Archiv für den Tag: 12. Juni 2014

Hamburg meine Perle – Überführung über Pfingsten

Nachdem wir Anne nun für die letzten Tage ganz alleine für uns hatten, steht umfangreicher Großbesuch für das Überführungsvorhaben Ostsee-Hamburg an. Herbert hat sich mit fünf Kindern angekündigt: Hannes, Annelie, Lasse, Neele und natürlich Torge. Hierfür wurde jegliche logistische Herausforderung auf sich genommen und eine Großraumlimonsine eines bekannten norddeutschen Automobilherstellers für den Shuttle nach Kiel Stickenhörn eingesetzt. Dank Pfingstverkehr und der allgemein hervorragenden Wetterlage teilte sich die angereiste Crew die A7 mit weiteren 100.000den Kurzurlaubern und war froh gegen 22:00 Uhr endlich in Kiel anzukommen.

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Dieser Anreisestress sollte für die nächsten vier Tage der einzige nennenswerte Stressfaktor sein. Die Ostsee begrüßte die Neuankömmlinge mit allerbesten Wetter und zeigte Segeln von seiner allersüßesten Seite. Der Pfingstsamstag wurde bei angenehmen 20 Grad an der nördlichen Förde verbracht, wo gegen  Nachmittag in Küstennähe der Anker geschmissen wurde. Von dort aus entdeckte die Crew mit dem Beiboot den nahen Uferstreife und schloss Bekanntschaft mit vier steinalten Schildkröten die sich an den Ostseestrand verlaufen hatten.

Trotz oder gerade weil ich meine Kenntnisse der Ostsee für vorzeigbar halte, war ich von der Anzahl der segelnden Schiffe auf der Förde beindruckt. Neben einer Jugendregatta vor Schilksee die es alleine auf sicherlich gut 100 Jollen brachte, waren sicherlich noch weitere 200-300 Schiffe auf allerengstem Raum versammelt – eine spektakuläre Szenerie! Bei selbstkritischer Sicht komme ich zu der überraschenden Erkenntnis, dass ich zusammen mit meinen Surfkumpels Lasse und Sascha in unser Jugend (ja, das kann man zwischenzeitlich sagen, denn 20 Jahre ist es bereits her) nur einen sehr begrenzten Teil der Ostsee kennenlernte und die zu dem zu „Windrandzeiten“ bei denen vermeintlich “normale“ Segler das Wasser gewöhnlich meiden.

Tags zuvor haben wir oder besser gesagt hat Michael unsere offenen Elektronikpositionen fertiggestellt. Dank ihm können wir uns nun über ausreichende solare Stromgewinnung (Einspeisestrom von über 10A bei bedecktem Himmel) sowie die Möglichkeit der 220V Spannungsentnahme ohne Landstrom freuen. Montiert auf dem Bimini als Sonnenschutz (Danke Martin von SY-Merger.de für die tollen Tipps!) von der Tuchwerkstatt.de eine klasse Sache! Derartig equipped und entspannt konnten wir am Sonntag den Nord-Ostsee-Kanal und damit die erste Hälfte der Fahrt nach Wedel angehen. Dank unseres AIS (Automatischen-Identifizierungs-Systems) können wir die dicken Pötte bereits mit einigen Kilometern Abstand im voraus sichten und sind so auf das ‚Schlimmste’ vorbereitet: „ Alle an Deck – Groch Fock gesichtet, Europa 2, Mein Schiff, Aida, etc. … spektakulär was sich am und im Kanal so tummelt.

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Die Befahrung des NOKs hat seinen ganz besonderen Reiz, einerseits da man die gewohnte Ostseeumgebung verlässt und schon zu Beginn beim Schleusen in den Kontakt mit der Berufsschifffahrt kommt. Andererseits ist die Landschaft Schleswig Holstein betrachtet aus der Kanalperspektive einfach wunderschön. Ein ständiges Kommen und Gehen von Tankern, Container- und Passagierschiffen vermittelt einem das Gefühlt „auf großer Fahrt“ zu sein. Aufgrund der Befahrensregeln, Sportschiffe dürfen den NOK nur zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang befahren, mussten wir bei Streckenkilometer 80km von 100km eine nächtliche Rast einlegen. Da die Einfahrt nach Hamburg am besten bei auflaufendem Wasser gelingt, hatten wir uns vorgenommen unsere Fahrt bereits um 6 Uhr morgens fortzusetzen. Die Schleusung um 9 Uhr in Brunsbüttel blieb einem Großteil der schlafenden Crew diesmal verborgen.

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Nachdem sich der Frühnebel gegen 12 Uhr auflöste und die Sonne ihre Kraft so richtig entfalten konnte, liefen wir mit auflaufenden Wasser, leichtem Wind und erneut hochsommerlichen Temperaturen die Elbe aufwärts Richtung unseres Ziels Yachthafen Hamburg / Wedel. Die Fahrt lief bis auf einen kleinen Zwischenfall problemlos. Eingelullt von Sonne und leichtem Wind übersahen wir, dass die Containerriesen auf der Elbe ihre Handbremse gelöst haben und mit deutlich mehr Geschwindigkeit unterwegs sind. Nicht dass uns dies in Form eine Kollision oder ähnliches in Bedrängnis gebracht hätte. Nein, mit vollem Interesse und Bewunderung verfolgen wir die heranrauschende Bugwelle und vergaßen den auf dem Vorschiff vertieft lesenden Herbert ein „Warschau“ Ruf zu geben. In folge dessen übergoss sich eine etwas größere Welle über Herbert und nahm gleich noch den weiteren Weg durch die geöffnete Decksluke in die Koje, um dort auch Lasse an dem Spektakel teilhaben zu lassen.

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Ankunft Wedel gegen 14 Uhr mit der Erkenntnis – so kann es gerne die nächsten Monate weitergehen. Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu erledigen (Satellitentelefon an den PC anbinden, Gelcodearbeiten, Seenetze spannen, Wasserfilter installieren und vielleicht noch weitere 20 Kleinigkeiten 😉 bevor wir dann 30. Juni in den Citysporthafen verholen, von dem es am 3. Juli morgens 9:00 Uhr mit der Flut elbabwärts gehen soll. Ahoi Nordsee, wir kommen!

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