Archiv für den Monat: August 2014

Vigo – eine Stadt mit vielen Gesichtern

Keine 24h ist es her und die Eindrücke können nicht verschiedener sein. Isla Ons hat uns erneut mit tollem Wetter und genialer Natur beeindruckt. Aufgrund unser auslaufenden Ankergenehmigung sowie der sich ankündigenden Wetterverschlechterung, haben wir am gestrigen Morgen den Anker gelichtet mit Ziel Vigo. Vigo war seit unser Ankunft in La Coruna von vielen als absolut sehenswert beschrieben worden. Der Reiseführer hatte uns auf eine Industriestadt eingestimmt, bei der primär die maritimen Genüsse wie Austern im Vordergrund stehen. Letzteres ist der Eindruck, der sich auch bei uns verfestigt hat.

Vigo hat vier Marinas, von denen wir uns die östlichste – Punta Lagoa- am Rande der Stadt ausgesucht haben. Zuvor hatten wir bereits die Marina von Cangas sowie den vorgelagerten Strand von Cangas angelaufen, mussten jedoch einsehen, dass es keine idealen Plätze zu diesem Zeitpunkt sind. Vom Hafen Cangas ertönte bereits von weitem – genau – Kirmesgedröhne. Danke, die spanischen Kirmes haben wir bereits intensiv erfahren, daher der Versuch die Nacht vor Anker am Rande der Stadt zu bleiben. Aufgrund des zwischenzeitlich zunehmenden Windes (ca. 20kn) sowie dem sich aufbauenden Swell entschieden wir weiter in eine der nahen Marinas in Vigo zu fahren. Unsere Marina liegt am Rande der City, ein Reinspazieren ist zu weit. Dennoch liegt sie insoweit günstig, als das sich unweit neben ihr eine beeindruckende Bucht „Ensenada de San Simon“ auftut. Die Bucht ist von einer Autobahnbrücke überspannt, welche der Golden Gate Bridge zumindest auf den ersten Blick ähnlich ist. Vielleicht werden wir uns morgen dorthin aufmachen, sofern sich eine Wetterbesserung einstellt. Zurzeit und das ist wirklich beeindruckend, sehen wir nämlich weder Vigo, den vorgelagerten Nationalpark Cies für den wir für Freitag bereits reserviert haben, noch die besagte Brücke vor der Ensenada de San Simon.

Was sonst noch passiert ist, ist schnell erzählt. Lasse hat den bisher größten Fisch der Reise – einen ca. 60cm langen Hornhecht – gefangen, wir haben Wolfgang und Waltraud dank MarineTraffic wieder in der Marina getroffen, weitere Schultage haben stattgefunden und die Ersatzteile für unser Bord-WC sind auf dem Weg nach Baiona und damit zu uns.

Ferner sind wir durch Zufall auf die u.a. Stellenausschreibung gestoßen und möchten diese hiermit kundtun. Gute Lehrkräfte sind scheinbar auch in Spanien Mangelware.

*** WANTED – SAILING TEACHER FOR OUR THREE WONDERFUL KIDS ***

Sie sind:
– grenzenlos belastbar
– verfügen über göttliche Ruhe
– können Pferde zum Fliegen motivieren
– kümmern sich mit stoischer Ruhe um die verzweifelten Eltern

Wir bieten:
– ein völlig überladenes Schiff
– 1,5qm Platz zum Leben
– Null Privatsphäre
– frische Luft und Sonnenschein

Ernst gemeinte Anfragen vermitteln wir gerne an die völlig verzweifelten Eltern, die uns sehr am Herzen liegt.

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Isla Ons – Maritimer Nationalpark Galiziens

Mehr als drei Woche sind wir nun schon in Spaniens Norden Galizien, und wir haben bislang wirklich keinen Tag bereut, dass wir während dieser Zeit erst ein paar dutzend Meilen gen Süden zurückgelegt haben. Etwas Wehmut kommt allerdings schon auf, wenn wir den Schiffen der European Odyssey via MarineTraffic.de online nachschauen. Die kurze Zeit war sehr intensiv zusammen, wir erinnern uns gerne an die gemeinsamen Wiedersehen in London, Cherbourg oder ganz besonders La Coruna. Wie in einer großen Familie freuten wir uns über die jeweilig erreichten Etappen und tauschten die Erlebnisse aus.
Nun sind wir auf die die Onlineberichterstattungen angewiesen, welche jedoch eine stabile Datenverbindung voraussetzen. Zurzeit besteht diese nicht, ich haushalte mit unserem 150MB Wochen-Budget, welches uns der Premiumprovider Aldi-Talk in der europaweiten Flatrate zur Verfügung stellt. Im Verhältnis zu den längeren Seeetappen die uns noch bevorstehen eine gute Eingewöhnung. Sobald wir das Handynetz wieder für ein paar Tage verlassen, voraussichtlich Ende September auf dem Sprung nach Madeira/Porto Santo), wird allein die dünnbandige Satelliten Funkverbindung unsere Nabelschnur nach ‚draußen‘ sein.
Bevor wir uns jedoch diesem Martyrium unterwerfen, genießen wir erstmal noch ein wenig weiter den Norden Spaniens, zurzeit vor Anker in der zweiten Nacht, unweit der Insel Ons. Ons gehört zu den vier Inselgruppen vor der Küste Galiziens die als Nationalpark ausgewiesen sind. Nationalpark heißt auch in Spanien, dass die Natur vor Lärm und Verschmutzung geschützt werden soll. Die Besichtigung und auch das Ankern ist nur mit einer gültigen Erlaubnis zulässig, was jedoch problemlos mit einem Onbord Drucker und ca. einer Woche Vorlauf machbar ist. In dem per Email zugestellten offiziellen Dokument ist eine genaue Befahrensanweisung enthalten, was erlaubt und was verboten ist. Trotz aller Vorschriften scheint das Abschießen von großkalibrigen Silvesterraketen oder der Einsatz von Jetskis kein Problem zu sein. Selbige kann man ganztägig an den Wochenenden bewundern. Wie auch schon an gefühlt fünf anderen Orte, feiern die Spanier lautstark einen der vielfältigen Heiligen oder vielleicht auch einfach nur, dass es Sonntag ist. Das gestrige Feuerwerk war auf jeden Fall wieder Klasse, alle Hochacht, speziell mitten im Naturschutzreservat. Abgesehen von derartige Beobachtungen ist es hier einfach wunderschön. Die Nächte sind sternenklar und vergleichbar mit denen von der Biskaya. Bis auf das Signalleuchten des nahen Leuchtturms, dringt kaum Licht hierhin.

