Archiv für den Tag: 20. August 2014

Ab in den Mast – Nette steigt in ungewohnte Höhen

Wir haben uns entschieden den Platz auf der Anne effektiver zu nutzen. Da unter Deck bereits jeder Quadratzentimeter Stauraum belegt ist, war es nur konsequent, dass die erste Staumeisterin an Bord sich Ideen machte, wo weiteres Staugut zu lassen wäre.

Da in die Tiefe nur schwer gebaut werden kann, konstruktive Veränderungen am Rumpf oder das Mitziehen eines Versorgungsschiffes uns anfänglich nicht ideal erschien, kamen wir schnell auf die naheliegende Idee – wir müssen in die Höhe bauen!

Trotz aller anfänglicher Euphorie ist die erste Staumeisterin nach der vom Top aus durchgeführten Expedition nicht glücklich mit dem Ergebnis. Wir müssen also schauen was zu tun ist, „Crewstärke auf zwei reduzieren“ wäre eine Option die ich später vorsichtig in die Diskussion werfen werde.

Nette geht gerade ihrem Zweitberuf „Vorleserin“ nach. Wir sitzen im Zug nach Santiago Compostela und die müde Crew lauscht konzentriert ‚Seeräuber Moses‘. Christa, Toni und Frank- ein tolles Buch, danke!
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Ria de Arousa (Porto Aguino, Marina Vilanova & Mariana Vilagarcia) – gefällt uns sehr gut!

Das Wetter meint es gut mit uns. Wenn auch die Wassertemperatur nachwievor nicht zum Baden einlädt, so genießen wir dennoch tagsüber Temperaturen um 25 Grad und mehr. Der Wind ist ebenfalls mit 15-20kn moderat und kommt meist aus passenden Richtungen. Und wenn einmal nicht, dann genießen wir diesen und stecken die Strecke entsprechen kürzer ab.
Gestern war so ein herrlicher Kreuzkurs in der Ria De Arousa. Ca. 15sm sind wir von Porto Aguino zur Marina Vilanova aufgekreuzt und haben die tollen Segeleigenschaften der ANNE wieder mal schätzen gelernt. Wie auf Schienen pflügten wir bei fast keiner Welle der Sonne und dem Wind gegenan. Eine Wende nach der anderen ein Hochgenuss. Die angefügten Bilder zeigen unseren Track und ich kann erneut nur super positiv von der Nacionics Seekarten App auf dem iPad schwärmen. Mittels der mitgelieferten Tools läßt sich der zu erwartende Kreuzkurs Ideal zwischen den viele kleinen Inseln abstecken. Nebenbei lernen die Kids gleich noch ein wenig Geometrie.

Die Ria de Arousa ist die größte Ria Galiziens und würde lässig Törnstoff für eine Woche und mehr hergeben. Sie ist das Haupterntegebiet Spaniens für Miesmuschel. Diese werden in sogenannten Viveros über bis zu 18 Monaten gezüchtet. Viveros sind Flöße (20mx20m) aus Eukalyptusholz an denen Fäden mit der Muschelzucht in die Tiefe gelassen werden. Über die Zeit wächst diese Zucht bis sie bis zur Ernte je Strang ca. 200kg Muscheln beträgt. Ganz schön viel, da ein Floß geschätzt ein paar hundert Fäden beinhaltet. Dass es von diesen Flößen ebenfalls ein paar hundert allein in der Ria de Arousa gibt, macht die Ausmaße vielleicht deutlich. Nachts sind die Viverous übrigens unbeleuchtet, daher machen wir hier zurzeit hier auch nur Tagestouren. Die Ankernächte haben ihren besonderen Reiz. Anbei ein paar Eindrücke die mir vorgestern Nacht durch den Kopf schossen:

Das Schiff tänzelt am Anker und pendelt immer wieder leicht um vielleicht eine, anderthalb Bootslängen um die Ankerflucht zwischen Bugkorb und Ankerabwurfstelle. Das Schiff bewegt sich sanft um diese Flucht über die Ankerkette hinweg. Immerwieder kommen Stöße vom Heck hinzu, da dieses sich in den Wellenwogen immer auf- und abbewegt und dadurch abruptere Schübe erhält. Akustischen wird dieser Wellentakt durch das Singen der Takelage angereichert. Selbst 15kn Wind, also moderate 4 Windstärken, klingen bei Nacht stärker und teilweise bedrohlich. Noch vor nicht all zu langer Zeit hätte eine solche Nacht vor Anker zu Unruhe und ggf. auch zu einer kurzen Nacht mit Ankerwache geführt. Nicht so jedoch heute noch die vergangenen Nächte. Das Ankern klappt bisher so gut, nie haben wir ein Ankermanöver zweimal fahren müssen, noch hätten wir je einen Gedanken an unseren Anker verschwenden müssen, ob dieser halten wird oder nicht. Er hält einfach! Keine Angst wir werden nicht leichtsinnig, versprochen! Das wir das zurzeit so gar nicht sind, hat mir der Gesichtsausdruck eines Nachbarliegers gezeigt. Der Besagte hatte sich nach meinem Dafürhalten am Tag zuvor direkt vor uns gelegt, so dass für den Fall, dass sein Anker ausbrechen würde, er Gefahr liefe, in Drift auf uns aufzulaufen. Daraufhin angesprochen und ins Gespräch gekommen, klärte ich auf, dass ich bei ca 8m Wassertiefe fast 60m Kette gesteckt hätte und dass ich Sorge hätte, dass sein Anker auf unser Kette läge. Von der Größe der staunenden Augen konnte ich förmlich ablesen, dass er sicherlich nicht viel mehr als 25m Kette draußen hatte„. 😉 ok, wir werden das in ein paar Wochen sicherlich auch mit Abstand betrachten.

In dem Sinne – eine gute sichere Nacht!

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