uhr zu Bett gelegt- mit einem „Können wir bei Euch längsseits festmachen“ eine ungeplant schöne Wandlung nahm, ließen wir denselbigen zusammen im Salon der Froesies ausklingen.
Gemeinsam nahmen wir am nächsten Tag die verbleibenden 45sm bis Lissabon in Angriff. Schwache Winde machten den Einsatz unseres Motors zunächst erforderlich. Reicher Fischfang sowie der Biss und Abbiss eines großen Fisches machten die restlichen gesegelten Meilen zum Genuss.

Von den Eindrücken der hervorragenden Marina Oeiras (Brötchen ans Schiff, Schwimmingpool und Kinderbetreuung inklusive) später mehr.

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