Wir haben jedenfalls die Ruhe vor dem Andrang der Wochenendgäste genutzt und haben bereits am Morgen mit dem Beiboot übergesetzt. Ein menschenleerer Strand und ein ebenso leerer Wanderwege waren die Belohnung für das frühe Aufstehen. Der Tag verlief mit Angeln, Schnorcheln und Backen weitestgehend hervorragend, was vielleicht auch auf das entschlankte Schulprogramm zurückzuführen ist. Bis auf die Hausaufgaben vom Vortag, wurden die heutigen Stunden aufgrund von Hitzefrei gestrichen.

Apropos hitzefrei – seit nahezu 8 Wochen haben wir wieder mal unser Biminiverdeck über dem Cockpick aufgemacht. Zum einen haben wir das Cabrio Feeling vermisst, zum anderen wollte ich gerne mal sehen ob unser Energiekonzept auch nur mit einem Solarpanel so gut aufgeht. Seit dem wir London verlassen haben, sind wir nicht mehr an den Landstrom gegangen, sondern haben unseren Bordstrom fast ausschließlich regenerativ erzeugt. Abgesehen von den Stunden in denen der Motor läuft, speisen unsere Solar Panele und und unser Windgenerator den Strom in die Batterien ein. Einzig beim warmen Wasser müssen wir uns etwas einschränken, dies gibt es jeweils nur aus dem Boiler, der nach einer Motorfahrt 30l für ca. 20h warm vorhält.

Unterwegs braucht man nicht viel mehr als Sonne, ab und zu einen Fisch und reichlich guten Wein, um bei Laune zu bleiben. Von letzterem halten wir uns natürlich fern.

Morgen geht es in die Ria Vigo, dann zur Insel Cies. Vielleicht schaffen wir es vorher nochmal ein WLAN Netz zu erhaschen, zu gerne würde ich doch von den anderen Schiffen erfahren, wie es in der Algarve, dem Mittelmeer oder vielleicht auch in Rabat ist.

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Schulstart – vorbei ist’s mit dem Lotterleben

Dann soll ich um 9 Uhr aufstehen, Schule machen und darf nicht an den Strand? Das könnt ihr vergessen!“ o-Ton eines nicht weiter genannten Crewmitglieds auf die Bekanntgabe des fortan gültigen Törnplans.

Ja, wir haben es nicht anders gewollt und es uns selbst ausgesucht. Warum nicht doch dem gut gemeinten Rat folgen und einfach ein Jahr mal kollektiv nichts tun? Wobei, wenn ich so recht darüber nachdenke, mit ’nichts‘ haben wir uns nun wirklich die vergangenen sieben Wochen -ist unglaublich, oder? – nicht beschäftigt.
Reparaturen am Schiff, Waschen, einkaufen, Vorlesen, Segeln, Blog schreiben und Blogs / Bücher lesen etc. sind doch allerhand was wir zusammen gemacht haben.

Gesagt getan – die Skipperina übernahm die Aufklarierung des Schiffes während ich mich mit den Kindern auf den Weg machte, um einerseits die Wäsche zu machen und andererseits ein passendes Örtchen für die erste Schulstunde zu finden. Glücklicherweise verwies die Marina auf eine ansässige Wäscherei die für sage und schreibe für 2€ pro Kilogramm unsere Wäsche wusch, bügelte und zusammenlegte ;-).

Der erste Ort des Grauens war auch schnell gefunden. Im Cafe des Yachtclubs – wo ausgezeichneter Kaffee serviert wird – ließen wir uns nieder. Schell war geklärt, wer welchen Stoffinhalt zu verarbeiten hätte. Bis auf wenige sehr konstruktive und überaus überraschende Anmerkungen verliefen die ersten beiden Unterrichtsstunden mit unseren drei „Hochbegabten“ reibungslos.

So oder so ähnlich trug es sich tatsächlich zu und möchte es in meinem Kurz- und Langzeitgedächtnis auf ewig verankert bleiben.

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