Archiv für den Tag: 23. Juli 2014

Brest – tolle Überfahrt und volle sonnige Tage

Die 65sm Überfahrt von Roscoff – Brest verlief wie bisher unproblematisch und ruhig, da Wind und Wellen sehr ruhig waren. Einzig die in der ersten Tageshälfte immer wieder plötzlich auftretenden Nebelfelder beanspruchten die volle Aufmerksamkeit. Trotz moderner Technik wie AIS und Radar wurden wir des ein oder andere Mal von vorbeisegelnde Sportbooten ‚überrascht‘. Bei Sichtverhältnissen von max. 200m hinterlässt ein vorbeischleichendes Fahrzeug immer wieder ein ungutes Gefühl.

In Brest bei sonnigem Wetter und schönen 15kn Wind angekommen, hatte der Reiseplan nun doch noch einige Besonderheiten für uns vorgesehen. Zum einen fing uns Lasse erneut eine schöne Makrele, zum anderen wird vor Ort die Jugendweltmeisterschaft der One Design Windsurfer abgehalten. Einige hundert (!) jugendliche Sportler AIS aller Welt, kämpfen verbissen um den Weltmeister Racing Titel auf dem Einheitsbrett. Ferner bat uns eine kleinere französische Yacht um Abschlepphilfe. Das eine oder das andere wäre sicherlich eine willkommene Abwechslung gewesen. Beides zusammen, also ein 13m Schiff schleppt mit einer 15m Schleppleine ein 7m Schiff durch ein ca. 100 Windsurfer starkes Regattafeld, was zu allem Übel auch noch direkt in dem 20m engen Hafenansteuerungskanal liegt, führte schon zu einem erhöhten Pulsschlag. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, welche ihren Unmut sogleich lautstark kundtaten, nahmen wir auch diese Hürde und erreichten mit beiden Schiffen sicher Hafen, ohne dass eine Grund- oder Fremd(Surfer)berührung eingetreten wäre, puh!

Soviel gute Seemannschaft musste und wurde im Rahmen der anderen Odysseyteilnehmer am selbigen Abend noch gefeiert.

Der Tag darauf war von der Odyssey Ralley geplant worden. Begonnen wurde er im nah angrenzenden Meeresforschungs- und Ausstellungszentrum Oceanopolis. Ein Meeresaquarium sowie vielfältigste Ausstellungen zu den Meeresbewohnern war insbesondere für die Kinder ein Highlight. Ausgiebig konnten Robben, Pinguine und Otter beobachtet werden. Der Nachmittag war von Vorträgen geprägt, die sich rund um die Meereforschung, genauer um die Dokumentation (Temperatur, Strömungen, PH-Wert, Salzfägehalt, etc.) der Oceane, drehten. Unter anderem war auch Bernard Stamm, einer der führenden Einhandsegler vor Ort. Bernard schilderte, wie er bei seiner non-stop Erdumsegelung (Vendee Globe Racing) stündlich vollautomatisiert Wasserproben entnahm und diese analysiert und deren Ergebnisse per Satelittenfunk an das Forschungszentrum in Brest übertragen wurden. Dramatischer Weise sank genau dieses Schiff im Dezember 2013 in der Bretange als Bernard und sein Co-Pilot bei Fullspeed hart in eine Welle einschlugen und das Schiff dabei zerbarst. Keine Angst, ANNE ist kein Racingschiff und ferner sind wir nicht irre und segeln im Winter in der Bretagne umher. Umso beeindruckender, wie ein solcher Extremsportler, der in Frankreich einen Bekanntheitsgrad genießt, der vielleicht dessen von Franz Beckenbauers in Deutschland gleichkommt, völlig bodenständig bereit ist, vor einer derart kleinen Gruppe zu sprechen. Zur Erinnerung – es sind bisher mehr Personen zum Mond geflogen, als Menschen die Erde in einem Segelboot non-stop alleine umrundet haben.

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