Archiv für den Monat: September 2014

Lissabon – Oeiras die beste Marina bisher

Oeiras wird uns lang in guter Erinnerung bleiben. Die Marina hat sich offensichtlich das Ziel gesetzt- die attraktivste unter den fünf hier ansässigen Marinas rund um Lissabon zu sein. Neben dem superfreundlichen Personal, das einem jeglichen Wunsch von den Lippen abliest, kann die Marina als Highlights einen kostenlosen Brötchenservice, einen riesigen Swimmingpool, Waschmaschinen für nur 1,5€ pro Ladung, eine kostenfreien Shuttleservice zum Supermarkt und Bahnhof, sowie zeitweise eine Kinderbetreuung bieten. Eifach ’super Edeka geil‘!
Wir haben zusammen mit Sandro, einem perfekt Deutsch sprechenden Geschichtslehrer, eine Fahrt in die Stadt unternommen und das Oceaneum besichtigt. Sehr sehenswert und lohnt sich auf jeden Fall, da es sich auf dem alten Expogelände befindet.

Hier in Lissabon ist jedes zweite Schiff ein Fahrtensegler mit ferne Zielen. Auch wir treffen immer wieder bekannte Schiffe und verbringen schöne gemeinsame Stunden. Ob am Pool, beim Schoppen im wahrscheinlich besten Angellanden Portugals oder ganz banal bei einem Glas Wein auf einem der Schiffe. Noch stimmt die Bordkasse und auch die infrastrukturelle Versorgung mir Supermärkten könnte nicht besser sein ;-).

Doch morgen werden wir uns aus dieser Komfortzone lösen. Nachdem wir das Schiff heute in einem Kraftakt klariert (drei Wäschen gewaschen, Brot gebacken und Vorproviantiert, Satellitentelefon getunet, Wasser und Diesel hebunkert, Winschen gefettet, Rigg gecheckt) haben, werden wir morgen die Segel mit Ziel Porto Santo hissen.

Die Tage werden hier kälter und die Wellenreitelite hat sich ab dem 13.10. für 14 Tage in Casceis / Nazare zum Bilabong Surf World Cup angemeldet. Es muss einen Grund haben, dass diese sonnen- und Wellenverwöhnten Surfer hier im Herbst nach Portugal einfallen – und ganz ehrlich, wir möchten diesen nicht unbedingt näher mit unserem Schiff kennenlernen.

Somit liegen ab morgen ca. 480sm vor uns, länger als wir bisher je gesegelt sind. Nicht in einer Woche und schon gar nicht am Stück. Der Wind steht günstig, so dass wir hoffentlich am Donnerstag in Porto Santo auch ankommen werden, vorausgesetzt wir treffen die Insel im Atlantik. Wer Lust hat uns zu folgen, kann dies unter dem Reiter Position tuen. Alle paar Stunden aktualisieren wir dort unsere Position per Satelliten-Tracker. Also Daumen drücken für eine gute Überfahrt mit hoffentlich reichlich Fischfang!

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Hallo 5. Klasse Gymnasium Lehrte

Baiona, 8.9.2014

 

Hallo fünfte Klasse,

für Euch beginnt  die erste Schulwoche am nächsten Freitag und  Ihr stellt Euch sicher erst einmal vor. Ich stelle mich Euch mit einem Bief vor, weil ich auf Atlantiktour bin.

 

Ich heße Lasse, bin 10 Jahre alt und komme aus Steinwedel. Meine Freizeit verbringe ich mit Fußball und Pfadfindern. Ich schreibe Euch heute diesen Brief, weil ich in diesem Schuljahr nicht bei Euch sein kann. Zusammen mit meiner Familie bin ich auf einer einjährigen Atlantiktour mit einem Segelboot.

Ich fragt Euch sicher, wie ich auf dem Segelboot lerne. Ich lerne mit meinem Vater wenn die See ruhig ist, wenn wir Ankern oder im Hafen liegen. Jetzt verbringe ich meine Freizeit mit dem Angeln. Ich habe schon Makrelen, Meereschen, Doraden und Hornhechte gefangen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr Euch mal melden könntett. Auf unserem Blog könnt ihr uns verfolgen und uns eine Nachricht schreiben.

 

Euer Lasse

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Nazare/Peniche/Oeiras – Downhill up and down

