Archiv für den Monat: Juli 2014

… warf ich meine Angel wieder aus

Donnerstag 24.07.

Wir sind von Roscoff nach Brest gefahren, die Strecke ist ungefähr einen Tag lang. Es wurde mir nicht langweilige, weil ich angelte und Armbänder knüpfte.  Leider hatte ich noch nicht so viel Glück mit dem Angeln. Als wir jedoch am äußersten Zipfel der Bretagne waren, warf ich meine Angel wieder aus und nach fünf Sekunden hatte eine Makrele angebissen. Wir grillten die Makrele, schnitten Sie in 4 Steaks und aßen sie.
Morgen geht es los über die Biskaya. Ich freue mich auf den Ozean.

Brest – tolle Überfahrt und volle sonnige Tage

Die 65sm Überfahrt von Roscoff – Brest verlief wie bisher unproblematisch und ruhig, da Wind und Wellen sehr ruhig waren. Einzig die in der ersten Tageshälfte immer wieder plötzlich auftretenden Nebelfelder beanspruchten die volle Aufmerksamkeit. Trotz moderner Technik wie AIS und Radar wurden wir des ein oder andere Mal von vorbeisegelnde Sportbooten ‚überrascht‘. Bei Sichtverhältnissen von max. 200m hinterlässt ein vorbeischleichendes Fahrzeug immer wieder ein ungutes Gefühl.

In Brest bei sonnigem Wetter und schönen 15kn Wind angekommen, hatte der Reiseplan nun doch noch einige Besonderheiten für uns vorgesehen. Zum einen fing uns Lasse erneut eine schöne Makrele, zum anderen wird vor Ort die Jugendweltmeisterschaft der One Design Windsurfer abgehalten. Einige hundert (!) jugendliche Sportler AIS aller Welt, kämpfen verbissen um den Weltmeister Racing Titel auf dem Einheitsbrett. Ferner bat uns eine kleinere französische Yacht um Abschlepphilfe. Das eine oder das andere wäre sicherlich eine willkommene Abwechslung gewesen. Beides zusammen, also ein 13m Schiff schleppt mit einer 15m Schleppleine ein 7m Schiff durch ein ca. 100 Windsurfer starkes Regattafeld, was zu allem Übel auch noch direkt in dem 20m engen Hafenansteuerungskanal liegt, führte schon zu einem erhöhten Pulsschlag. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, welche ihren Unmut sogleich lautstark kundtaten, nahmen wir auch diese Hürde und erreichten mit beiden Schiffen sicher Hafen, ohne dass eine Grund- oder Fremd(Surfer)berührung eingetreten wäre, puh!

Soviel gute Seemannschaft musste und wurde im Rahmen der anderen Odysseyteilnehmer am selbigen Abend noch gefeiert.

Der Tag darauf war von der Odyssey Ralley geplant worden. Begonnen wurde er im nah angrenzenden Meeresforschungs- und Ausstellungszentrum Oceanopolis. Ein Meeresaquarium sowie vielfältigste Ausstellungen zu den Meeresbewohnern war insbesondere für die Kinder ein Highlight. Ausgiebig konnten Robben, Pinguine und Otter beobachtet werden. Der Nachmittag war von Vorträgen geprägt, die sich rund um die Meereforschung, genauer um die Dokumentation (Temperatur, Strömungen, PH-Wert, Salzfägehalt, etc.) der Oceane, drehten. Unter anderem war auch Bernard Stamm, einer der führenden Einhandsegler vor Ort. Bernard schilderte, wie er bei seiner non-stop Erdumsegelung (Vendee Globe Racing) stündlich vollautomatisiert Wasserproben entnahm und diese analysiert und deren Ergebnisse per Satelittenfunk an das Forschungszentrum in Brest übertragen wurden. Dramatischer Weise sank genau dieses Schiff im Dezember 2013 in der Bretange als Bernard und sein Co-Pilot bei Fullspeed hart in eine Welle einschlugen und das Schiff dabei zerbarst. Keine Angst, ANNE ist kein Racingschiff und ferner sind wir nicht irre und segeln im Winter in der Bretagne umher. Umso beeindruckender, wie ein solcher Extremsportler, der in Frankreich einen Bekanntheitsgrad genießt, der vielleicht dessen von Franz Beckenbauers in Deutschland gleichkommt, völlig bodenständig bereit ist, vor einer derart kleinen Gruppe zu sprechen. Zur Erinnerung – es sind bisher mehr Personen zum Mond geflogen, als Menschen die Erde in einem Segelboot non-stop alleine umrundet haben.

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Roscoff – Bretagne oder doch Karibik

Nach zwei Tagen auf der Kanalinsel treibt uns die Neugierde weiter. Zu schade, dass wir uns den ‚Reisestress‘ selbst verordnet haben und die Biskaya wenn möglich noch im Juli überquert haben wollen. Schon allein die Kanalinseln oder auch das bretonische Festland wären gut und gerne einen dreiwöchigen Törn würdig.

Also entschließen wir uns zum Aufbruch und segeln wie motoren die Strecken jeweils zur Häfte. Um 20 Uhr machen wir nach 15 entspannten Stunden auf See im neuen Sporthafen von Roscoff fest. Abgesehen von morgendlichem plötzlich auftretenden Nebel mit Sichtweiten von unter 1sm, war die Fahrt mit leichtem Wind und sonnigem Wetter gesegnet. Dank unser Törnvorbereitung war auch die Strömung meist auf unser Seite. An dieser Stelle kann ich nur allen, die ähnliches vorhaben zu den Navionics Seekarten fürs iPad raten. Nicht nur weil ich ein Apple Fan bin, nein ganz einfach weil es zur Törnplanung und Durchführung als Ergänzung zu den klassische Medien wie dem Reeds Nautical Almanch einfach nichts besseres gibt. Erwartete Tidenhöhen, Strömungsentwicklungen, Kurs, Entfernungen und Wegepunkteplanung geht mit ein paar Klicks ohne große Anstrengungen. Dieses Planungstool in Verbindung mit der Wetterprognosesoftware von Wetterwelt hat sich bislang als äußerst zuverlässig erwiesen.

Roscoff und die vorgelagerte Insel Ile-de Batz hat uns sehr gut gefallen. Wunderschöne Strände die sich mit der bretonischen Architektur sowie dem Felspanorama abwechseln und im Gezeitenspiel ewig neue malerische Eindrücke entwickeln, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir kommen wieder versprochen!

Morgen heißt es dann, mal wieder früh raus. Um 5:00 Uhr geht es erneut los. Auf dem Törnplan stehen 85sm bis nach Brest. Trotz der günstigen nördlichen Winde werden wir wohl wieder einen langen Tag vor uns haben. Ich tippe auf eine Ankunft am Dienstag um 22:00 Uhr, ggf auch später.
Auch wenn unsere ANNE wahrlich ein schnelles und sehr gut segelndes Schiff ist, 10kn im Leerzustand sind ohne weiteres möglich, so macht sich die Zuladung deutlich in der Geschwindigkeit bemerkbar. Egal, wir reisen ja und rasen nicht.

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