Archiv für den Monat: Mai 2014

Himmelfahrt in Heiligenhafen

Wir sind nun schon über eine Woche an Board der Anne und bis auf die zwei Tage Starkwind ist uns das Wetter wohl gesonnen. Nachdem die Umbauarbeiten gut voranschreiten, der Windgenerator läuft wieder und auch das Satellitentelefon ist aus dem Dornröschenschlaf erweckt, sollten über Himmelfahrt die ersten längeren Törns starten. Leider ist daraus aufgrund einer akuten Ellenbogenentzündung nichts geworden. Seit Freitag ist der Arm bandagiert und Ruhe verordnet. Weitere Törns somit gestrichen. Wir machen das Beste draus und genießen die Strände, Eisbuden und sonstigen Attraktionen in Heiligenhafen. Morgen wird Opa mir den Kindern nach Hannover zurückfahren, Nette und ich die Restarbeiten erledigen und sofern der Arm es zulässt, ein paar kleinere Törns unternehmen.

20140531-214258-78178692.jpg

20140531-214706-78426074.jpg

Bimini Bau und Starkwind in Heiligenhafen

So schnell ändern sich das Wettergeschehen. Hatten wir heute morgen noch gefühlte 20 Grad, so haben wir wenige Stunden später nur noch 12 Grad zu vermelden. Dafür hat der Wind von 4 auf 7 Beaufort zugelegt. Für die nicht Eingeweihten – das ist zwar noch kein Sturm, aber so ein Wetter, bei dem niemand mehr freiwillig den Hafen verlässt. Zumindest regnet es nicht und die Arbeiten können weitergehen. Am Ende des Tagen haben wir (na gut gearbeitet haben nur zwei von drein 😉 das Bimini Verdeck angebracht, die Vorbereitungen für Solar gelegt und einen Inverter installiert. Danke Olaf für die freundliche Leihstelling! Michael hat sich wie immer als Fachmann mit kreativer Bastelader gezeigt und eine tolle elektrische Gesamtlösung gabaut. Ach ja, das Rätsel der gestrigen GPS
Fragestellung hat sich auch geklärt. Die Antenne war defekt, ersatzweise ist das AIS (Automatisches Identifizierungs-System) eingesprungen. Micha, sagenhafter Einsatz unter erschwerten physischen Herausforderungen, klasse!
Sebastian von Tuchwerkstatt aus Greifswald, auch an Euch auch unseren besten Dank für die klasse Arbeit und die Flexibilität die Ihr zeigt!

Morgen stehen noch ein paar weitere Arbeiten an, dann kommt Nette mit den Kinder und Opa im Schlepp, um das hoffentlich schöne Wetter über Christi Himmelfahrt für einen weiteren schönen Törn zu nutzen.

Tschö Stefan

20140527-214056-78056365.jpg

20140528-225831-82711772.jpg

20140528-225833-82713868.jpg

Windpilot – eine tolle Erfindung!

Was für ein Tag! Sonne satt von der ersten bis zur letzten Minute. In meinen Erinnerungen kenne ich die Ostsee eher kalt und windig, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass wir in der Vergangenheit primär an den Saison Randzeiten gechartert haben.

Der heutige Tag war von Arbeit und einer anschließenden schönen Belohnung geprägt.

Nachdem ich die Matratzen aus der Steuerboard Heck Koje (also der hinteren rechten) sowie der Bug Koje gegen neue ausgetauscht habe, kam Michael unser Elektronik Experte an Board um diverse Elektroinstallationen und Umbauten zu unterstützen. Leider sind wir nicht ganz so weit gekommen wie gehofft, denn wie so häuft stößt man beim Lösen des einen Problems auf zwei neue ;-). Kurioser Weise stellte sich dann bei der späteren Testfahrt heraus, dass das eines der Probleme (GPS Signal war ausgefallen) trotz abgebauter GPS Antenne nicht mehr existent war – soll heißen wir offensichtlich eine „falsche Antenne“ abgebaut haben. Was diese Antenne tuen soll und wo die richtige GPS Antenne steckt, die das eigentliche Probleme verursacht hat, werden wir uns morgen widmen.

Gegen 15 Uhr ist dann noch Lasse, mein langjähriger (25 Jahre – kein Scherz Lasse) Kumpel an Board dazu gestoßen. Zusammen haben wir klar Schiff gemacht und die Segel bzw. vorher die Windfahne gesetzt. Eine Windfahne ist für Fahrtensegel neben dem GPS wohl die relevanteste Erfindung überhaupt. Peter Foerthmann fertigt mit seiner Firma Windpilot diese technisch ausgeklügelte Selbststeuerungsanlage in Hamburg. Ein Bericht im NDR hat meinen Vater und damit auch mich auf den Windpilot aufmerksam gemacht.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Ein Fahne die im Wind-Lot steht, wird durch einen vorlichen oder achterlichen Windeinfall (also Wind von vorne oder von hinten) entweder nach links oder rechts gerückt und übermittelt diesen Drehimpuls mittels eines Gelenkes auf eine Pendelruder, welches im Wasser steckt. Die Kraft des Wasserdrucks wird mittels eines Seilzuges auf das Steuerrad der Anne umgelenkt und wirkt somit den auslösenden Kräften (Wind, Welle oder beides) entgegen. Somit bleibt das Schiff immer auf dem rechten Kurs zum Wind. Das System so genial, da es keine Geräusche macht, keinen Strom verbraucht und sich auf die sich ständig ändernden Windverhältnisse ideal einstellt.

Das hört sich jetzt vielleicht alles ganz einfach an, und zugegeben ist es auch, wenn man das System einmal sauber eigestellt hat. Hierbei kann es helfen, wenn man auch das Handbuch intensiver liest… . Zugegebener Maßen haben Lasse und ich uns die erste halbe Stunde schon etwas fragend angesehen. Statt den Böen und den sich damit verändernden Bedingungen entgegen zu wirken, verstärkte die Windfahne diese eher noch. Dank eines Geistesblitzes eines der Crewmitglieder haben wir dann entschieden einfach die zwei Lenkimpulse umzukehren – also die zwei Leinen zu vertauschen. Und siehe da, es lief perfekt!

Unterm Strich eine sehr gelungene Anlage die uns diesen sehr gelungenen Tag mit Sonne und bis zu 20kn Wind weiter versüßte.

Wie anstrengend Segeln vor ein paar hundert Jahren gewesen sein muss, lässt diese Kogge „Kampen“ nur erahnen. Die Kogge hat sich Anne im Fehmarn Sund von achtern genähert und später im Fischerei Hafen festgemacht.

20140526-231057-83457419.jpg

20140526-231058-83458760.jpg

20140526-231055-83455637.jpg

20140526-231101-83461113.jpg