In den letzten Tage hatte sich der Stau der südlich segelnden Wandervögel endlich aufgelöst. „Scharen“ von Crews waren aufgrund der ungewohnt langanhaltenden südlichen Windwetterlage die letzten Tage an der spanischen und portugiesischen Küste in der Weiterfahrt behindert worden. In Blogeinträgen von befreundeten Crews sowie durch die eigenen Erfahrungen konnten wir den „Ernst der Lage“ hautnah miterleben. Anstatt gegenan zu kämpfen, hatten wir stattdessen die durchwachsenen Wettertage genutzt, um an Bord der ANNE das Spielen von Gesellschafts- und Kartenspielen wiederzubeleben, sowie in den meist trockenen Nachmittagsstunden den nahen Strand von Figueira zu besuchen und dort das Wellenspiel zu bestaunen. Hatten die Wellenberge an den ersten Tagen ein Baden noch unmöglich gemacht, so trauten wir uns am dritten Tag wenigstens in die auslaufenden ufernahen Wellen und spürten ein wenig die Kraft des Atlantiks. Glücklicherweise unterstützen uns die beiden englischen Schiffe mit ihren Kindern bei unserem Strandgängen, so dass in gemeinsamen Kitesessions oder Dünnensprungübungen die Zeit intensiv und abwechslungsreich verlief.
Irgendwann war es dann so weit und beide befreundeten Schiffe nutzen die erste Möglichkeit um weiter Kurs gen Süden zu machen. Wer könnte es ihnen verdenken, dass nach 14 Tage in einem Hafen endlich die Weiterfahrt herbeigesehnt wurde. Mit etwas Wehmut und schweren Herzens verabschiedeten wir beide Crews am letzen Wochenende und waren alle etwas bedröppelt, dass die gemeinsame Zeit vorerst ein Ende hat.

ANNE und Crew war noch bis Dienstag an den Hafen ‚gekettet‘ da wir ein wichtiges Heim-Care-Paket erwarteten. Als dieses dann eintraf, konnten wir die Leinen loslegen. Den Abend zuvor verbrachten Mandy und Franco von der Froesis noch bei uns an Bord. Ein sehr schöner Abend und Kontakt der jedoch auch durch unsere Abreise geschieden wurde.
Im Kreise der Fahrtensegler wird häufig von einer großen Cruiserfamilie gesprochen, und auch wir haben dieses Gefühl der Verbundenheit häufig schon auf unser jungen Reise erlebt. Man trifft „Fremde“ gleich welcher Nationalität, kommt ins Gespräch, verabredet sich spontan und tauscht Wissen, Ideen, Täume und Realitäten unter einender aus. Dieser selektive, intuitive und immer berührende Austausch hat etwas verbindliches, fast familiäres. Man passt auf sich auf, nimmt das neue Schiff in die virtuelle Familie auf und verfolgt fortan das Weiterkommen auf MarineTraffic.de sowie etwaige Blogeinträge. Ein späteres Wiedertreffen löst bei Kindern wie Eltern ein Grinsen bzw. Vorfreude aus: „Komm wir gehen mal zu den Tritons ;-)“

„Können wir bei Euch längsseits festmachen“, schallte es im besten sächsisch vorgestern über die Reling. Wenn das nicht die Froesies sind…! Tatsache, während wir uns nach Erhalt des heimischen Päckchens bereits am Dienstag auf den Weg nach Nazere -einem Hafen den wir gerne mit Ausnahme von Peter aus Tönning aus unserem Gedächtnis streichen wollen- machten und sicherlich einen wenn nicht den schönsten bisherigen Segeltag auf See verlebten, fuhr die Froesie erst einen Tag später los. Wie sich bei einem späteren Glas Wein im Salon der Froesie herausstellte, hatten Mandy und Franco nach einem Tag Fahrt von ihrem Plan Abstand genommen direkt von Figueira nach Porto Santo (Madeira) zu fahren. Die herbe Welle und der abflauende Wind empfahl sich einfach nicht zur Weiterfahrt. Auch unser Plan hatte sich derweil geändert. Noch geschockt von Nazere (Fischerhafen mit geschätzt einer Millionen Möven die unsere schöne blaue ANNE umkreisten) und motiviert vom Vortag wollten wir die lässigen 70sm ‚in one schlucken‘. Tatsächlich zählte auch dieser Tag zu einem der bisher schnellsten. Nachdem wir um 7:30Uhr den Hafen verließen, erreichten wir das ca 22sm entfernte Peniche bereits um 10:30 Uhr. Auch wenn der Wind mir 5 Bfd nicht stark war, so würfelten die quereinsteigenden Wellen uns doch derartig durch, dass der tapfere Skipper nach erstmaliger Begutachtung der Aussenhülle entschied, „hier wird Stop gemacht!“. Völlig wider erwartend stellte sich Peniche als lohnendes Ziel heraus, welches einen Zwischenstopp allemal wert ist. Nachdem der frühe Abend -wir hatten uns allesamt bereits um 20:00 Uhr zu Bett gelegt- mit einem „Können wir bei Euch längsseits festmachen“ eine ungeplant schöne Wandlung nahm, ließen wir denselbigen zusammen im Salon der Froesies ausklingen.
Gemeinsam nahmen wir am nächsten Tag die verbleibenden 45sm bis Lissabon in Angriff. Schwache Winde machten den Einsatz unseres Motors zunächst erforderlich. Reicher Fischfang sowie der Biss und Abbiss eines großen Fisches machten die restlichen gesegelten Meilen zum Genuss.

Von den Eindrücken der hervorragenden Marina Oeiras (Brötchen ans Schiff, Schwimmingpool und Kinderbetreuung inklusive) später mehr.

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